4. eBookCamp Hamburg am 1. November 2014

Es war lange Zeit still hier auf diesen Seiten und nach wie vor ist heißer Sommer in Hamburg. Das soll aber nicht heißen, dass wir, das Orga-Team, untätig waren und nichts mehr von uns hören lassen wollten. Dafür ein großes Sorry!

Im Gegenteil: Die Planungen für das 4. eBookCamp am 1. November 2014 laufen schon längst auf Hochtouren und es wird drum herum wohl noch ein Extra-Zuckerchen geben. Seid gespannt! Alle weiteren und detaillierten Infos zu Ablauf, Location, Programm, Ticketerwerb, Sessionanmeldung und -vergabe etc. werden hier und über die bekannten Kanäle verkündet.

… und hey, Wahnsinn, oder, nach 3x Hamburg und 1x München ist das 4. eBookCamp nun schon das FÜNFTE insgesamt. Also schon ein kleines Jubiläum. Yeah, wir freuen uns!

Bleibt dran und seid wie wir schon jetzt und sowieso wieder ganz besonders ELECTRIFIED!


Die Sessions des eBookCamps 2013 im Rück- und Überblick

Sessionplanung beim eBookCamp 2013

Sessionplanung beim eBookCamp 2013

Neun Sessions rund ums Thema E-Publishing fanden am 2. November 2013 beim eBookCamp im Hamburger MakerHub statt – und zwar immer drei parallel. Für unsere Teilnehmer hieß das: jeder konnte nur ein Drittel der Sessions besuchen. Ein Umstand, über den traditionell viel geklagt wird.

Damit dieses Mal keiner das Gefühl haben musste, etwas verpasst zu haben – auch die, die keine Tickets ergattern konnten -, hatten wir erstmals sogenannte „Sessionpaten“ berufen. Diese protokollierten die Sessions mit und wir stellten diese in den letzten Tagen sukzessive online. Den Sessionpaten an dieser Stelle auch noch ein großes Dankeschön für die Mühe und die kompetenten Berichte!

Damit keiner den Überblick verliert: Hier nochmals alle Infos zu den neun Sessions gesammelt im Überblick:

Unser Schwerpunktthema E-Book-Pricing:

Steffen Meier1. Steffen Meier
Der Preis ist heiß – alles billig, oder was?

Steffen Meier (Ulmer Verlag, AKEP) wagte den Rundumschlag und nähert sich dem Thema Pricing aus verschiedenen Blickwinkeln (u. a. Verlage, Autoren, Händler).
Mehr Infos zu Steffen Meier >
Zum Sessionbericht von Claudia Pleil >

Nina Kreutzfeldt2. Nina Kreutzfeldt
E-Book-Kalkulation im Verlag

Nina Kreutzfeldt (Kreutzfeldt digital) beschäftigte sich mit dem Thema Pricing aus Verlagssicht und präsentierte eine Beispielkalkulation.
Mehr Infos zu Nina Kreutzfeldt >
Zum Sessionbericht von Barbara Lauer >

Maike Prehn3. Maike Prehn
Die Legende vom richtigen Preis?

Mit ihrer Frage nach dem richtigen Preis beleuchtete Maike Prehn (Kontor New Media) das Thema Pricing aus Kundenperspektive.
Mehr Infos zu Maike Prehn >
Zum Sessionberich von Sana Tornow >

Daneben fanden folgende sechs Sessions statt:

Cigdem Aker4. Cigdem Aker
Eine Wochenzeitung macht E-Books
Cigdem Aker (DIE ZEIT) verriet, welche Erfahrungen der Zeitverlag mit seinem E-Book-Programm macht.
Mehr Infos zu Cigdem Aker >
Zum Sessionbericht von Nele Süß >

Christina Kumpmann5. Christina Kumpmann
TigerCreate – interaktive Erlebnisbücher für alle Plattformen

Christina Kumpmann (Oetinger) präsentierte mit TigerCreate eine Software, die das einfache und schnelle Erstellen interaktiver Erlebnisbücher ermöglicht.
Zum Sessionbericht von Marlies Hebler >

Volker Oppmann 6. Volker Oppmann
LOG.OS

Volker Oppmann (ONKEL & ONKEL) erläuterte, was hinter seiner Idee eines „zentralen Betriebssystems des geschriebenen Wortes“ steckt.
Mehr über Volker Oppmann >
Zum Sessionbericht von Volker Oppmann >

Fabian Kern7. Fabian Kern
Anspruchsvolle EPUB-E-Books selber machen

Fabian Kern (digital publishing competence) zeigte in seinem Werkstattbericht, wie er einen Bildband als EPUB2- und EPUB3-E-Book umgesetzt hat.
Mehr über Fabian Kern >
Zum Sessionbericht von Lucas Lüdemann >

Johanna Schaumann8. Johanna Schaumman
Marketingaktionen für E-Books

Johanna Schaumann (Carl Hanser Verlag) lotete spezielle Marketingmöglichkeiten für E-Books aus und warf dabei auch einen Blick auf Preisaktionen und Freebooks.
Mehr über Johanna Schaumann >
Zum Sessionbericht von Florian Andrews >

Charlotte Reimann9. Junge Berliner E-Book-Startups stellen sich vor
Charlotte Reimann moderierte die Startup-Runde mit Christiane Frohmann (Frohmann Verlag), Elisabeth Alexander (Ring eBooks) und Jan Karsten (CULTurBOOKS).
Mehr über die Startup-Runde >
Blog-Rückblick von Charlotte Reimann >

Wer noch einen generellen Rückblick aufs eBookCamp werfen möchte, hat folgende Möglichkeiten:

“Das eBook-Camp ist ein Barcamp für E-Book-Macher von E-Book-Machern.”
Kai Mühleck vom Börsenblatt hat einen Bericht übers eBookCamp verfasst >

“… zum dritten Mal pilgerte alles, was sich mit dem Thema E-Book beschäftigte, in das MakerHub nach Hamburg …”
Zum Blogbeitrag von Steffen Meier auf meier-meint.de >

“Das Schöne an diesem Barcamp ist die lockere Atmosphäre und die vielen angeregten Gespräche außerhalb der Sessions.”
Zum Beitrag von Charlotte auf ihrem Blog “Bücher im Netz” >

“Teilnehmer und Veranstalter sind auch in diesem Jahr wieder hochzufrieden und alle strömen zum Kühlschrank.”
Luka Maria Schuchard im Blog der Jungen Verlagsmenschen >

“Hoffnungsvoll, Visionär, Familär, Freundschaftlich, Verbunden, Keine Schranke im Kopf, Engagiert, Umtriebig.”
Lucas Lüdemann beschreibt auf 11punkt.de die Stimmung während des eBookCamps >

Außerdem haben wir eine Auswahl an Tweets, Bildern und Artikeln auf Storify gesammelt >


Sessionbericht: E-Book-Marketing (Johanna Schaumann)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Marketingaktionen für E-Books: Learning by Doing, Trial and Error – oder doch gezielt planbar?

Sessionleiterin: Johanna Schaumann

Text: Florian Andrews

Nach einer grundsätzlichen Arbeitsplatz- und Situationsbeschreibung führte Johanna in den Marketingprozess des Carl Hanser Verlages ein. Bei Hanser gibt es eine sehr klare Firmenphilosophie und nach der ist das Handeln des Verlages auf das stationäre Sortiment ausgerichtet.

Gleichwohl ist das E-Book-Marketing bei Hanser kein statischer Prozess und auch keine Eins-zu-eins-Übernahme des Handelsmarketings. Auf dem noch nicht so gefestigten E-Book-Markt probiert Hanser einiges aus und agiert auch manchmal nach der Trial-and-Error-Methode. Aber in einem Punkt gibt es eine klare Haltung im Haus: Sowohl beim E-Book als auch im Printbereich gibt es keinen direkten Handel mit Endkunden. Der gesamte Vertrieb ist indirekt organisiert.

Das Printprodukt mit seinem Cover und seiner je eigenen Qualität ist also der Ausgangspunkt für die Arbeit mit den E-Books, von diesem Punkt leitet Johanna Vertrieb, Preis und Marketing für das E-Book ab. Ihr Fokus liegt im Marketing auf der Auffindbarkeit der Titel im Netz. Online-, Handels- und Social-Media-Marketing sind ihre Werkzeuge. Daher ist sie immer auf der Suche nach neuen Partnern, nach neuen Produktformen und nach Möglichkeiten, den Workflow so zu gestalten, dass er eine möglichst hohe Flexibilität und Aktualität ermöglicht.

Johanna Schaumann: E-Book-Marketing, Session beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

Im Onlinemarketing sucht Johanna Antworten auf drei Fragen:

  • Wie kommt der Kunde auf die Seite?
  • Wie kommt der Kunde zum Kauf?
  • Wie wird der Kunde dann betreut?

Saubere Metadaten sind dabei eine Voraussetzung, aber auch ein souveräner Umgang mit den vom Wiederverkäufer vorgegebenen Produktkategorien sowie mit der Entwicklung von phantasievollen Zusatzmaterialien. Leitgedanke ist immer die Kommunikation, bzw. die Verwendbarkeit des Inhaltes in den Kommunikationskanälen.

Auch im Handelsmarketing sind es drei Fragen, die beantwortet werden müssen:

  • Wie werden die Titel im Shop platziert?
  • Welche Möglichkeiten für redaktionelle Unterstützung gibt es?
  • Welche Aktionen sind mit den Handelspartnern möglich?

Aufgrund der Endlichkeit des Marketingbudgets, ist der persönliche Kontakt zu den Storemanagern zentral, außerdem ist die Teilhabe an Free-Books, Leseproben und Kooperationswerbung wichtig.

Auch im E-Mail- und Newsletter-Marketing gilt es, mit den Handelspartnern eng zusammenzuarbeiten. Denn die Leser sollen zwar zu den E-Books hingeführt werden, der Kauf soll aber eben auf den Seiten der Handelspartner stattfinden.

Eine Zielgruppe von Johannas Marketingaktionen sind daher auch die klassischen Sortimenter, mit denen sie unterschiedlichste Aktionen vereinbart.

Im Bereich Social Media ist Hanser sehr aktiv, bindet dabei die Autoren stark ein bzw. animiert sie, aktiv zu werden.

Zu den o. g. klassischen Marketinginstrumenten nimmt Johanna noch die neuen, sich aus dem Produkt ergebenden Möglichkeiten hinzu, wie z. B. Widgets, Leseproben extended etc., Free-Book- oder Preisaktionen.

Am Ende dieses Exkurses durch das Onlinemarketing des Hanser Verlages standen einige Fragen, die aber mangels Zeit nicht mehr diskutiert werden konnten:

  • Die „Warengruppen“ oder Kategorien in den E-Book-Shops entsprechen i. W. den Warengruppen eines stationären Händlers. Wo bleiben Kategorien wie z. B. „enhanced E-Books“ oder „E-Book first“?
  • Wie sieht es mit Bestsellerlisten beim E-Book aus?
  • E-Books als Leseexemplare?
  • E-Books zum Vormerken?
  • E-Books und die Backlist?

Die Session von Johanna zeichnete sich dadurch aus, dass sie sehr genau und detailliert den Umgang mit E-Books im Carls Hanser Verlag (Belletristik) nachzeichnete. Durch ihre Genauigkeit ergab sich ein sehr spannendes Bild vom E-Book-Marketing an sich. Denn Hanser ist ein Verlag, der eine klare, politische Entscheidung getroffen hat: erst Print und Buchhandel, dann E-Book und Download. Das heißt, das Handeln für und mit E-Books orientiert sich bei Hanser stets am Handeln für sein Gegenüber im Print.

Vergleicht man diese Position z. B. mit dem Auftreten und Argumenten aus den Sessions mit Fabian Kern oder den Berliner/Hamburger Start-ups, dann wird klar, wie groß und vielfältig das Markttreiben im digitalen Bereich ist. Damit ist nicht nur gemeint, dass man auf sehr unterschiedliche Art sein Glück finden kann, sondern dass „beharrende“ Positionen sehr klar handlungsleitend sind und damit auch zur Reduktion von Kontingenzen führen können.


Sessionbericht: Anspruchsvolle EPUB-E-Books selber machen (Fabian Kern)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Anspruchsvolle EPUB-E-Books selber machen – ein Werkstattbericht

Sessionleiter: Fabian Kern

Text: Lucas Lüdemann

Fabian berichtete von einem Referenzprojekt, das er zusammen mit Ursula Welsch umgesetzt hat. Ziel war, ein reich bebildertes Sachbuch als EPUB-E-Book umzusetzen. Das Projekt sollte beispielhaft zeigen, wie man inhaltlich komplexe Printinhalte im E-Book umsetzen kann, mit welchen Schwierigkeiten man zu tun hat, und welche Möglichkeiten man dabei ausschöpfen kann.

Als Projekt sollte ein Buchinhalt dienen, für den Ursula Welsch die Rechte besitzt: Lou Andreas-Salomé. Eine Bildbiographie. Der Vorteil bei diesem Content war, dass die Rechtelage der Texte und Bilder bereits komplett geklärt war und damit keine zusätzlichen Umwege oder inhaltlichen Anpassungen nötig waren.

Entscheidung

Fabian und Ursula haben sich dafür entschieden, das Buch als reflowable EPUB umzusetzen, und zwar zunächst als einfaches EPUB, welches eine möglichst breite Geräteunterstützung erlaubt. In einem zweiten Schritt soll das EPUB auch mit multimedialen und interaktiven Elementen angereichert werden, also ein sogenanntes enhanced E-Book erstellt werden.

Aber zunächst zur einfachen EPUB-Variante. Das Beispielprojekt ist insofern etwas Besonderes und interessant für Verlage, als gemeinhin die Auffassung herrscht, dass Bücher mit aufwändigem Layout und zahlreichen Bildern nur im Fixed Layout umzusetzen sind.

Exkurs: Fixed-Layout-EPUBs stellen ihren Inhalt in feststehendem Seitenlayout dar. Jede Seite kann eins zu eins wie im gedruckten Buch dargestellt werden. Das Fixed-Layout-EPUB besitzt eine feste Paginierung. Im Unterschied dazu besitzt das reflowable EPUB keine feste Seitenstruktur. Die typografischen Einstellungen (wie z. B. Schriftart und -größe) werden vom Leser/Gerät definiert. Die Buchseiten werden vom Gerät während des Blättervorgangs gerendert, der Zeilenfall ist vom Gerät und von der Lese-Software abhängig. Der Vorteil des reflowable EPUBs liegt in seiner Flexibilität. Während die Seiten eines Fixed-Layout-EPUBs feststehende Pixelgrößen besitzen und damit u. U. auf kleinen Bildschirmen kaum lesbar sind, passen sich reflowable EPUBs dynamisch an die Bildschirmmaße an. Damit lässt sich ein Print-Layout nicht eins zu eins umsetzen und eine Lesestruktur, die auf einem Doppelseiten-Layout basiert, lässt sich ebenfalls nicht realisieren.

Fabian und Ursula haben sich bewusst gegen ein Fixed-Layout-EPUB entschieden. Der Grund dafür: Zum einen wird das Fixed Layout nur von einer kleinen Gerätegruppe unterstützt, was die Zielgruppe, die durch das spezielle Thema ohnehin recht klein ist, weiter eingeschränkt hätte. Zum anderen hält Fabian das Fixed Layout für eine technologische Sackgasse. Die Einschränkung auf ein bestimmtes Medienformat (feste Pixelgröße) wird nicht die Lösung der Zukunft sein. Fixed Layout ist also eine „Brückentechnologie“.

Bei der Umsetzung des reflowable EPUBs sollten alle Möglichkeiten des Formats ausgereizt werden. Hier stellen sich aber ebenfalls Fragen nach der Kompatibilität. Würde man z. B. die technischen Möglichkeiten des EPUB-3-Standards voll ausnutzen, müsste man wieder mit dem Problem einer eingeschränkten Gerätegruppe umgehen. Wählte man ausschließlich den EPUB-2-Standard, um das E-Book auf allen EPUB-tauglichen Geräten gleichermaßen gut darzustellen, wäre man in seinen Möglichkeiten arg eingeschränkt. Die Lösung bestand darin, eine EPUB-Variante umzusetzen, die nach dem Prinzip der „graceful degradation“ funktioniert. Darin werden all die technischen Möglichkeiten des EPUB-2-Standards umgesetzt, die auf einigen Lesegeräten eine optimale Darstellung erlauben, auf allen anderen Geräten aber trotzdem lesbar bleiben. Und im Idealfall so ordentlich, dass es einem Leser (ohne direkten Vergleich) gar nicht auffällt, dass ihm etwas entgeht. Die EPUB-3-Variante wird in einem zweiten Schritt als eigene Datei-Version erstellt und separat angeboten.

Arbeitsweise

Da die Text-Daten als Worddateien vorlagen, lag ein Workflow Word-to-HTML nahe. Hierfür muss die Worddatei sauber strukturiert sein, d. h. mit Absatz- und Zeichenvorlagen ausgezeichnete Texte enthalten. Aus Word (Version 2007 und jünger) muss dann im Format „Als Webseite, gefiltert“ abgespeichert werden. Das daraus entstehende HTML-Dokument ist leider noch nicht so sauber, dass man es unbearbeitet für ein EPUB nutzen kann. In der Tat ist die Bereinigung noch mit einigem Aufwand verbunden und nicht ideal. Fabian würde dies beim nächsten Mal anders machen und empfiehlt lieber den Weg über OpenOffice.

Nach der Bereinigung des HTML-Dokuments (am einfachsten mit einem professionellen Werkzeug wie XML Spy o. Ä.), wurde das EPUB mit Hilfe des kostenlosen Programms Sigil aufgebaut, das Fabian sehr gut gefällt. Damit lassen sich EPUB-Dateien aufbauen, editieren, korrigieren.

Exkurs: Ein EPUB ist eine Container-Datei, in der Buchinhalte und Buchdefinitionen in einer Ordnerstruktur abgelegt sind. Jede (nicht kopiergeschützte) EPUB-Datei kann mittels Änderung der Datei-Endung in „.zip“ entpackt werden. Darin befindet sich eine Mimetype-Datei, die den Container als EPUB definiert, ein Ordner „Meta-inf“, der eine Datei enthält, die u. a. auf den Pfad der .opf-Datei verweist, sowie ein Ordner „OEBPS“, der alle wesentlichen Inhalts- und XML-Steuerungsdateien enthält, u. a. besagte .opf-Datei. Die .opf-Datei (meist als content.opf oder package.opf abgespeichert) enthält fast alle wichtigen Definitionen für das EPUB, z. B. die EPUB-Version (2 oder 3), die Metadaten mit Information über Autor, Verlag, ISBN etc., eine Auflistung aller im Container befindlichen Inhaltsdateien sowie die Reihenfolge, in der sie angezeigt werden sollen, und noch einiges mehr. Die Text-Inhalte werden in HTML-Dateien erfasst, die Darstellungsweise der Texte mittels einer eigenen CSS-Datei gesteuert. Etwaige Bilder und Schrift-Fonts, Video- oder Audio-Dateien liegen ebenfalls im OEBPS-Ordner. EPUB 2 basiert im Wesentlichen auf HTML 4, EPUB 3 im Wesentlichen auf HTML 5.

Das Besondere von Sigil ist, dass es die Ordner-Struktur mit ihren internen Verweisen und Verlinkungen automatisch erstellt. Verändert man irgendetwas in Sigil, kann man immer sicher sein, dass das Programm ein valides und sauber strukturiertes EPUB daraus macht. Das Programm enthält darüber hinaus den offiziellen EPUB-Checker, ist mit dem W3C-CSS-Validator verknüpft und bietet eine automatische Bereinigung der CSS-Datei sowie des Bild-Ordners. Den Komfort muss man allerdings mit einer gewissen Unflexibilität bezahlen. Sigil unterstützt ausschließlich den Standard EPUB 2. Möchte man also Funktionalitäten des EPUB-3-Standards in sein EPUB integrieren, muss man dies nachträglich umsetzen und die Datei danach nicht mehr in Sigil öffnen. Sigil überschreibt nämlich diese Änderungen und löscht eigenmächtig alles, was nicht in sein „Verständnis“ eines validen EPUBs passt. Darüber hinaus legt Sigil seine eigene Ordnerstruktur an, die im Falle einer weiterführenden Nutzung der EPUB-Daten möglicherweise Probleme bereitet. Ist man sich dieser Einschränkungen bewusst, ist Sigil aber ein sehr hilfreiches und zeitsparendes Tool. Denn die manuelle Bearbeitung von EPUBs ist extrem fehleranfällig. Jede Veränderung in einer Datei zieht u. U. Konsequenzen in anderen Dateien des Containers nach sich (z. B. content.opf), die nachzuverfolgen sehr aufwändig ist.

Fabian Kern: Anspruchsvolle EPUB-E-Books selber machen, Session beim eBookCamp 2013Konzeption und Umsetzung des E-Books

Das E-Book sollte den Charakter des Buches aufgreifen, die Möglichkeiten (und Einschränkungen) des neuen Mediums aber berücksichtigen und optimal umsetzen. Das Layout des gedruckten Buches enthält zahlreiche Bilder, die aus dem Nachlassarchiv der Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé stammen, sowie Originalfotos aus den Jahren um 1900. Für die Umsetzung des E-Books als reflowable EPUB musste auf das Doppelseitenprinzip des gedruckten Layouts verzichtet werden. Typografisch und hinsichtlich der inhaltlichen Bestandteile wurde die Struktur des gedruckten Buches beibehalten. Da es sich anbot, konnten weitere Inhalte dem E-Book beigefügt werden, z. B. Beschreibungen und Leseproben der Werke der Autorin, im Wesentlichen Inhalte, die mithilfe von Verlinkungen oder Pop-up-Fußnoten leicht aus dem Lesefluss des Haupttextes erreichbar sind. Hier konnte das neue Medium seine Stärken in der Verästelung von Inhalten zeigen. Der ursprünglich von Fabian angedachte komplette Umbau der Leselinien wurde verworfen, da dieser keine praktikable Leseführung erlaubte.

So entstand ein Content-Netz, das auch bidirektionale Verlinkung (also Hin- und Rückverlinkung) enthielt und damit einen Leseflussmit Nebenwegen erlaubt.

Was die Typographie angeht, wurde mit CSS aus dem Vollen geschöpft. Textkästen mit Hintergrundfarbe und farbigem Text, sowie Links, die je nach Typologie automatisch mit Hilfe von CSS ein bestimmtes Icon vorangestellt bekamen (das Icon wurde als Bild und nicht als Font-Icon integriert, damit es im Falle einer Änderung der Schrifttype durch den Leser nicht durch ein Kästchen-Symbol oder Fragezeichen oder Ähnliches ersetzt wird). In diesem Fall wird auch das Prinzip der „graceful degradation“ deutlich. Das Icon wird nur von Lesesoftwares angezeigt, die den entsprechenden CSS-Befehl unterstützen, also im Wesentlichen iBooks. Andere Geräte ignorieren schlicht diese CSS-Regel und stellen den Link ohne Icon dar (wer nicht weiß, dass er das Icon sehen könnte, wird nichts vermissen).

Das Inhaltsverzeichnis gestaltete Fabian grafisch, indem er Bilder und Texte in eine Tabelle einfügte. Für die Bilder innerhalb des Textes legte Fabian keine Größendefinition fest, sondern konvertierte diese im Vorfeld auf die gewünschte Größe, sodass sie auf dem iPad die gewünschte Breite einnahmen. Auf einem kleineren Bildschirm würden die Bilder dann entsprechend größer oder kleiner dargestellt werden. Die Umsetzung mit prozentualer Größenfestlegung (also z. B. durch Eingabe der Breite width = „50%“) hätte den Nachteil gehabt, dass sie auf verschiedenen Geräten unterschiedlich interpretiert wird.

Zeitfaktor

Ich konnte es kaum glauben, aber Fabian teilte uns mit, dass Ursula und er für die Umsetzung des EPUBs insgesamt nur jeweils einen Tag Arbeit benötigt haben. Dies sei allerdings nur deshalb möglich gewesen, weil sie beide langjährige „XML-Native-Speaker“ seien und sehr genau gewusst hätten, wie sie was umsetzen wollten.

In zukünftigen Projekten würde Fabian einen Word-to-HTML-Workflow nicht wiederholen wollen und lieber mit OpenOffice statt mit MS Word arbeiten. Ein Workflow Word-to-XML würde sich nur lohnen, wenn man damit mehrere Titel in einer Reihe veröffentlichen will, da allein das Aufsetzender XML-Datei und der nachfolgend notwendigen Konvertierung ca. zwei Tage in Anspruch nehme.

Ausblick auf die Multimedia-Version

In einer zweiten Phase des Projekts soll in absehbarer Zeit eine EPUB-3-Variante des E-Books entstehen. Hierfür sollen u. a. Multimedia-Elemente eingebettet werden. Die EPUB-3-Variante wird ausschließlich für Apple iBooks umgesetzt werden. Andere Geräte unterstützen diesen Standard noch nicht.

Außerdem möchte Fabian ausprobieren, ob er in EPUB 3 eine Google-Karte einbetten kann. Noch wisse er nicht, ob dies technisch möglich sei, d. h. vor allem, ob dies die Lesegeräte unterstützten. Ich bin sehr gespannt und drücke die Daumen, dass das klappt. Es wäre eine Pionierleistung!

Weitere Infos zum Projekt findet Ihr in der Präsentation von Fabian Kern, die er auf Slideshare veröffentlicht hat.


Sessionbericht: LOG.OS (Volker Oppmann)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

LOG.OS – eine E-Book-Plattform, die nach den Prinzipien der Gemeinwohlökonomie wirtschaftet

Sessionleitung und Text: Volker Oppmann

Volker Oppmann, Sessionleiter beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

Wir waren zwar eine kleine, dafür aber sehr feine Gruppe von hochgradig interessierten und wachsamen Teilnehmern, die sich lebhaft in die Diskussion eingebracht und die richtigen Fragen gestellt haben.

So wurden vor allem der gemeinnützige Ansatz sowie die damit verbundenen Implikationen kontrovers diskutiert. Eine der Kernfragen war, inwieweit man mit einem gemeinnützigen Ansatz ebenfalls Daten seiner Nutzer erheben darf (oder gerade auch nicht) bzw. wie man ein in Sachen User Experience gleichwertiges Angebot auf die Beine stellen kann, wenn einem die dafür notwendigen Nutzerdaten (über Tracking-Mechanismen) fehlen. Sprich: Alle waren sich der latenten Gefahr bewusst, dass man selbst zu dem wird, was man eigentlich bekämpfen möchte, einer Datenkrake.

Wir haben verschiedene Probleme und Lösungsansätze diskutiert, und es bestand insoweit in einigen zentralen Punkten Einigkeit:

  • Eine gemeinnützige E-Book-Plattform, die ihr „Fair-Trade“-Label auch seitens der Nutzer verdient, muss
    • lückenlos transparent sein (welche Daten werden wann, wo, wie und warum erhoben und was passiert anschließend damit bzw. kann ich auch nachträglich noch Einfluss auf meine Daten nehmen?),
    • dem Nutzer die volle Kontrolle über seine Daten geben (inkl. vollständiger Anonymisierung, Löschung oder indem sie gar nicht erst aufgezeichnet werden),
    • die Default-Einstellung auf „anonym/keine Daten erheben“ haben und sämtliche Dienste, die lediglich über die Preisgabe persönlicher Daten möglich sind (Ähnlichkeitsanalysen für Vorschlagslisten etc. pp.) über ein Double-opt-in-Verfahren zugänglich machen.
  • Wünschenswert wäre ein dezentrales Verzeichnis auf der Festplatte des Nutzers, sodass man seine E-Books ebenso wie die eigenen Daten auch dezentral verwalten kann, ohne auf die Services der Plattform zu verzichten.
  • Eine nicht knackbare Verschlüsselung (z. B. über eine Art „shared secret“) wäre ebenfalls sehr wünschenswert, d. h. eine Plattform, auf der meine Daten auch tatsächlich sicher sind und nicht von öffentlichen Diensten ausgelesen werden können.
  • Insofern bräuchte es nicht nur eine Distanz zur Wirtschaft, sondern auch zu politischen oder anderweitigen staatlichen Gebilden. Wunschbild: Eine wahrhaft neutrale Zone für die Netzgemeinde.

Sessionbericht: TigerCreate (Christina Kumpmann)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

TigerCreate – interaktive Erlebnisbücher für alle Plattformen

Sessionleiterin: Christina Kumpmann

Text: Marlies Hebler

Ursprünglich hatte ich mich ja als Patin für die von Rowohlt-Programmleiterin Kathrin Blum angebotene Session „Lehrjahre eines digitalen Projekts“ angemeldet. Zusammen mit Softwarentwickler Jan Krutisch und Frontenddesigner Benjamin Rabe wollte Kathrin von ihren Erfahrungen im gemeinsamen Projekt „Death Book“ berichten. Leider musste sie ganz kurzfristig absagen und die Session gestrichen werden.

Christina Kumpmann, Leiterin Digitale Medien bei Oetinger, war zur Freude aller spontan bereit, die Lücke mit einer Präsentation der neuen Software TigerCreate zu füllen, und so wurde ich von der Death-Book-Patin zur TigerCreate-Patin. Getreu dem Motto: Flexibel bleiben in digital-schnellen Zeiten!

Christina gab den Session-Teilnehmern zunächst einen kurzen Überblick, was bei Oetinger im Bereich digitales Kinderbuch bislang passiert ist. Aus den Erfahrungen heraus, die Oetinger im Bereich digitale Ausgabeformate wie Buch-Apps, Spiele-Apps etc. bislang gemacht hatte (sehr kostspielig! sehr aufwändig! Sichtbarkeit gering!), hat der Verlag 2011 eine Vertriebsplattform für animierte, interaktive aber auch klassische E-Books für Kinder gelauncht: Tigerbooks – der digitale Buchladen für Kinder. Offen für alle Verlage, die animierte oder auch klassische digitale Produkte im Kinderbuchbereich vertreiben wollen.

Nun, um genau zu sein: Frühjahr2014 kommt die Software zur Vertriebsplattform, TigerCreate. Zusammen mit der App-Firma Next Munich hat Oetinger eine Software entwickelt, die „das einfache und schnelle Erstellen interaktiver Erlebnisbücher ermöglicht, die dann als E-Books oder Apps über alle wichtigen Plattformen vertrieben werden“.

Hier einige Eckdaten zu TigerCreate (laut Produktbroschüre):

  • Anwendung für Mac ab OS X Lion
  • Entwicklung basiert auf Unity
  • What-you-see-is-what-you-get-Editor
  • Interaktive Animationen (Timeline-Animationen, physikalische Animationen, Scratch-Animationen, Movieclip-Animationen, Grafiken veränderbar pro Sprache, verschachtelte Animationen)
  • Audio (Timing-Tool für Word-Highlighting, direktes Audio-Preview, beliebig viele Soundeffekte, Mehrsprachigkeit Audio, Einbinden von Sprechern, interaktive Soundeffekte)
  • Text (interaktives Ein- und Ausblenden, Word-Highlighting, Schriftgröße, Schriftfarbe, Mehrsprachigkeit, mehrere Textboxen pro Seite, Ausrichtung, Schriftart)
  • Spiele (Grafiken pro Buch, Quiz, Malspiel, Memo, Puzzle uvm.)

In der Anwendungspraxis reichen, so Christina, InDesign- und Animationserfahrung aus, um die Software zu bedienen, weitere Zusatzkenntnisse seien nicht nötig (Schulungen und Webinare sind jedoch in Planung). TigerCreate sei eine selbsterklärende Software, die sich jeder professionelle Print-Hersteller aneignen könne.

Dass die Bedienung schlüssig und einfach zu handhaben ist, hat Christina dann anhand einer Seite aus einemgedruckten Piraten-Bilderbuch, die säbelschwingend und auditiv-mehrsprachig in der Session zu neuem Leben erweckt wurde, vor Ort live demonstriert.

Christina Kumpmann: TigerCreate, Session beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

TigerCreate ist ein Authoring-Tool, kein Developer-Tool, d. h. der Software-Quellcode bleibt Geheimnis der Tigerbooks Media GmbH. Partnerverlage können jedoch die Implementierung weiterer Features empfehlen, so dass die Software sinnvoll weiterentwickelt werden kann.

Und das Geschäftsmodell? Die Nutzung von TigerCreate soll auf einem Lizenzmodell basieren. Die Erstellung eines Tigerbook ist in diesem Modell gebührenfrei, der Service des Vertriebs über die verschiedenen Plattformen wie Tigerbooks, iBookstore, App Store, Android, Amazon, Windows etc. hingegen wird provisioniert. Die Höhe der Provision steht derzeit noch nicht fest, das Lizenzmodell wird derzeit noch ausgearbeitet.

TigerCreate und seine Möglichkeiten stießen im Publikum auf großes Interesse und anerkennenden Zuspruch. Wir sind gespannt, wie laut der Tiger ab dem kommenden Jahr brüllen wird.


Sessionbericht: DIE ZEIT macht E-Books (Cigdem Aker)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Eine Wochenzeitung macht E-Books: Erfahrungen der ZEIT mit einem neuen Geschäftsmodell

Sessionleiterin: Cigdem Aker

Text: Nele Süß

Bei E-Books denken die meisten an klassische Bücher aus Buchverlagen, nur eben in elektronischer Form. Dass sich mittlerweile auch Zeitungsverlage in diesem Bereich engagieren, zeigte Cigdem Aker in ihrer Session, in der sich alles um die Erfahrungen des Zeitverlags nach vier Monaten E-Book-Vertrieb drehte.

Cigdem, verantwortlich für die Abteilung, startete mit einer kleinen Umfrage, wer unter den Zuhörern das neue Angebot des Zeitverlags kenne. Ergebnis: Bisher nur einige wenige. Umso größer war die Neugier auf das im Juni 2013 gestartete E-Book-Programm, das mittlerweile 21 Titel umfasst. Bis Ende des Jahres werden es 25 sein. Konzept ist, das Beste aus der gedruckten Ausgabe der ZEIT digital aufzubereiten und neu gebündelt anzubieten, wie beispielsweise Kolumnen, Artikelsammlungen zu Brennpunktthemen oder Artikelserien. Bei letzteren gibt es die Möglichkeit, das E-Book zeitgleich mit Erscheinen des letzten Teils der Serie zu veröffentlichen. Die E-Books werden zudem mit exklusiven Zusatzinhalten angereichert, bei Bedarf werden Artikel auch aktualisiert oder in ungekürzter Version veröffentlicht.

Cigdem Aker: ZEIT E-Books, Session beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

Ins Leben gerufen wurde die Abteilung aus verschiedenen Gründen: Zum einen wird der Print-Markt bei den Zeitungen immer mehr zurückgehen und sich ins Digitale verlagern. Zum anderen möchte man damit auch diejenigen ansprechen, die keine Zeit haben, die ganze Ausgabe der ZEIT zu lesen – diese Gruppe soll mit thematischen Zusammenstellungen angelockt werden.

Inhaltlich speist sich das vielfältige Programm aus der Printausgabe der ZEIT – alles, was originär auf ZEIT Online erschienen ist, wird an anderer Stelle für den E-Book-Markt aufbereitet. Hier trennt man ganz klar nach Quellen – es gibt also zwei E-Book-Abteilungen unter dem Dach des Zeitverlags.

Eine Herausforderung ist und bleibt die Preisfrage, die sich in einem Zeitungsverlag deutlich anders gestaltet als in einem Buchverlag, denn: Es gibt keine Printausgabe des Buchs, an der man sich preislich orientieren könnte. Basis für die Preisfindung ist in diesem Fall: Umfang des E-Books (Seitenzahl bzw. Anzahl der Artikel) plus Nutzwert des Produkts bzw. Exklusivität der Informationen. Zudem spielt das gute Image der Marke ZEIT bei der Suche nach dem richtigen Preis eine Rolle. Da man jedoch keinen gänzlich neuen Content bieten kann, können keine allzu hohen Preise verlangt werden, wobei die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass höhere Preise die Käufer nicht zwingend abschrecken. Die Kosten liegen zwischen 1,99 € und 7,99 € und im Durchschnitt bei 3,75 €, womit man deutlich unter dem Angebot von Süddeutscher Zeitung (im Schnitt 7,49 €) und FAZ (im Schnitt 13,15 €), aber über dem des SPIEGELs (im Schnitt 2,07 €) und denen anderer Mitbewerber liegt.

Der Vertrieb der ZEIT-E-Books erfolgt auf verschiedenen Wegen. Ein Drittel des Absatzes läuft über den eigenen ZEIT-Online-Shop, der bereits gut eingeführt ist und eine sehr gute Zielgruppenpassung bietet. Zudem bleiben 100 % der Umsätze im eigenen Haus und eine Auswertung der Kundendaten ermöglicht eine optimale Kundenanalyse. Mit epubli als Aggregator werden auch weitere Plattformen beliefert, u. a. Amazon (bisher 36 % des Umsatzes) und Apple (bisher 23 % des Umsatzes). Alle E-Books werden ohne Kopierschutz ausgeliefert.

Beworben werden die E-Books vor allem über die eigenen Kanäle, wobei der Medienbruch von Print zu Online keine große Rolle spielt. Beispielsweise werden E-Books, wie die Cityguides, auf den Reiseseiten der Print-Ausgabe beworben und die Leser wechseln ohne Probleme in die digitale ZEIT-Welt. Zudem kann in Themen-Newslettern (z. B. dem Lehrer-Newsletter) passgenau geworben werden und natürlich werden auch sämtliche Online-Kanäle genutzt, u. a. wurden gute Erfahrungen mit Banner-Werbung auf der mobilen Seite der ZEIT gemacht. Sehr erfolgreich waren von Anfang an begrenzte Preisaktionen zur Neuerscheinung von E-Books, die per Subkriptionspreis in den ersten Wochen nach Erscheinen günstiger angeboten wurden – rund 25 % der Käufer erwarben dann gleich noch weitere Titel im Online-Shop. Spannend ist hier, dass auch nach Anhebung des Preises noch gute Verkäufe erzielt werden können. Von kostenlosen E-Books als Werbemaßnahme sieht man eher ab, da dann schnell der Eindruck entstehen könnte, dass die Produkte im wahrsten Sinne des Wortes nichts wert sind. Beworben werden meistens drei bis vier E-Books gleichzeitig, diese dann intensiv. Innerhalb der E-Books verzichtet man bisher auf Fremdwerbung.

Welche Unterschiede gibt es noch zum klassischen Buchverlag? Einige wurden bereits genannt: Die Preisfrage, die Marketing- und Vertriebsmöglichkeiten durch die Verzahnung mit allen Produkten und Kanälen des Zeitverlags und auch das gute Image der Wochenzeitung, auf dem aufgebaut werden konnte. Dazu kommt noch: Das neue Geschäftsmodell ermöglicht es, sehr frei zu denken. Es ersetzt keine bisherigen Umsätze und die Orientierung am Print-Produkt entfällt: Das E-Book ist die erste Verwertungsstufe – eine Printausgabe gibt es vorher nicht. Der Weg ist hier, wenn überhaupt, ein umgekehrter: Erst das E-Book, dann die Printausgabe, was an einem Titel bereits getestet wurde. Hier wurde aus der finalen EPUB-Datei mit einem eigenen Stylesheet ein Druck-PDF erstellt, in dem dann noch die Umbruchkorrektur erfolgen musste. Somit steht das E-Book ganz im Fokus des Programms und der Produktion, Vertrieb und Marketing können ganz darauf ausgerichtet werden.


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