Sessionbericht: Disrupt eBookCamp

eBookCamp-Team: Disrupt eBookCamp

Sessionbericht von Luise Schitteck

Los ging es mit einer kurzen Vorstellungsrunde der über einem Dutzend Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die dabei auch direkt äußern konnten, was sie am eBookCamp schätzen und was sie vermissen.

Auf der Haben-Seite fanden sich

  • Offenheit
    … einerseits der Veranstaltung für alle Interessenten und Interessentinnen
    … der Anwesenden untereinander
  • Netzwerkarbeit (erweitern, vertiefen, festigen, …)
  • Augenhöhe ( keine hierarchischen Strukturen, offener Austausch, „Jeder darf mal“ (eine Session einreichen, (gefühlt dumme oder tiefgehende) Fragen fragen, Wünsche undoder Kritik äußern,  was sagen, nichts sagen)
  • breites Themen-Spektrum
  • erschwinglich auch für knappe Budgets

Auf der Soll-Seite

  • die Suppe wurde ohne Brot serviert und es war nicht allen klar, dass man die Bambus-Suppenteller hätte mitessen können (und dass es deswegen ganz und gar unbedenklich war, dass sie sich während des Essens ein wenig aufgelöst haben).

Nach einer kurzen Einführung, in der es auch darum ging, wie anstrengend die Vorbereitungen für das eBookCamp für die ehrenamtlichen Organisatoren sind, gab Ute einen kurzen Überblick darüber, was sich in der Orga derartiger Events (allgemein) verändert hat. Darüber, dass vieles leichter geworden ist durch neue Tools, die die Vorbereitung unterstützen, und dass durch die sinkenden Schwellen die Veranstaltungen stärker ausdifferenziert sind. Dazu kommen neue Hybrid-Formate wie Periscope-Parties.

Carsten arbeitete sich dann durch eine kurze Wettberwerbs-Analyse vor zu der Frage „Wo steht das eBookCamp?“ im Vergleich zu anderen Branchenevents.

Im Vergleich mit Buchmessen, der AKEP-Jahrestagung, Pub’n’Pub, orbanism und der future!publish, braucht es da das eBookCamp? Die Beantwortung der Frage wurde dann ans Plenum gegeben und ein wenig nach hinten verschoben.

Andrea stellte weitere Fragen in den Raum. Wie lang kann ein Format wie das eBookCamp unverändert bestehen? Muss es verändert werden, soll es verändert werden? Oder gilt es gar, das geflügelte Wort zu beachten, „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“?

Felix eröffnete an diesem Punkt die „offizielle“ Diskussion, indem er sich direkt an Matthias Voigt von der Agentur Literaturtest wandte, der Veranstalter der future!publish ist. Matthias sieht genügend Platz für das eBookCamp und die future!publish.
Nicht zuletzt habe die future!publish einen kommerziellen Hintergrund und wende sich eher an die Geschäftsführer-und Vertriebsebene. Es gebe Möglichkeiten zur Kooperation beider Events, wie es auch dieses Jahr schon praktiziert wurde: Unter den Sponsoren-Ticket-Käufern und-Käuferinnen des eBookCamp wurde ein Ticket für die future!publish verlost.
Zusätzlich sei das unter anderem vom BOEV Berlin-Brandenburg initiierte Event nicht ausschl. auf Digitales fokussiert, sondern widme sich auch analogen Themen, Verlagsprozessen, Agilität etc.

Michael Schneider ging dann auf die Unterschiede zu Branchenveranstaltungen wie der AKEP-Jahrestagung/den Buchtagen ein. Das eBookCamp decke eine Nische ab, weil es aus Eigeninitiative und ehrenamtlich veranstaltet werde. Diese Voraussetzung führte zu einem kollaborativen und partizipativen Charakter, der in der Verbandsarbeit manchmal schwerer falle.
Grundsätzlich könne man von Veranstaltungen wie dem eBookCamp, dessen Adaption in München ein Erfolg sei, einiges lernen.

Das Team des eBookCamp diskutiert, wie es mit dem Format weitergehen soll.

Das Team des eBookCamp diskutiert, wie es mit dem Format weitergehen soll.
(c) Kai Mühleck

Darauf stellte das eBook-Camp-Team die Frage, ob das eBookCamp größer, vielleicht auch kommerzieller werden muss.

Aus der Gruppe kamen dazu verschiedene Rückmeldungen, die aber alle den Tenor hatten, dass eine Vergrößerung nicht gewünscht ist:

  • Die Kommunikation ist bei einer kleineren Veranstaltung direkter, das gesamte Gefüge agiler
  • Eine Vergrößerung würde zu einer Art „eBook re:publica“ führen
  • Größer = anonymer
  • Statt „größer“ lieber noch kollaborativer, praktischer, „hands-on“

Vom Team kam Frage, ob es eine Möglichkeit sein könnte, Projekte mit Vorlauf zu starten und dann beim eBookCamp auszuwerten. Die Rückmeldung hierauf war eher verhalten, stattdessen kam die Gegenfrage, ob dem Team ganz konkret Unterstützung fehle.
Offensichtlich (und sehr nachvollziehbar) stellt es einen großen Kraftakt dar, das eBookCamp neben Job und Familie ehrenamtlich auszurichten. Hilfe in jedweder Form ist immer erwünscht und das Team freut sich über Angebote.
Die Diskussion war herrlich konstruktiv und erbrachte Folgendes:

  • Die hohe Attraktivität für „Einsteiger“ wird erhalten, indem das Themenspektrum breit gehalten wird
  • Teilnehmer und Teilnehmerinnen schätzen das hohe Niveau der Diskussionen und Begegnungen, das dank der großen Beteiligung „operativer Contentarbeiter“ (Wisst Ihr, was ich meine?) zustande kommt
  • Vielleicht kann man vor-oder nachgeschaltet ein „Toolcamp“ anbieten, indem Workshops zu bestimmten Themen stattfinden (Lieblingsbildbearbeitung zeigen, EPUB erstellen, o.ä.)
  • Einen der Slots in Zusammenarbeit mit einer Hochschule füllen, um Forschungsprojekte einzubringen und zeitgleich den Studierenden Input aus der Praxis zu geben
  • Die Erweiterung von 9 auf 12 Slots wurde von der Mehrheit positiv bewertet.
  • Es wurde mehrfach der Wunsch geäußert, wenigstens einen „klassischen“ Barcamp-Slot anzubieten, bei dem erst bei der Veranstaltung Sessions vorgestellt werden und Teilnehmer und Teilnehmerinnen abstimmen, welche Session stattfinden soll.
  • Die Themen des eBookCamp wachsen mit den Themen der Branche

Wir waren uns in jedem Fall alle einig, dass das eBookCamp sich nicht tot gelaufen hat und dass wir es behalten wollen. So!

Um dem Team unter die Arme zu greifen, ist jede Form der Hilfe willkommen, Vorschläge gern per eMail. Auch gern genommen sind Ideen, welche Themen gerade besonders spannend sind, womit man sich befassen könnte/sollte.
Da sind wir alle gefragt.

Der Sessionbericht ist zuerst auf Luises Blog e-luise.de erschienen.


Sessionbericht: „PROJEKT MARILLE“ – Tracking in eBooks, ein Werkstattbericht

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Kornelia Holzhausen, Susanne H. Schmitz: „PROJEKT MARILLE“ – Tracking in eBooks, ein Werkstattbericht

Bericht von Vedat Demirdöven

Kornelia und Susanne H. Schmitz

Kornelia Holzhausen (rechts) und Susanne H. Schmitz

Susanne Schmitz und Kornelia Holzhausen vom Piper Verlag präsentieren ihren „Werkstattbericht“ gleich in ihre ersten Session, im vollbesetzten Edel-Raum des Beta-Haus, das Gastgeber des 5. Jubiläums-Camp war.

Amazon, Apple, Google und Co. sammeln immense Datenmengen über Kunden, über deren Verhalten deren ihre Freunde, Vorlieben. Sie basteln daraus ihre Analysen, ziehen Rückschlüsse, schaffen neue Trends und betreiben gezielt Marketing. Verlage hingegen müssen sich auf ihr Bauchgefühl verlassen. Das läuft seit vielen Jahren sehr gut., aber dennoch fühlt es sich zuweilen ein wenig so an, als würde man sich mit einer kleinen LED-Taschenlampe durch den stockdunklen Wald bewegen. Wahrsager müsste man sein!

Piper versucht mit seinem aktuellem Trackingprojekt Marille, Licht ins Dunkle zu bringen, und bedient sich dabei der Technologie der englischen Firma Jellybooks, die den Verlagen selbst das Tracking von Leseverhalten ermöglicht, bereits Anfang 2015 wurde mit Random House UK ein erster Pilot durchgeführt und nun, seit dem 12.10.2015, also seit nicht mal 4 Wochen ist Piper mit den ersten eigenen Titeln am Start.

Wie es funktioniert und welche Einschränkungen das Projekt mit sich bringt zeigt die folgende Grafik

Jellybooks
Jellybooks
  • Zunächst müssen die Geräte ePub 3-fährig sein
  • Ein eingebettete Javascript-Software trackt (offline) das Leseverhalten und
  • Durch Anklicken eines Buttons am Ende eines jeden Kapitels durch den Leser, werden die Daten mit Jellybooks synchronisiert.

Der Jellybook-Pilot wurde bei Piper so aufgesetzt, dass es dem Vorab- oder Leseexemplar ähnlich ist und führt zunächst eine quantitative Auswertung durch und in einem zweiten Schritt erfolgt die qualitative Auswertung über einen Fragebogen.

Aber zunächst musste man in Arbeitsgruppen erst einmal Fragen erarbeiten, auf die der Verlkag Antworten aus dem Tracking gewinnen möchte.

Möglich Fragen die ein solches Leser-Tracking beantworten kann sind zum Beispiel:

  • Bleibt ein Titel Spitzentitel und bekommt maximales Marketing (Pre-screening)? Oder überzeugt ein anderer mehr?
  • Können wir durch das Sammeln von weiteren demographischen Daten unser Marketing etc. optimieren?
  • Gibt es Rückschlüsse für Autoren in Sachen Inhalt? Ist dies hilfreich? Oder führt das zum programmierten Bestseller?
  • Spricht das Cover meine Zielgruppe an?
  • Hat der Inhalt überzeugt? Der erste Teil wurde gut verkauft, aber haben die Leute wirklich gelesen? Hat der Autor eine loyale Leserschaft?
  • Können Leserdaten ein KPI (key performance indicator) sein, wenn Lizenzen gekauft oder verkauft werden?
  • Möchte man Endkundenadressen oder Buchhändlermeinungen erfassen?
  • etc

Was kann gemessen werden?

  • Qualitativ: Beim einzelnen Leser z.B. „Wann hört er auf zu lesen?“ oder „Wann fängt er an zu überblättern?“
  • Quantitativ: Leser gesamt, z.B. Geschlecht, Alter, wie viele Leser lesen zu Ende (prozentual gut/schlecht)?
  • Gibt es inhaltliche Hürden, die zum Abbruch führen? …
  • Das Pre-screening kann als Entscheidungshilfe für „Einschätzungen“ dienen (fürs Lektorat, Marketing, Lizenzabteilung…)

Das kleine FAQ des PIPER – Marille-Tracking Projekts:

  • Also absolut spannend, mit Tracking – bekommen Autoren Feedback, bspw wo der Leser abbricht
  • Mit dem Tracking durch Jellybooks kann Piper auch neue Autoren testen. In der Testphase laufen allerdings zunächst Titel bereitsetablierter Autoren
  • InBook-Marketing – Tracking kann auch Conversion im Buch messen, also ob der leser zu empfohlen Bücher konvertiert

Es ist kein Projekt von „Spinnern“, ein überzeugender Werkstattbericht, der von den Anwesenden sofort mit dem Wunsch hinterlegt wurde, dass Susanne Schmitz und Kornelia Holzhausen beim nächsten eBookCamp von den Ergebnissen berichten möchten und es wurden spontan vom den Teilnehmern weitere Beispiel eingebracht für andere denkbare Anwendungsfälle, die sich durch die technischen Möglichkeiten von Jellybooks ergeben und Verlagen zukünftig Antworten liefern können.

Es ist ein Projektprojekt, – es geht in die richtige Richtung – weg von der „Datenhoheit & -Abhängig“ der Datenkrallen, hin zu Dinge-selbst-in-die-Hand-nehmen-und-verstehen …  

Der Sessionbericht ist zuerst auf Vedat Demirdövens Blog erschienen.


Sessionbericht: Business Model Engineering, Disruptive Innovation, Change Management: Vom Buzzword zum praktischen Ansatz

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Marcel Knöchelmann: Business Model Engineering, Disruptive Innovation, Change Management: Vom Buzzword zum praktischen Ansatz

Bericht von Sessionpatin Nadine Wedel

In seiner Keynote „Disruptive Innovation: Die Mär vom Kundenfokus und der Suche nach dem richtigen Verlagsprodukt“ gab Marcel Knöchelmann einen kurzen Überblick über Disruptive Innovation” und warum Disruption so unvorhersehbar ist. In seiner Session „Business Model Engineering, Disruptive Innovation, Change Management: Vom Buzzword zum praktischen Ansatz“ knüpfte er vor kleinerem Plenum an seinen Kurzvortrag an.

Marcel Knöchelmann (c) Felix Wolf

Marcel Knöchelmann
(c) Felix Wolf

Eine Power-Point-Präsentation, die die wesentlichen Punkte seines Vortrages mit Schautafeln und Theorien begleitete, veranschaulichte das Thema Disruption. Die Powerpoint-Folien gaben uns gezielt und prägnant einen Überblick über die verschiedenen Theorien und Methoden rund um das Thema Disruption.

Anhand eines Schaubildes wurde Disruption deutlich gemacht und aus dem Plenum mit dem Buchdruck verglichen, der irgendwann an eine Grenze gekommen ist. Allerdings entstand durch die Industrialisierung des Buchdrucks ein neuer Markt und ganz neue Produkte. Prozesse wurden optimiert, und der neue Markt, der entstanden war, griff neue Kunden ab. Die Fähigkeiten waren andere, die die neuen Mitarbeiter mitbringen mussten. Mönche, die die Bücher aufwändig gestaltet hatten, wurden irgendwann ersetzt.

Im weiteren Verlauf der Session wurden Theorien und Aussagen von Wissenschaftlern vorgestellt, die mit Beispielen erklärt wurden.

Ein Setting ist das, welches Google seinen Mitarbeitern schafft:

Google-Mitarbeiter können 20% ihrer Arbeitszeit mit der Entwicklung von Ideen verwenden. Erfolgreiche Projekte aus dieser Arbeitszeit sind bspw.:  Google Cars-Projekt: für den Automarkt eine neue Konkurrenz, Google Mail (aus dem Intranet, hat sich die zu einem E-Mailsystem entwickelt) oder der Chrome Browser.

Doch wie kann man so eine 20% Ideen-Entwicklungsarbeitszeit in anderen Unternehmen umsetzen? Beispiel: Leute aus dem Tagesgeschäft zu nehmen.

Im Verlauf der Session wurde auch eine Definition für ein Start-up gegeben: Ein Start-up ist eine Gruppe von Menschen, die erstmal in Ungewissheit arbeitet. Also erstmal mit einem oder mehreren Produkten den Markt testen und mit ihrem Produkt im Idealfall eine Lösung für ein bestimmtes Problem bieten.
Nach dieser Definition sind bei Neuentwicklungen auch etablierte Unternehmen immer wieder Start-ups. Als Beispiel wurde hierfür das Unternehmen Groupon angeführt, welches zuerst ein Bewertungsportal war und für Bewertungen Gutscheine vergaben. Die erfolgreiche Inanspruchnahme der Gutscheine in einer kurzen Zeit ließ das Unternehmen in eine andere Richtung entwickeln, was heute allseits bekannt ist.

Im späteren Verlauf des Vortrages wurden uns das Business Model Canvas, ein Modell, mit dessen Hilfe Geschäftsmodelle entwickeln werden können, vorgestellt. Die neun verschiedenen Punkte wie Schlüsselpartner, Schlüsselressourcen, Kundensegmente etc. können als Vorlage für einen Businessplan genutzt werden.

Anhand dieses Modells sollten wir mit unseren Ideen einen Plan für ein neues Business entwickeln, aufgrund der fortgeschrittenen Zeit war es leider nicht mehr durchführbar, diese Möglichkeit in der Session anzunehmen und weiter zu diskutieren.


Sessionbericht: “E-Book Quo Vadis”

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Steffen Meier (c) privat

Steffen Meier
(c) privat

Steffen Meier: E-Book Quo Vadis? Von eNovels bis Flatrate, von Hanser Box bis Serial Box

Bericht von Sessionpatin Johanna Schaumann

Steffen Meier blickte in seiner Session auf die Veränderungen, Neuerungen oder Entwicklungen auf dem Ebookmarkt in den letzten 3 Jahren.

 

 

 

Sein Hauptaugenmerk ist dabei auf

  • Produktformen
  • Vertriebsformen
  • Mediennutzung
  • Prozesse in den Verlagen

gerichtet. Er kündigt 5 „Special-Guests“ mit Videobotschaften an.

1. Produktformen

Treiber für digitale Produktformen sind vor allem Hardware, Vertriebsplattformen, Markt/Kunde, Inhalte-Technologien (Enhancement), Responsive Content und Nutzergewohnheiten. 2012 sahen Ebooks in der Regel wie Printbücher aus, 2015 gibt es neuere, interessante und zielgruppengerechte Konzepte: z.B. Instagram Romane, Kurzgeschichten auf der Kleinanzeigenplattform Craigslist oder Kurzgeschichten auf Bons aus Automatendruckern etc.

ABER: Keines dieser neuen Konzepte hat die Reife für den Massenmarkt erreicht!

Weiterentwickelt wurden Konzepte im Bereich Social Reading und Socialwriting z.B. Wattpad oder „YourFry“ des Autors Stephen Fry und Penguin Books. Die Reichweite für die Produkte kann dabei entweder durch die Plattform oder Autor erreicht werden.

Die Hardware bestimmt immer mehr den Inhalt, z.B. „Books in Browsers“. Hier werden vor allem Webtechnologien genutzt und das W3C hat dieses Thema wieder aufgegriffen und stellt Standards auf. Als aktuelles Beispiel ist der Gewinner des Ebook-Awards 2015 Florian Schatzky vom Institut für digitales Lernen zu nennen.

Experimentiert wird im Kinderbuchbereich inzwischen umfangreicher mit Brückentechnologien wie Lesestift oder App, z. B. Leyo.

2. Vertriebsformen

Die Anzahl der Vertriebskanäle ist angestiegen und sie beeinflussen den Inhalt. Es gibt die klassischen Vertriebskanäle für den Verkauf der klassischen Ebooks. Epub3 hat zu wenig Vertriebskanäle um erfolgreich zu sein. 

Flatratemodelle wurden entwickelt, haben es aber noch schwer auf dem Markt.

Frisch auf dem Ebook-Markt ist „oolipo“ von Bastei Lübbe. Hier spricht man gerne von „Netflixierung von Content“ bzw. digitales Storytelling. Es ist eine klare, bewusste Abgrenzung zu dem klassischen Ebook.

Insgesamt hat der Kampf um die Aufmerksamkeit zugenommen.

Die Vielfalt der digitalen Touchpoints nimmt zu, von real existierenden Lösungen wie Wlan-Lösungen (Hanserboxspot) bis hin zu experimenten Lese- Kontaktlinsen.

3. Mediennutzung

Die Mediennutzung verändert sich ständig. Das „Lesen“ verändert sich, es ist nicht mehr in Beziehung zu Buch oder Verlagscontent, sondern es wird in der heutigen Zeit sehr viel auf unterschiedlichen Medien gelesen, auch Content, der nicht von Verlagen erstellt wird.

Stichworte sind hier „generation lesen“ versus „generation youtube“ oder „generation kodex“ versus „generation update“.

4. Prozesse in den Verlagen

Es gibt kaum Veränderungen, es werden definierte Produkte angeboten. Ein Wandel der Kette früher „Verlag – Content – Kunde“ zu „Verlag – Kunde – Content“. Die Veränderung ist systemimmanent, jedes Trägermedium ist ein Übergangsmedium.

Fazit

Nach dem Vortrag – der zum Nachdenken/Diskussion angeregt hat – gab es – zeitbedingt – eine kurze Diskussion zum Thema Produktentwicklung. Die Inhalte der Verlage haben sich kaum verändert, für neue Produktformen gibt es noch sehr viele technische Barrieren. Einigkeit besteht, dass die Bezahlprozesse einfacher und kundenfreundlicher werden müssen, das dürfte der nächste große Bigpoint für die Entwicklung sein.

In den Verlagen überwiegt der Wirtschaftlichkeitsgedanke und blockiert neue Produktformen, denn:

DIE ALTEN PRODUKTFORMEN FUNKTIONIEREN NOCH SEHR GUT- DIE NEUEN NOCH NICHT RICHTIG! => Warum dann eine Veränderung?

Videostatements

In den Vortrag eingestreut wurden Videostatements, die teilweise aus Zeitgründen gekürzt wurden oder ganz entfielen. Deswegen hier noch einmal in der Übersicht:

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Florian Sochatzy 

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Johannes Conrady COO 

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Nikola Richter Mikrotext

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Felix Sasaki 

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Dominik Ziller, Verlagshaus Berlin

 

 


Sessionbericht: „Alle mit ins Boot! Die wichtige Rolle des Lektors für eine gelungene Digitalpublikation“

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Sabine Landes: „Alle mit ins Boot! Die wichtige Rolle des Lektors für eine gelungene Digitalpublikation“

Sessionbericht der Sessionpatin Julia Reuter

Sabine Landes (c) Dennis Scholk

Sabine Landes
(c) Dennis Scholk

Sabine Landes arbeitet als Projektmanagerin Digital im Vertrieb bei Heyne.

Die These:

Je mehr der Lektor von Anfang an in den Prozess integriert ist, desto besser ist das Produkt, das am Ende herauskommt.

 

 

 

 

Was ist ein Lektor?

  • Hat Kontakt zum Produzent/zu den Produzenten des Texts, zumindest über eine Agentur > ist die Schnittstelle
  • Ist „am Text dran“, hat die Übersicht über die verschiedenen Stadien des Texts, auch wenn der Lektor nicht selbst lektoriert
  • Gibt den Text vor der Veröffentlichung frei
  • Muss den Titel in-house „verkaufen“ können, die anderen Abteilungen mit ins Boot holen
  • Wählt die Texte aus
  • Erstellt Texte für Vorschau, Klappen etc.

Die Ausgangssituation

  • Ein Verlag, der bereits Printbücher veröffentlicht hat und jetzt auch E-Books produziert
  • Textart: Unterhaltungsliteratur in Fließtext
  • Format: ePub 2

Anforderungen an eine gelungene E-Book-Produktion

  • Websites sind verlinkt (z.B. Verlagswebsite, Autorenwebsite)
  • Werkverzeichnis ist aktuell oder es wird darauf verlinkt (allerdings ist nicht jeder E-Reader internetfähig)
  • Keine Seitenverweise („Wie Sie auf S. 54 nachlesen können …“), sondern Links zu den entsprechenden Passagen
  • Barrierefrei > Bilder plus Ersatztexte, da man große Tabellen auf dem Smartphone nicht lesen kann
  • Material auf den Klappen/dem Umschlag (z.B. Stammbäume in historischen Romanen) müssen mit ins E-Book integriert werden

Was braucht der Lektor für den digitalen Prozess?

  • Neugier
  • Sollte selbst E-Books lesen
  • Sollte ein Lesegerät haben/benutzen
  • Sollte die eigenen E-Books auf dem Reader anschauen
  • Grundlegendes Problembewusstsein > es ist ein anderes Medium! (Bsp. Doppelseiten > im E-Book geht der Gesamteindruck einer Doppelseite verloren)
  • Grundkenntnisse über das Medium helfen auch bei der Kommunikation im Haus

Fazit:

  • Ziel ist, dass der Lektor Content-Experte wird, möglichst weitere Produkte anstößt und auf Zusatzcontent aufmerksam macht. Was hat der Autor sonst noch in der Schublade, was ist möglich, was könnte man den Shops exklusiv anbieten?
  • Gerade Herstellung und Lektorat müssen bei E-Books enger zusammenarbeiten.
  • Wichtig ist aber, dass Aufgaben und Zuständigkeiten klar kommuniziert werden!

Sessionbericht: Sparten vs. Vollsortiment: Chancen im Vertrieb von E-Books am Beispiel von Buchlichter.de

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Caspar Armster und Anna Karina Birkenstock: Sparten vs. Vollsortiment: Chancen im Vertrieb von E-Books am Beispiel von Buchlichter.de

Sessionbericht der Sessionpatin Oline Marxen:

Als Einführung stellten sich die beiden Moderatoren kurz vor.

Anna Karina Birkenstock ist Kinderbuchautorin und Illustratorin.

Casper Armster ist Filmset-Designer und digitaler Verleger.

Zum Team gehören ebenfalls noch Michael und Jürgen.

Die Session von den beiden Initiatoren von buchlichter.de (c) Jan Kermes

Die Session der beiden Initiatoren von buchlichter.de
(c) Jan Kermes

Anna Karina und Casper vertreten den Tilda Marleen Verlag GbR http://www.tildamarleen.com/de/ und haben sich während dieser Arbeit immer wieder die Frage gestellt, wie man gute und altersgerechte Kinder- und Jugendliteratur findet.

Die wichtiges Aussage bei der Sparte der Kinder- und Jugendliteratur ist die Tatsache, dass Kinder sich die Bücher selten selber aussuchen. Gerade für das jüngere Alter sind es die Eltern oder Großeltern, die die Bücher kaufen.

Wenn diese in ein Ladengeschäft gehen, gibt es eine extra Abteilung. Wie gestaltet sich dies aber im Internet?

Wie kann man den Buchhändler mit seiner Kompetenz und seinem Wissen in die digitale Welt bekommen?

Wie kann man E-Books auch für Kinder bereitstellen und sich somit der vielen Möglichkeiten der digitalen Welt bedienen?

Es gibt bereits einzelne Sparten im Internet, die sich auf bestimmte Literatur spezialisiert haben. Als Beispiele wurden minimose.de (als reiner E-Book Shop von Independent Verlagen) oder psychologiebuch.de genannt.

Eine weitere Entwicklung ist: buchlichter.de

Dies Projekt kann als Startup bezeichnet werden, welches viele Ideen miteinander vereint. Man möchte Eltern einen Online-Shop für Kinder- und Jugendliteratur bieten. Das Einkaufen und die Bereitstellung der E-Books soll so einfach sein wie ein Einkauf bei Zalando.

Jedes Buch wird anhand der Autoren und Rezensionen, welche selber oder von fachlich fundierten Netzwerkbloggern geschrieben werden, vorgestellt.

Es soll klar werden, dass hier Menschen Bücher für Menschen machen.  Für jeden Titel soll es auch einen Bezug zum Autor oder/ und Illustrator geben. Somit möchten sie gerne eine Beratung wie in einer Buchhandlung geben. Dafür richten sie ebenfalls einen Chat ein, um direkt den Kontakt zum Kunden zu haben.

Da derzeit E-Book-Reader bei Kinderbüchern keine Rolle spielen, sind alle Bücher browserbasiert. Man braucht nur ein browserfähiges Endgerät und kann dort lesen, hören und interaktiv mitmachen. Die Lesemöglichkeit gibt es also direkt auf der Seite und man braucht sich keine Gedanken über ein weiteres Programm machen. Alle Titel sind epub/epub3 mit einem fixed Layout. Es gibt kein hartes DRM und auch der geplante Download soll mit weichem oder ohne DRM angeboten werden.

 Der Shop basiert auf einem Qxid-System und ist derzeit noch nicht online zu erreichen. Man muss ein Kundenkonto anlegen und kann dort unterschiedliche Zahlungsarten wählen.

Natürlich gibt es bei dem Projekt noch Stolpersteine, denn die Regale müssen gefüllt werden. Da die gelieferten Metadaten nicht immer ausreichen, werden diese derzeit noch per Hand gepflegt bzw. überarbeitet. Der Wunsch ist, mit den Verlagen nicht nur Daten auszutauschen sondern die direkte Kommunikation aufzubauen…

Wie Kinder und Jugendliche dort einkaufen können wird derzeit noch geprüft. Man könnte hier mit einem Gutscheinsystem arbeiten oder mit der Möglichkeit, Bücher zu verschenken.

Eine „All you can read“ Flatrate wird es wohl nicht geben.

Perspektivisch könnte man sich auch vorstellen Hörbücher anzubieten. Viele weitere Ideen sind noch in der Entstehungsphase. Das Wichtige ist, immer in der Sparte zu denken.


Sessionbericht: edel & electric: Wie gründet man einen Digitalverlag?

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Karla Paul
edel & electric. Oder: Wie gründet man einen Digitalverlag?

Sessionbericht der Session-Patin Julia Jochim

Karla Paul, edel & electric

Karla Paul, edel & electric

Karla Paul, seit Mai 2015 Verlegerin bei edel eBooks, referierte in dieser Session die vergangenen Monate, in denen sie neben der Weiterführung des vorhandenen Labels edel eBooks mit ihrem Team auch ein neues Digitallabel gegründet hat.

Das neue Label edel & electric grenzt sich deutlich vom bereits bestehenden Label „edel eBooks“ ab, wo bunte Unterhaltung geboten wird. Mit 750 lieferbaren Titeln zu günstigen Preisen wird eine breite Zielgruppe angesprochen, das Label konkurriert mit erfolgreichen Digitalverlagen wie z.B. dotbooks oder Lübbe.

„edel & electric“ wiederum verlegt ausgewählte Upmarket-Literatur im etwas höheren Preissegment von 4,99 € aufwärts. Verlegt werden Originalausgaben, die Förderung von Nachwuchsautoren ist ein Anliegen. Inhaltlich steht „edel & electric“ für „wild, politisch, konfliktbereit“, als Mitbewerber nennt Karla Paul z.B. „Heyne Hardcore“.

Das neue Label ist laut Karla Paul nicht nur ein Verlag, sondern ein Projekt, „denn wer weiß, ob Verlage überhaupt bleiben“ – das Projekt soll sich mit dem Markt mitbewegen und mitentwickeln. Das Ziel ist, frei und beweglich zu sein, „edel & wild“ ist das Selbstverständnis des Labels. Im Oktober sind vier Titel erschienen, weitere sollen im Dezember folgen.

Im Anschluss berichteten die einzelnen Mitarbeiter von Karla Pauls Team von ihrer täglichen Arbeit:

Projektmanager Christian Gogic ist verantwortlich für die Abwicklung der von Verlegerin Karla Paul ausgewählten Titel, von Kalkulation und Vertragsausstellung über Systempflege, Organisation von externen Lektoren und Korrektoren bis zu Konvertierung, Qualitätskontrolle und Auslieferung. Die Verwirklichung eines Titels ist laut Christian, wenn nötig, innerhalb von vier Wochen möglich.

Volontärin Mara Giese ist verantwortlich für Online-Marketing und Social Media, betreut die Verlagswebsite und den Verlags-Blog. Da die Website dynamisch sein sollte, entschied sich das Team für einen Blog, denn dieser ist als eigene Plattform im Gegensatz zu einem Facebookauftritt unabhängig und selbst bestimmbar: „In einem Blog kann der Verlag Expertenwissen deutlich machen“. Ziel ist es, zu informieren, einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen und Diskussionen anzustoßen. Es wird auf hohe Teilungs- und Verlinkungsraten gehofft. Eine wichtige Rolle spielt für Mara in diesem Zusammenhang SEO, damit der Blog auch gefunden wird. Ein Blog, so betonte sie, entsteht nicht nebenbei, sondern muss ein Arbeitsgebiet sein, für das Zeit zur Verfügung gestellt wird.

Presse- und Veranstaltungsfrau Laura Sonnefeld beschäftigt sich sowohl mit Marken- als auch mit Produkt-PR. Die Marken-PR spielte bei der Markteinführung eine große Rolle, da das neue Label für Kunden und Branche positioniert werden musste – es sollte bekannt werden als das Label, an das sich diejenigen wenden, die etwas Außergewöhnliches auf der Pfanne haben. Wichtig ist Laura die Verknüpfung von klassischer Pressearbeit und Social Media. Bei den Veranstaltungen müssen laut ihr neue Wege gegangen werden, da die typische „Wasserglaslesung“ mit Autor und Buch und Büchertisch für E-Books nicht sonderlich gut funktioniert. Geplant sind electric nights, ein neues Veranstaltungskonzept, in Kooperation mit ebooks.de.

Vertrieb- und Sales-Managerin Nadja Mortensen betreut alle wichtigen Key-Account-Shops, präsentiert und empfiehlt, und kümmert sich um Features auf den Startseiten, Promotions, Werbekostenzuschuss-Buchungen.


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