Sessionbericht: Generation Smartphone

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Kai Wels: Generation Smartphone – Die Kinder von heute sind die Kunden von morgen

von Sana Tornow

Ein zentrales Thema der Diskussion war die Frage, wie die Zielgruppe tickt. Dabei galt es auf die Entwicklungsstufen der 7 bis 13-Jährigen und 14 bis 17-Jährigen zu achten und hier die Unterschiede zu erkennen.

Vorweg ein paar Zahlen:

  • in deutschen Haushalten gibt es über 12 Millionen Kinder unter 18 Jahren
  • das erste iPhone ist 2006 auf den Markt gekommen
  • Erst seit den letzten knapp 15 Jahren gibt es Beobachtungen zum Nutzungsverhalten Jugendlicher mit mobilen Geräten.
  • bereits 3-Jährige sind mit dem Bedienen mobiler Geräte vertraut
  • 85% der 12 bis 13-Jährigen verfügen über ein eigenes Smartphone

Was wir uns bewusst machen müssen ist, dass 6-jährige eine Welt ohne Smartphone und Tablet nicht kennen. Alles, was irgendwie eine glatte Oberfläche hat, wollen sie direkt per Touch steuern. Für sie ist das Leben mit solchen mobilen Devices natürlich. Auch der Aspekt, dass „der Computer“ klein und tragbar ist, ist für sie völlig natürlich. Zudem die ständige und allgegenwärtige Erreichbarkeit, die Möglichkeit, alle Informationen im Web abrufen und nachschauen zu können. Informationen sind immer abrufbar und stehen mobil zur Verfügung. Für sie ist von Beginn an Text, Bild, Audio und Information mit Interaktion verknüpft und verbunden. Wir, die Generation der 90er und älter, hatten Bilderbücher oder Pappbilderbücher mit Klappen. Unsere Interaktion war das öffnen der Klappen und das Umblättern der Seiten.

Was machen die Heranwachsenden mit dem Smartphone?

Diese Frage ließ Kai Wels direkt von zwei Vertreterinnen der Generation Smartphone beantworten. In die Rolle einer 11-Jährigen und einer 16-Jährigen schlüpften dafür Laura Sonnefeld und Selma Wels. Eine Gegenüberstellung zweier Altersgruppen.

11-Jährige:

  • Lesen ist uncool, liest generell nicht gern
  • kein Interesse an eBooks
  • schaut Youtube, nicht Fernsehen
  • hat eigenen Youtube Channel zur Selbstdarstellung
  • nutzt WhatsApp intensiv (Sprachnachrichten > asynchrones Telefonieren, da sie nicht gut genug schreiben können für Text-Chats)
  • nutzt Gruppenchats in WhatsApp
  • kein Facebook
  • nutzt Instagram, hat eigenes Instagram-Profil und bespielt es aktiv
  • hat seit der Grundschule ein Handy/Smartphone
  • spielt gern Angry Birds

16-Jährige:

  • aktiver Fernsehkonsum
  • liebt Serien (HIMYIM, Sherlock, Big Bang etc.)
  • aktiv im kreativen Umfeld
  • liest gern
  • liest gern mobil (Smartphone)
  • liest hin und wieder auch ein Buch, bevorzugt Romane
  • schätzen Bücher als Geschenk und verschenken Bücher auch selbst
  • laden eBooks, wenn das Taschengeld leer ist
  • hatte erstes Handy/Smartphone mit 10
  • Smartphone ist ohne Vertrag, Prepaid
  • schreibt in der Schule nicht mit, sondern fotografiert das Tafelbild
  • kennen noch die analoge Welt, Leben ohne mobile Devices
  • kennen zum Teil noch die 16k Modems

Einige weitere Beobachtungen über das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen:

  • Wenn Heranwachsende irgendwo zu Besuch sind, gilt ihre erste Frage dem WLAN-Kennwort.
  • Smartphones und Tablets sind Ersatz für TV-Geräte geworden.
  • Kinder bis 8 Jahre schauen weniger Youtube, sondern nutzen diese Geräte in erster Linie für Games (Spiele-Apps).
  • Gruppenchats bei WhatsApps sind extrem wichtig. Eltern, die ihren Kindern ein Smartphone und WhatsApp vorenthalten, grenzen sie damit aus dem sozialen Gefüge aus.
  • Heranwachsende kaufen Kleidung im Laden aber Technik im Internet.

Und zu sozialen Netzwerken:

  • Jungs nutzen zusätzlich Skype für z.B. Minecraft-Sessions.
  • WhatsApp wird für den Freundeskreis genutzt.
  • Facebook wird eher von älteren genutzt, die internationale Kontakte und Freunde haben, beispielsweise nach einem Austauschjahr oder ähnliches.

Medienkompetenz von Schülern, Lehrern, Eltern

Das Bewusstsein, dass man sich durch das Nutzen von Facebook, Instagram und WhatsApp – oder generell im Internet – transparent macht, hängt sehr stark von der Medienkompetenz der Eltern und der Lehrer ab. Leider ist es oft so, dass die Eltern hier versagen und selber nicht über Medienkompetenz verfügen. Lehrer haben diese oft schon eher, schaffen aber nicht immer diese zu vermitteln. Die Heranwachsenden haben das Bewusstsein, dass sie bestimmte Inhalte, die sie unbedingt wollen, auch auf illegalem Wege, dank der Nutzung gewisser Technologien, bekommen können. Sie wissen, wie sie Schranken umgehen können und machen davon Gebrauch, ohne sich „schuldig“ zu fühlen. Problem ist, dass sie cleverer und technisch versierter sind als Eltern und Lehrern und den Erwachsenen zum Teil die Technologien vorstellen und erklären.

10 Thesen

  1. Mobile first stellt neue Anforderungen an User Experience (UX), User Interface (UI) und Accessability (Zugänglichkeit)
  2. Ubiquitärer (allgegenwärtiger) Zugang zu Content wird zum Grundbedürfnis
  3. Die Grenzen der Medien verschwimmen, das Rezipieren der Inhalte wird medienunabhängig der aktuellen Nutzungssituation angepasst.
  4. Veröffentlichungen werden nicht mehr in festen Zyklen erfolgen, sondern in Echtzeit und asynchron
  5. Serien, Trilogien u.ä. werden nicht mehr Jahr für Jahr einzeln veröffentlicht, sondern alle verfügbaren Teile auf einmal (gilt aber noch nicht generell)
  6. Die Publikationen werden in kleinere, schnell rezipierbare Teile gesplittet
  7. Junge Autorentalente binden ihre Peer Group bereits in den kreativen Schreibprozess ein
  8. Digitale Inhalte werden sich über Content Upgrades aktualisieren
  9. Das gedruckte Buch wird als besondere Form der Contentnutzung wieder wertgeschätzt (Ausstattungen, Veredelung, haptisches Erlebnis etc.)
  10. Arbeitgeber werden sich auf die Veränderungen des Marktes und des Mediennutzungsverhaltens der Auszubildenden einstellen müssen

Abschließend wurde die Frage an Kai Wels gestellt: Was macht ihr als Verlag für Produkte? Die Antworten:

  • Neue Wege überlegen
  • Medienkonvergenz erzeugen
  • Apps, eBooks, Magazine & News zusammenführen

Erkenntnis des Tages: Machst du ein Produkt, was deiner Zielgruppe nicht gefällt, hast du verloren. Bei Jugendlichen und Kindern ist es noch gnadenloser als bei jeder anderen Zielgruppe.

Selma Wels, Laura Sonnefeld, Kai Wels

Kai Wels und die “Generation Smartphone” (Selma Wels, links, und Laura Sonnefeld) im Gespräch mit dem eBookCamp-Publikum, (c) Felix Wolf

 

 

 


Sessionbericht: Kreativworkshop interaktive E-Books

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Andrea Kock: Kreativworkshop. Vom Text zum interaktiven E-BookWelche Features passen zu welchem Inhalt?

Von Claudia Pleil

Am Anfang standen folgende Fragen zum Einstieg in die Session:

  • Handelt es sich bei derzeitigen digitalen Produkten „nur“ um Zwischenformate, die sich vielleicht noch in eine ganz andere Richtung entwickeln? Trennen sich Buch und App irgendwann gänzlich?
  • Geht das E-Book den Weg der Multimedia-CD? (Tolle technische Möglichkeiten aber niemand mag sie nutzen/kaufen…)
  • Erreichen reine Digitalformate noch keine kritische Masse bei Leserinteresse und Vertriebsmöglichkeiten? (Frage aus dem Plenum – Wann ist die kritische Masse erreicht? Spontane Antwort von Andrea: Wenn man unterm Strich Geld verdient…)
  • Können innovative Tools wie TigerCreate, PubCoder oder Creatavist, die keine Programmierung erfordern, und niedrige Produktionshürden als Kickstarter für interaktive E-Books dienen?
  • Können sich aus den von diesen Tools vorgegebenen Features neue Ideen ergeben?
  • Sollten Autoren neue Inhalte und Features kreieren, entwickeln, mitdenken (weil sie nah am Inhalt sind) – oder sollten Experten Inhalte „veredeln“?

Exemplarisch stellte Andrea zudem noch zwei Fallbeispiele aus einer von BoD ins Leben gerufenen Challenge vor: einen Japan-Reiseführer mit interaktiven Karten und Vokabel-Vorlesefunktion sowie ein Bilderbuch mit Vorlesefunktion und Malbild. In diesem Zusammenhang wurde aus dem Plenum auf die Offenheit der aktuell kursierenden Begrifflichkeiten hingewiesen (interaktiv vs. enhanced/enriched usw.) – eine Problematik, für die es aufgrund mangelnder einheitlicher Definitionen vorerst wohl keine Lösung gibt. Was der anschließenden Diskussion jedoch keinen Abbruch getan hat:

Andrea Kock

Andrea Kock stellt ihre Session vor, (c) Ute Nöth

Zunächst wurde debattiert, inwiefern neue Produktentwicklungen sich noch im Rahmen der klassischen Prozess- und Verwertungskette von Verlagen umsetzen lassen (Manuskript > Herstellung > zusätzliche Features werden „angeflanscht“) oder ob sie vielmehr ein Umdenken in Richtung agilen Prozessmanagements erfordern, mit projektbezogenen Task-Forces, in denen alle Prozessbeteiligten zusammenkommen. Eine pauschale Antwort darauf ließ sich erwartungsgemäß nicht finden. Es kann lediglich festgehalten werden, dass es letzten Endes sowohl auf die jeweiligen Verlagsstrukturen als auch auf das konkrete Projekt ankomme.

Dagegen bestand bei der Frage danach, wer idealerweise neue Inhalte und Features mitdenken sollte, im Wesentlichen Einigkeit darüber, dass kreative Enhancements durch Autoren durchaus wünschenswert sind, eben weil diese am nächsten am Inhalt sind. Voraussetzung dafür wäre jedoch, dass die Autoren entsprechende Kenntnisse der technischen Möglichkeiten mitbringen sowie die grundsätzliche Bereitschaft, neue Inhalte und Formate zu denken. Ebenso wäre es in diesem Fall wichtig, die Autoren frühzeitig mit einzubeziehen. Dabei sollte jedoch klar sein, dass längst nicht jeder Autor für neue Produktformen zu begeistern ist bzw. über die entsprechenden Kenntnisse verfügt, und auch, dass die Einbindung des Autors generell projekt- und inhaltsabhängig ist.

In jedem Fall sollte ein gewisses technisches Grundwissen auch im Verlag vorhanden sein, damit man dem Autor ggf. entsprechend Feedback geben kann. Dabei können die o.g. Tools durchaus als Katalysator dienen. Offen blieb jedoch die Frage, ob insbesondere technisch versierte Autoren dann überhaupt noch Verlage brauchen?

Daran anknüpfend wurde aus dem Plenum eingeworfen, dass die genannten Tools möglicherweise auch als Hebel für die Henne-Ei-Problematik in Hinblick auf ePub3 fungieren könnten (mangelndes Engagement der Verlage, weil es keine Plattform gibt; keine Plattform, weil es keine ausreichenden Inhalte gibt, um von einem Standard zu sprechen). Immerhin bieten existierende Tools mit Multiplattform-Ausspielung die Möglichkeit eines Lückenschlusses, indem sie Wissen und Features bündeln. Dies ändert jedoch nichts an dem Problem, dass plattform-abhängige Feature-Unterschiede bei gleichen oder ähnlichen Preisen für Kunden nicht nachvollziehbar und ärgerlich sind.

Möglicherweise – so ein Einwurf aus dem Plenum – sei aber genau das ein Argument für ein neues Credo, nämlich: Kompatibilität über alles? D.h. im Zweifelsfall sollten Verlage evtl. in Betracht ziehen, lieber nur auf einer Plattform vertreten zu sein, dafür aber mit einem „perfekten“ Produkt.

Unabhängig davon kann durch entsprechende Tools durchaus ein neuer Level der Professionalität erreicht werden. Fragwürdig ist dabei jedoch die eher gegenläufige Entwicklung im Bereich der entsprechenden Geräte – d.h. dass auf dem Markt vermehrt entweder abgespeckte, kostengünstige Reader angeboten werden (die angereicherte E-Books etc. gar nicht abbilden können) oder teure „High-End“-Geräte, die viel mehr können und auf denen Verlage und ihre Produkte dann wiederum in Konkurrenz treten mit Websites, Software, Filmproduktionen usw. In diesem Zusammenhang wurde jedoch auch angemerkt, dass beispielsweise Amazon die Entwicklung neuer Geräte/Features systematisch danach ausrichtet, wofür aus Vertriebssicht eine entsprechende Nachfrage gegeben ist (z.B. mit der auf Comic-Fans ausgerichteten Panel View des KF8). Hier liegt der Fokus auf den Kundenbedürfnissen, woran sich Verlage mitunter noch ein Beispiel nehmen könnten.

Auf die Frage aus dem Plenum, was denn nun aber sinnvolle Features seien, kann es wohl nur die Antwort geben, dass dies abhängig ist vom jeweiligen Buchtyp und Inhalt. Als unverzichtbar kann eine dem Inhalt angemessene Navigation betrachtet werden, für Kinderbücher im Besonderen ist darüber hinaus der Wert spielerischer Inhalte nicht zu unterschätzen ebenso wie eine Audiospur/Vorlese-Funktion, die jedoch auch für andere Inhalte sinnvoll sein kann, z.B. im Bereich Reiseführer, wie das Beispiel der BoD-Challenge zeigt. Gerade für Reiseführer o.ä. stellen eben auch interaktive Karten eine kluge Ergänzung dar, während Quizze sich besonders, jedoch sicherlich nicht nur für Lehrbücher eignen. Konsens bestand im Wesentlichen darüber, dass jegliche zusätzliche Features möglichst unaufdringlich und frei wählbar sein sollten (z.B. Booktracks). Trotzdem bleibt letzten Endes die Frage offen, ob enhanced E-Books überhaupt goutiert werden.

Erwartungsgemäß gab es auch für die abschließende Frage, was Verlage denn nun konkret tun können, kein Patentrezept. Grundsätzlich scheint es jedoch ratsam, dass sie sich auf ihre Kreativität bzw. die Kreativität ihrer Urheber besinnen, zusätzlich idealerweise aber zumindest eine gewisse technische Kompetenz aufbauen, um souverän zwischen Textproduktion und enhanced-Elementen vermitteln zu können. Perspektivisch können und sollten dafür allerdings auch bestehende Workflows neu gedacht und/oder entsprechendes Know-how ggf. lizenziert werden.


Sessionbericht: Kleine Theorie des 360°-Online-Marketings

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Sebastian Posth: Kleine Theorie des 360°-Online-Marketings

von Daniel Bräuer

In seiner Session befasste sich Sebastian Posth mit Online-Marketing für Bücher. Allerdings nicht primär für eBooks, sondern generell, denn es lässt sich nur schwer trennen. Ursprünglich hatte die Session den Titel “360°-Marketing”, was er in “Kleine Theorie des Online-Marketings” änderte, da die “360°” im Marketingsprech derzeit eine gewisse Inflation erlebt.

Er begann mit einer kurzen Einführung zur Situation das Buchmarktes, insbesondere des Marketings. So konzentriert sich das Marketing zu großen Teilen auf Handelsmarketing, weil die Verlage ihre Bücher nicht (oder kaum) direkt an die Leser verkaufen, sondern die Buchhändler ihre direkten Kunden sind. Im stationären Handel ist es daher das Ziel, auf die Büchertische zu kommen. Wie aber sehen die digitalen Büchertische aus? Online ist das Ziel, auf den Startseiten der relevanten Shops, deren Genre-Listen platziert, in Newslettern oder anderen Promo-Aktionen der Shops hervorgehoben zu werden. Darüber hinaus bieten die verschiedenen Social-Media-Kanäle den Verlagen natürlich auch reichlich Möglichkeiten, direkt mit ihren Lesern in Kontakt zu treten. Diese Möglichkeiten werden sehr unterschiedlich genutzt. Demnach auch die Frage: Kennen Verlage die Leser ihrer Bücher? Man könnte auch fragen, wie gut sie sie kennen. Dieser Punkt kam auch in der folgenden Diskussion zur Sprache, dass eigentlich kaum professionell Daten gesammelt oder ausgewertet würden. Oder welche Verlage beschäftigen Datenanalysten?

Bevor die Diskussion in der großen Runde begann, stellte Sebastian noch seine “Kleine Theorie des Online-Marketings” vor, die er auf Papier an alle Teilnehmer austeilte – ja, Ladies and Gentlemen, auf dem eBookCamp wurde Content auf totem Holz verteilt. Auch wenn er uns weismachen wollte, es sei extra für uns im Matrizendruckverfahren hergestellt worden, waren es doch wohl eher profane Digitaldrucke. :)

Bewusst plakativ in Manier einschlägiger Managementliteratur skizzierte er sein Marketingmodell (Handout) mit einer Marketing-Pipeline aus den vier Stufen Information, Traktion, Anreiz und Kontext, denen er vier Kategorien des Online-Marketings gegenübergestellte. Die Pipeline verdeutlicht hier vor allem verschiedene Stadien von Zielen, z. B. soll der Leser in der Lage sein, einen Titel zu entdecken, die Kategorien verschiedene Möglichkeiten, diese zu erreichen. Ziel dieser Aufstellung war weniger ein allumfassendes “so ist es” in den Raum zu stellen, sondern eine Diskussionsgrundlage, ob und wie man Marketingaktivitäten ordnen und besser planen kann, um die verschiedenen Aspekte abzudecken.

Daraufhin entwickelte sich auch eine sehr intensive und spannende Diskussion, die es fast unmöglich machte, noch nebenher zu twittern, ohne etwas zu verpassen. Die Standpunkte gingen auch durchaus auseinander, von dem, dass das einzig wirklich Effektive das Handelsmarketing sei, zu dem, dass man damit viel Potential verschenke und sich von den großen Shops abhängiger mache, als man es ohnehin ist. Verschiedene TeilnehmerInnen berichteten auch, dass sie es bereits mehr oder weniger so praktizierten wie Sebastian es skizzierte, also das jeweils zur eigenen Zielgruppe oder den Titeln passende machten. Natürlich kann man nicht immer alles, darum ginge es auch nicht. An dieser Stelle fiel das schöne Zitat: “Nachhaltig heißt auch Selektieren”, das für mich das perfekte Fazit darstellt. Man sollte sich ein Muster, oder eben eine Pipeline, aus verschiedenen Anlässen und Aktivitäten zurechtlegen, das auf das eigene Programm passt, und sich dann bei den einzelnen Titeln daraus bedienen. Natürlich muss auch dieses Muster immer wieder überarbeitet werden, aber wenigstens hat man etwas, woran man sich im Alltag orientieren kann, um den Weg zum Leser zu finden.

Um Sebastians Abschlusssatz nicht unter den Tisch fallen zu lassen: „Der Post(h) wird sie finden.“

Sebastian Posth

Ungefähr so – Sebastian Posth erläutert seine Theorie des Online-Marketings, (c) Felix Wolf

 


Wir sagen DANKE an CHRIS CAMPE

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E-Reader-Installation “We are electrified” (c) Chris Campe

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Chris Campe

Chris Campe ist alles Mögliche: sie studierte Kommunikationsdesign in Hamburg und Visual Studies in Chicago, außerdem war sie als Buchhändlerin und als Dozentin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg tätig, wo sie auch studierte. Ihre Themen sind Typografie, Handlettering und Gender. Diverse Ausstellungen gehen auf ihr Konto, und Bücher: zum Beispiel TollerOrt und das Hamburg-Alphabet. Fehlt etwas in der Auflistung? Bestimmt! Die niemals ruhende Chris Campe mit einem gewissen Hang zum Seriellen überrascht stets mit neuen Projekten.

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Ausschnitt aus der Installation “We are electrified” (c) Chris Campe

Für das eBookCamp 2014 hat sie ihre großartige Idee für eine Installation mit E-Readern verwirklicht. Zwanzig E-Reader – gestellt von ebook.de – sind zu einem Kunstwerk geworden. Jeden Buchstaben des eBookCamp-Slogans “We are electrified” hat Chris Campe einzeln illustriert und auf je einen E-Reader geladen. Die E’s waren sogar animiert. Wir danken Chris für diese brillante Idee, die zur Abrundung des eBookCamps beigetragen hat und eine schöne Bühnenkulisse für die Sessionleiter bildete. Wir sind immer noch ganz elektrisiert von Chris Campes Elan, der sie innerhalb kürzester Zeit einen nie da gewesenen Hingucker kreieren ließ!


Wir sagen DANKE an LOCKENGELÖT

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Übergabe der Schlüsselromane an die Sessionpaten

Es gibt Bücher, die sind gelesen worden, verschenkt, weitergereicht und abgegeben worden. Sie haben vermeintlich ausgedient. Das kann man aber auch ganz anders sehen. Der Inhalt eines Buches mag nicht mehr zeitgemäß sein und findet vielleicht keine neuen Leser mehr. Aber die äußere Erscheinung weckt immer noch Erinnerungen oder Assoziationen beim Betrachter, strahlt Ruhe aus oder weist einen bestimmten Charakter auf. Das wird zumindest bei Lockengelöt so gesehen.

logoLockengelöt – das sind Dennis Schnelting, Carsten Trill und Michael Braak. Sie haben sich seit 2004 Redesign und Zweckentfremdung von Alltagsgegenständen auf die Fahnen geschrieben. Und das in einer Weise, die bestechend einleuchtend ist. Die besagten Bücher zum Beispiel werden mittels vier Haken fest vernietet und so zu Schlüsselbrettern und Garderoben, aus Kickerfiguren werden Flaschenöffner und aus Ölfässern werden Möbel. Zu bestaunen und erwerben sind die handgefertigten Produkte der Gelötmanufaktur in der Marktstraße 119.
Schlüsselroman - Handgefertigtes aus alten BücernWir danken Lockengelöt für die Unterstützung des eBookCamps 2014! Dank euch konnten wir unsere Sessionleiter und Sessionpaten mit einem ganz besonders passendem Präsent verabschieden: Einem Schlüsselroman, der zeigt, dass es neben dem E-Book auch ganz andere, praktische Verwertungsformen für Bücher gibt!


Sessionbericht: E-Books für Sehbehinderte

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Heinz Mehrlich: E-Books für Sehbehinderte

von Jördis B. Schulz

In dieser Session gab es einiges an politischen und rechtlichen Informationen und Angaben zu Institutionen, was zu viel gewesen wäre hier zu notieren. Dies kann man in der ggf. freigegebenen Präsentation nachlesen. Hier sei nur erwähnt, dass rechtlich für die Betroffenen die UN-Behindertenrechtskonventionen gelten und dass ein EU Accessibility Act in Planung ist.

Wichtig ist, dass es 1.5 Millionen Sehbehinderte gibt, deren Behinderungen bzw. Beeinträchtigungen derartig unterschiedlich sind, dass es schwierig ist, einen eindeutigen Lösungsansatz vorzugeben, da die Probleme des Lesens zu vielschichtig sind.

Interessant fand ich, dass E-Reader mit dem E-Ink-Display gar keine Rolle im Sehbehindertenbereich spielen. Die Kontraste und die Möglichkeiten sind zu gering. Wobei es eine Ausnahme gibt: den Pocketbook Touch Lux, der eine Vorlesefunktion beinhaltet, die bei einer normalen Alterssehbehinderung sehr hilfreich sein kann.

Heinz Mehrlich

Heinz Mehrlich zeigt bei seiner Sessionvorstellung, worum’s geht, © Ute Nöth

Dennoch sind die E-Reader eher eine Randbemerkung in der Session. Vielmehr geht es um die Funktionen von Apps und E-Books, die über Apps gelesen werden können. Es geht um Blickführung, Kontraste, Trennungsfehler und Blocksatz. Wer schon mal ein E-Book gelesen hat, dem sind auch falsche Trennungen aufgefallen oder ganze Absätze, die in Blocksatz sind und beim Vergrößern der Schrift zu unschönen Löchern im Text führen. Für einen „normal“ Sehenden ist es eine kleine Auffälligkeit, die ärgerlich ist aber nicht weiter stört. Für einen Menschen mit Sehbehinderungen können diese falschen Trennungen oder große Löcher im Text dazu führen, dass er dieses Buch nicht mehr lesen kann.

Was mir in dieser Session ganz stark bewusst wurde, ist, dass es gerade durchs E-Book eigentlich ein Medium gibt, welches ohne große, teure Hilfsmittel einen Beitrag dazu leisten sollte, dass Bücher grundsätzlich von jedem gelesen werden können; dass aber durch Kleinigkeiten die o. g. 1.5 Millionen Betroffenen doch davon ausgeschlossen werden.

Nicht immer kann der Hersteller dafür sorgen, dass ein E-Book für jeden zu lesen ist. Dafür müssten für alle Eventualitäten und auf allen vorhandenen Lesegeräten sehr aufwändige Tests gefahren werden, was einfach unrealistisch ist. Teilweise kann der Hersteller auch nicht beeinflussen, wie eine bestimmte Handhabung des Users mit dem jeweiligen Endgerät sich auf sein Produkt (das E-Book) auswirkt.

Dennoch gibt es Ansätze, die man verfolgen kann und die es sich lohnt zu verfolgen. Z. B. gibt es eine Leseapp für Lesebehinderte, die als Grundlage für eine gute Funktionsweise dienen kann. Kann dort ein E-Book gut gelesen werden, kann von Seiten des Verlages bei Anfragen darauf verwiesen werden. Diese App funktioniert aber nur für Bücher ohne DRM. DRM ist für Sehbehinderte somit diskriminierend. Während hingegen ein Wasserzeichen in der App funktioniert.

Weitere Probleme für Lesebehinderte sind z. B.:

  • Zu viele Schriften – wenn die Schriften in der Art wechseln und ein unruhiges Schriftbild entsteht, kann der Lesebehinderte die Informationen nicht mehr aufnehmen.
  • Farbumwandlungen – wenn bei dem Wechsel auf andere Farben z. B. die Kontraste nicht mehr stimmen. Denn die Größe der Schrift ist ggf. zweitrangig – auf den Kontrast kommt es an.
  • Falsche Umbrüche – führen dazu, dass der Lesefluss nicht funktioniert.
  • Große weiße Flächen – blenden den Sehbehinderten und er findet ggf. den nächsten Satz nicht mehr.

Lösungsansätze sind:

  • Skalierbare Schriften
  • Feine Abstufungen in den Schriften
  • Konzentration auf den Informationswert der Bücher als auf das Design
  • Gut lesbare Schriftarten
  • Besondere Eignung nach DIN 1450

Den Leitspruch von Heinz habe ich mir gemerkt: Sehbehinderte sind nicht blind – Sehbehinderte wollen sehen und lesen. Schließen wir 1.5 Millionen Leser nicht von unseren schönen Büchern aus!


Sessionbericht: Wattpad

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Anne Tente: Wattpad – Das wollen die Leser?

von Mita Banerjee

Anne Tente

Anne Tente voll in Fahrt beim Thema Wattpad, © Felix Wolf

Wattpad ist eine Writing Community, in der User ihre Texte veröffentlichen bzw. die Werke anderer User lesen können. Als belletristischer Verlag kommt man an Wattpad nicht vorbei. Verlage müssen die Funktion und den Erfolg der Plattform beobachten und sich am besten sogar involvieren. Zur Autorenakquise, Beobachtung von Trendthemen bei Lesern oder dem Leseverhalten allgemein ist Wattpad eine gute Quelle. Wattpad ist ein junges Phänomen. Es ist 2006 gestartet und ist in den USA und Kanada sehr erfolgreich. Großbritannien und die Philippinen haben außerdem große Nutzerzahlen. Seit 2013 verzeichnet Wattpad auch in Deutschland Erfolg. Im Schnitt hat die Plattform 3 Millionen Nutzer im Monat und diese sind zu 85 % unter 25 Jahre alt und zu 60 % weiblich. Auf quantcast.com kann man Userzahlen nachschlagen. Das Nutzen der Plattform ist umsonst und Lesen und Schreiben ist sehr seriell. Autoren starten meist ein Projekt, indem sie ein Kapitel zunächst hochladen. Leser reagieren durch Aufrufe und (ganz wichtig) Kommentare. Sie motivieren den Autor, geben Tipps oder äußern Wünsche und wirken so auf den Schreibprozess ein. Der Grundton in der Community bleibt dabei nett und freundlich. 90 % der User sind Leser und 10 % Autoren.

Also ist die Mehrheit zwar Publikum, aber anders als bei traditioneller Unterhaltungslektüre hat dieses Publikum Macht über das Gelesene. Die Leser machen unmittelbar den Erfolg eines Titels aus. Der Erfolg eines jeden neuen Textabschnitts zeigt sich in drei Zahlen: „Lektüren“ (wie oft wurde ein Text aufgerufen/gelesen), „Abstimmungen“ und „Kommentare“. Als Leser wird man benachrichtigt, sobald neue Kapitel hochgeladen werden. Ziel für Autoren ist natürlich, dass Leser mit jedem neuen Kapitel dranbleiben, somit wirken viele Texte tatsächlich sehr seriell. Wattpad arbeitet mit dem Wettbewerbs-Gedanken, denn junge Leute messen sich gerne, lieben Gaming und wollen besser werden. Im Bereich „Clubs“, was eine Art Message Boards/Foren sind, bekommen User Tipps zum Schreiben (wie funktioniert welches Genre) aber auch für’s Self-Marketing, um in der Community erfolgreich zu sein. Zum Teil beantworten Mitarbeiter der Firma Wattpad Fragen, aber meistens antworten erfahrene User. Außerdem geben Wattpad-Mitarbeiter im offiziellen Channel auf Youtube Tutorials (Beispiel auf youtube.com). Natürlich gibt es auch viele Tutorials von erfahrenen und eifrigen Usern. Um als Autor erfolgreich auf Wattpad zu sein, muss man aktiv sein. Man muss in den Clubs posten, Kommentare gegenkommentieren und viel Zeit damit verbringen, seine Leser zu pampern und oft zu einer Art Online-Freund für sie zu werden.

Wattpad ist mobil – und das von Anfang an. Das heißt die Seite bzw. die App ist nicht nur technisch handyfreundlich, sondern auch inhaltlich. Leser können ihre Lektüre häppchenweise lesen. Zum Lesen auf dem Smartphone unterwegs sind solche seriellen, schnell zu lesenden Texte ideal. Viele Autoren schreiben außerdem auch auf ihren Smartphones. Die Produktion von Texten und das Reagieren auf Leserfeedback geschieht unmittelbar. Zum Teil geht dies auf Kosten des Stils und der Orthographie und viele Texte sehen deshalb provisorisch aus. 80 % des Lesens ist mobil und 80 % des Hochladens geschieht ebenfalls mobil.

Die Firma wirbt damit, dass von den ca. 100 Mitarbeitern in ihrer Zentrale in Kanada die meisten bilingual sind. Wattpad arbeitet stark am globalen Erfolg, obwohl beispielsweise einige der deutschen Übersetzungen der Begriffe auf Wattpad noch holprig wirken. Die Mitarbeiter stehen aber z. B. im Kontakt zu deutschen Verlagen. Das Unternehmen wurde finanziert als Joint Venture, u. a. hat Jerry Yang (Yahoo!-Co-Founder) investiert. Wattpad verspricht, eine riesige Writing/Reading-Community zu werden, mit dem Ziel, in einigen Jahren 1 Milliarde User zu haben. Ein großes Statement von Wattpad ist: „Wir geben Menschen Zugang zum geschriebenen Wort“.

Noch gibt es aber keine Gewinne und vor Kurzem wurden Werbebanner auf der Seite freigeschaltet. Außerdem bietet sich Wattpad für Native Advertising an. Beispielsweise gab es von 20th Century Fox zum Kinostart der John-Green-Verfilmung „Das Schicksal ist ein mieser Verräer“ („The Fault in Our Stars“) einen Aufruf für Fanfiction-Stories – also branded stories. Außerdem werden auch manche neuen Buchtitel (als promoted Content) mit Leseproben auf Wattpad beworben. Des weiteren wurden bisher aus zwei Wattpad-Werken Ebooks zum Verkauf herausgebracht.

Will Wattpad also ein Verlag sein? Wattpad ist bereits eine literarische Agentur, die mit erfolgreichen Wattpad-Werken an traditionelle Buchverlage herangeht, um diese dort zu platzieren und Prämien zu erhalten. Autoren behalten aber beim Hochladen ihrer Texte die Rechte daran. Zum einen steigert das die Attraktivität der Plattform und zum anderen muss Wattpad sich bei z. B. Urheberstreitereien nicht verantworten. Beispielsweise kommen Piraterie-Ebooks auf Wattpad vor. Wattpad vermittelt außerdem die Verfilmungsrechte seiner Werke. Auf den Philippinen sind zur Zeit 30 Film- und TV-Produktionen in Arbeit. Ein Blick in die Genreliste auf Wattpad zeigt, dass der Inhalt auf der Plattform sehr dem Vollprogramm eines Publikumsverlags ähnelt. Es fällt auf, dass Leser und Autoren scheinbar gern im gängigen Mainstream bleiben und wenig Neues probieren. In einem Spiegel-Artikel über Wattpad wird eine Autorin zitiert, die Wattpad deshalb lobt, weil an ihren Texten hier nicht seitens Dritter (Verlag) reingefummelt wird. Interessant sind die beiden Extra-Genres „Vampirgeschichten“ und „Werwolf“. So spezifisch sind diese beiden Subgenres von Fantasy nicht im Buchhandel gekennzeichnet. Im Vergleich zu deutschen Publikumsverlagen sind auf Wattpad weniger Spannung und Krimi erfolgreich, sondern stattdessen Romance und Fantasy. Interessant ist auch, dass es Wattpad-Autoren (auch wenn ihre Texte vielleicht provisorisch aussehen) leicht fällt, in ihren Genres zu schreiben und die richtigen Zutaten und Schlagworte in Teasern zu benutzen. Inhaltlich schränkt Wattpad seinen Content ein. „Menschenverachtende Inhalte“ sind nicht zugelassen.

Das wichtigste Genre auf Wattpad ist eines, welches von Buchverlagen praktisch überhaupt nicht bedient wird, nämlich Fanfiction. Fanfiction sind zum einen Geschichten, die auf Bücher, Filme oder TV-Serien basieren, und zum anderen Geschichten über Prominente – wie beliebte Popstars, Schauspieler, Athleten etc. Der Reiz vom Schreiben und Lesen von Fanfiction besteht darin, dass die Charaktere bereits eingeführt sind und man direkt mit dem Plot beginnen kann, ohne sich lange mit den Figuren befassen zu müssen. Fanfiction über beliebte Stars hat automatisch ein großes Erfolgspotenzial, da viele Fans Fanfiction lieben. Die Stars belangen die schreibenden Fans nicht, solange damit kein Geld verdient wird. Buchverlage können keine Fanfiction-Romane veröffentlichen, wenn konkrete Namen von Prominenten oder fiktiven Werken (Beispiel „Twilight“) explizit vorkommen. Eine Ausnahme ist aber z. B. die Wattpad-Userin „imaginator1d“ (Autorenname: Anna Todd). Anna Todd ist 24 und fing vor 2 Jahren an, auf Wattpad zu schreiben. Sie ist eine der aktivsten Userinnen gewesen, die sich 8 Stunden am Tag mit der Plattform beschäftigte (5 Stunden davon mit Schreiben und 3 mit dem Pampern ihrer Leser). Anna Todd schreibt über den One-Direction-Sänger Harry Styles, der in ihrer Reihe „After“ mit der Figur Tessa zusammenkommt. Die Reihe ist so erfolgreich auf Wattpad, dass Fans den Hashtag-Kosenamen #Hessa erfanden und es inzwischen Fanfiction zu „After“ gibt. Außerdem wurden Übersetzungen in verschiedenen Sprachen von Fans gemacht. Nun ist die Adelung einer jeden Autorin erfolgt: „After“ erscheint als Buch (USA: Simon & Shuster, Deutschland: Heyne Taschenbuch). Die Figur Harry Styles heißt in den Büchern anders, beworben wird der Titel durch den Verlag aber als „Harry-Styles-Fanfiction” und weiterhin soll die Original-Fanfiction kostenfrei auf Wattpad bereitstehen. Werden Verlage in Zukunft immer mehr zu Zweitverwertern von bereits etablierten Büchern? Und lohnt es sich für einen Verlag, das Buch zu veröffentlichen, wenn es doch kostenlos zum Lesen bereitsteht? Zielgruppe sind Fans, die „After“ bereits kennen und natürlich neue Leser.

Wattpad selbst hofft darauf, noch bekannter zu werden. Momentan gibt es neue Kooperationen von Verlagen auf Wattpad (z. B. einen Schreibwettbewerb von Piper). Außerdem wurde Wattpad als Trendlabor u. a. für neobooks von Droemer Knaur genutzt. Wattpad ist momentan vor allem Konkurrenz für andere Plattformen, die sich auch auf selbstverlegerische Tätigkeiten spezialisiert haben (z. B. Amazons Kindle Direct Publishing).

Zum Schluss drei Fragen, die aus zeitlichen Gründen nicht detailliert diskutiert werden konnten: Werden Leser noch für Content bezahlen? Wattpad bietet seinen Lesern unendlich und kostenfrei Lesestoff. Werden Verlage immer weniger wertgeschätzt, sondern nur als störender Mittelsmann empfunden? Als Autor bei Wattpad ist der Kontakt zu Lesern unmittelbar. Ist die Zukunft nur mobil?


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