Ideengeber, Experten und Zukunftsforscher gesucht! Call for Papers fürs 5. eBookCamp Hamburg startet

Du bist IdeengeberIn, ExpertIn, ZukunftsforscherIn oder E-Book-AktivistIn? Dann suchen wir dich, um das Programm für das nächste eBookCamp mitzugestalten. Ab sofort startet unser Call for Papers, der bis zum 28. September 2015 läuft. Schickt uns eure Sessionideen rund ums E-Publishing. Wir sind gespannt!

Hier sind alle Infos, die ihr braucht:

Am 7. November 2015 feiern wir ein kleines Jubiläum: Das fünfte eBookCamp Hamburg! Wie in den Jahren zuvor soll das eBookCamp als bewährte Diskussionsplattform rund um die Digitalisierung des Buchmarkts dienen. Ähnlich wie bei klassischen Barcamps geht es beim eBookCamp in erster Linie um die Interaktivität, also den regen Austausch der Teilnehmer. Und um den zu erreichen, braucht es Sessionleiterinnen und Sessionleiter, die mit spannenden Themen und ihrem Know-how die Agenda der Veranstaltung bestimmen. Genau solche Sessionleiter sind jetzt gesucht!

Ab sofort sind alle Interessierten aufgerufen, Ideen für Sessions einzureichen.

Insgesamt wird es neun Sessions geben. Wie bei den vergangenen eBookCamps werden jeweils drei Sessions à 60 Minuten parallel laufen. Gesucht werden SprecherInnen zu Themen aus dem gesamten Spektrum des E-Publishings, von technischen Aspekten, über Marketing-Themen bis hin zu generellen Auswirkungen auf unsere zukünftige Mediennutzung.

Außerdem werden wir wieder einen Themenschwerpunkt setzen, der in diesem Jahr lautet: Disrupt eBookCamp! Nach fünf Jahren eBookCamp, in denen wir den rasanten Wandel der Branche begleitet haben, wollen wir uns in Frage stellen und in unserer Jubiläumsveranstaltung in einer Session diskutieren, ob die derzeitigen Konferenzformate noch der passende Rahmen sind, um über die Zukunft des Lesens zu diskutieren. Den Buchmarkt verlieren wir dabei aber nicht aus dem Blick: Unser Themenschwerpunkt soll jene Akteure unter die Lupe nehmen, die unter dem Buzzword Disruption die Buchwelt von außen her umkrempeln. Wie kommen Innovationen in die Buchbranche und welche Geschäftsmodelle stellen sie in Frage? Wo könnte Disruption ansetzen und welche Rolle kann die Branche dabei spielen? Wer mit uns seine Theorien diskutieren möchte, gute Beispiele vorstellen oder Aktionsaufrufe starten möchte, der sollte eine Session einreichen. Bei der gemeinsamen Abschlussdiskussion am Abend werden wir dann die Ergebnisse aus unserem Themenschwerpunkt nochmals vorstellen.

So funktioniert die Einreichung:

Per E-Mail eine kurze Vita und eine Beschreibung der geplanten Session (max. eine DIN-A-4-Seite) an ebookcamp@gmail.com senden. Einsendeschluss ist der 28. September 2015. Anfang Oktober werden die ausgewählten Sessions bekannt gegeben.

Alle Sessionleiter erhalten freien Eintritt. Während des eBookCamps protokolliert ein „Sessionpate“ die Session und erstellt nach dem eBookCamp einen Bericht, der gemeinsam mit Bildern aus der Session nach dem Camp auf unserer Website gestellt wird.

Ihr habt keine Idee für eine Session, aber Ideen für Projekte, Installationen oder übergreifende Aktionen? Dann meldet euch ebenfalls unter ebookcamp@gmail.com. Wir freuen uns von euch zu hören!

Die Teilnehmerzahl für das Camp ist auf 90 Personen begrenzt. Weitere Infos zur Veranstaltung gibt es auf ebookcamp.wordpress.com.


Nach dem eBookCamp ist vor dem eBookCamp

Heute ist der 1. Mai. Genau vor einem halben Jahr, am 1. November 2014, fand das 4. eBookCamp Hamburg statt. Zeit also, sich langsam Gedanken zu machen, wie und wo genau die 5. Auflage ihr kleines Jubiläum feiern wird. Ideen werden natürlich schon fleißig gesammelt: Altbewährtes trifft voraussichtlich am 7. November auf spannendes Neues!

Nähere Infos wird es wie immer rechtzeitig hier und auf den bekannten Kanälen geben. Stay tuned!


Sessionbericht: Generation Smartphone

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Kai Wels: Generation Smartphone – Die Kinder von heute sind die Kunden von morgen

von Sana Tornow

Ein zentrales Thema der Diskussion war die Frage, wie die Zielgruppe tickt. Dabei galt es auf die Entwicklungsstufen der 7 bis 13-Jährigen und 14 bis 17-Jährigen zu achten und hier die Unterschiede zu erkennen.

Vorweg ein paar Zahlen:

  • in deutschen Haushalten gibt es über 12 Millionen Kinder unter 18 Jahren
  • das erste iPhone ist 2006 auf den Markt gekommen
  • Erst seit den letzten knapp 15 Jahren gibt es Beobachtungen zum Nutzungsverhalten Jugendlicher mit mobilen Geräten.
  • bereits 3-Jährige sind mit dem Bedienen mobiler Geräte vertraut
  • 85% der 12 bis 13-Jährigen verfügen über ein eigenes Smartphone

Was wir uns bewusst machen müssen ist, dass 6-jährige eine Welt ohne Smartphone und Tablet nicht kennen. Alles, was irgendwie eine glatte Oberfläche hat, wollen sie direkt per Touch steuern. Für sie ist das Leben mit solchen mobilen Devices natürlich. Auch der Aspekt, dass „der Computer“ klein und tragbar ist, ist für sie völlig natürlich. Zudem die ständige und allgegenwärtige Erreichbarkeit, die Möglichkeit, alle Informationen im Web abrufen und nachschauen zu können. Informationen sind immer abrufbar und stehen mobil zur Verfügung. Für sie ist von Beginn an Text, Bild, Audio und Information mit Interaktion verknüpft und verbunden. Wir, die Generation der 90er und älter, hatten Bilderbücher oder Pappbilderbücher mit Klappen. Unsere Interaktion war das öffnen der Klappen und das Umblättern der Seiten.

Was machen die Heranwachsenden mit dem Smartphone?

Diese Frage ließ Kai Wels direkt von zwei Vertreterinnen der Generation Smartphone beantworten. In die Rolle einer 11-Jährigen und einer 16-Jährigen schlüpften dafür Laura Sonnefeld und Selma Wels. Eine Gegenüberstellung zweier Altersgruppen.

11-Jährige:

  • Lesen ist uncool, liest generell nicht gern
  • kein Interesse an eBooks
  • schaut Youtube, nicht Fernsehen
  • hat eigenen Youtube Channel zur Selbstdarstellung
  • nutzt WhatsApp intensiv (Sprachnachrichten > asynchrones Telefonieren, da sie nicht gut genug schreiben können für Text-Chats)
  • nutzt Gruppenchats in WhatsApp
  • kein Facebook
  • nutzt Instagram, hat eigenes Instagram-Profil und bespielt es aktiv
  • hat seit der Grundschule ein Handy/Smartphone
  • spielt gern Angry Birds

16-Jährige:

  • aktiver Fernsehkonsum
  • liebt Serien (HIMYIM, Sherlock, Big Bang etc.)
  • aktiv im kreativen Umfeld
  • liest gern
  • liest gern mobil (Smartphone)
  • liest hin und wieder auch ein Buch, bevorzugt Romane
  • schätzen Bücher als Geschenk und verschenken Bücher auch selbst
  • laden eBooks, wenn das Taschengeld leer ist
  • hatte erstes Handy/Smartphone mit 10
  • Smartphone ist ohne Vertrag, Prepaid
  • schreibt in der Schule nicht mit, sondern fotografiert das Tafelbild
  • kennen noch die analoge Welt, Leben ohne mobile Devices
  • kennen zum Teil noch die 16k Modems

Einige weitere Beobachtungen über das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen:

  • Wenn Heranwachsende irgendwo zu Besuch sind, gilt ihre erste Frage dem WLAN-Kennwort.
  • Smartphones und Tablets sind Ersatz für TV-Geräte geworden.
  • Kinder bis 8 Jahre schauen weniger Youtube, sondern nutzen diese Geräte in erster Linie für Games (Spiele-Apps).
  • Gruppenchats bei WhatsApps sind extrem wichtig. Eltern, die ihren Kindern ein Smartphone und WhatsApp vorenthalten, grenzen sie damit aus dem sozialen Gefüge aus.
  • Heranwachsende kaufen Kleidung im Laden aber Technik im Internet.

Und zu sozialen Netzwerken:

  • Jungs nutzen zusätzlich Skype für z.B. Minecraft-Sessions.
  • WhatsApp wird für den Freundeskreis genutzt.
  • Facebook wird eher von älteren genutzt, die internationale Kontakte und Freunde haben, beispielsweise nach einem Austauschjahr oder ähnliches.

Medienkompetenz von Schülern, Lehrern, Eltern

Das Bewusstsein, dass man sich durch das Nutzen von Facebook, Instagram und WhatsApp – oder generell im Internet – transparent macht, hängt sehr stark von der Medienkompetenz der Eltern und der Lehrer ab. Leider ist es oft so, dass die Eltern hier versagen und selber nicht über Medienkompetenz verfügen. Lehrer haben diese oft schon eher, schaffen aber nicht immer diese zu vermitteln. Die Heranwachsenden haben das Bewusstsein, dass sie bestimmte Inhalte, die sie unbedingt wollen, auch auf illegalem Wege, dank der Nutzung gewisser Technologien, bekommen können. Sie wissen, wie sie Schranken umgehen können und machen davon Gebrauch, ohne sich „schuldig“ zu fühlen. Problem ist, dass sie cleverer und technisch versierter sind als Eltern und Lehrern und den Erwachsenen zum Teil die Technologien vorstellen und erklären.

10 Thesen

  1. Mobile first stellt neue Anforderungen an User Experience (UX), User Interface (UI) und Accessability (Zugänglichkeit)
  2. Ubiquitärer (allgegenwärtiger) Zugang zu Content wird zum Grundbedürfnis
  3. Die Grenzen der Medien verschwimmen, das Rezipieren der Inhalte wird medienunabhängig der aktuellen Nutzungssituation angepasst.
  4. Veröffentlichungen werden nicht mehr in festen Zyklen erfolgen, sondern in Echtzeit und asynchron
  5. Serien, Trilogien u.ä. werden nicht mehr Jahr für Jahr einzeln veröffentlicht, sondern alle verfügbaren Teile auf einmal (gilt aber noch nicht generell)
  6. Die Publikationen werden in kleinere, schnell rezipierbare Teile gesplittet
  7. Junge Autorentalente binden ihre Peer Group bereits in den kreativen Schreibprozess ein
  8. Digitale Inhalte werden sich über Content Upgrades aktualisieren
  9. Das gedruckte Buch wird als besondere Form der Contentnutzung wieder wertgeschätzt (Ausstattungen, Veredelung, haptisches Erlebnis etc.)
  10. Arbeitgeber werden sich auf die Veränderungen des Marktes und des Mediennutzungsverhaltens der Auszubildenden einstellen müssen

Abschließend wurde die Frage an Kai Wels gestellt: Was macht ihr als Verlag für Produkte? Die Antworten:

  • Neue Wege überlegen
  • Medienkonvergenz erzeugen
  • Apps, eBooks, Magazine & News zusammenführen

Erkenntnis des Tages: Machst du ein Produkt, was deiner Zielgruppe nicht gefällt, hast du verloren. Bei Jugendlichen und Kindern ist es noch gnadenloser als bei jeder anderen Zielgruppe.

Selma Wels, Laura Sonnefeld, Kai Wels

Kai Wels und die “Generation Smartphone” (Selma Wels, links, und Laura Sonnefeld) im Gespräch mit dem eBookCamp-Publikum, (c) Felix Wolf

 

 

 


Sessionbericht: Kreativworkshop interaktive E-Books

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Andrea Kock: Kreativworkshop. Vom Text zum interaktiven E-BookWelche Features passen zu welchem Inhalt?

Von Claudia Pleil

Am Anfang standen folgende Fragen zum Einstieg in die Session:

  • Handelt es sich bei derzeitigen digitalen Produkten „nur“ um Zwischenformate, die sich vielleicht noch in eine ganz andere Richtung entwickeln? Trennen sich Buch und App irgendwann gänzlich?
  • Geht das E-Book den Weg der Multimedia-CD? (Tolle technische Möglichkeiten aber niemand mag sie nutzen/kaufen…)
  • Erreichen reine Digitalformate noch keine kritische Masse bei Leserinteresse und Vertriebsmöglichkeiten? (Frage aus dem Plenum – Wann ist die kritische Masse erreicht? Spontane Antwort von Andrea: Wenn man unterm Strich Geld verdient…)
  • Können innovative Tools wie TigerCreate, PubCoder oder Creatavist, die keine Programmierung erfordern, und niedrige Produktionshürden als Kickstarter für interaktive E-Books dienen?
  • Können sich aus den von diesen Tools vorgegebenen Features neue Ideen ergeben?
  • Sollten Autoren neue Inhalte und Features kreieren, entwickeln, mitdenken (weil sie nah am Inhalt sind) – oder sollten Experten Inhalte „veredeln“?

Exemplarisch stellte Andrea zudem noch zwei Fallbeispiele aus einer von BoD ins Leben gerufenen Challenge vor: einen Japan-Reiseführer mit interaktiven Karten und Vokabel-Vorlesefunktion sowie ein Bilderbuch mit Vorlesefunktion und Malbild. In diesem Zusammenhang wurde aus dem Plenum auf die Offenheit der aktuell kursierenden Begrifflichkeiten hingewiesen (interaktiv vs. enhanced/enriched usw.) – eine Problematik, für die es aufgrund mangelnder einheitlicher Definitionen vorerst wohl keine Lösung gibt. Was der anschließenden Diskussion jedoch keinen Abbruch getan hat:

Andrea Kock

Andrea Kock stellt ihre Session vor, (c) Ute Nöth

Zunächst wurde debattiert, inwiefern neue Produktentwicklungen sich noch im Rahmen der klassischen Prozess- und Verwertungskette von Verlagen umsetzen lassen (Manuskript > Herstellung > zusätzliche Features werden „angeflanscht“) oder ob sie vielmehr ein Umdenken in Richtung agilen Prozessmanagements erfordern, mit projektbezogenen Task-Forces, in denen alle Prozessbeteiligten zusammenkommen. Eine pauschale Antwort darauf ließ sich erwartungsgemäß nicht finden. Es kann lediglich festgehalten werden, dass es letzten Endes sowohl auf die jeweiligen Verlagsstrukturen als auch auf das konkrete Projekt ankomme.

Dagegen bestand bei der Frage danach, wer idealerweise neue Inhalte und Features mitdenken sollte, im Wesentlichen Einigkeit darüber, dass kreative Enhancements durch Autoren durchaus wünschenswert sind, eben weil diese am nächsten am Inhalt sind. Voraussetzung dafür wäre jedoch, dass die Autoren entsprechende Kenntnisse der technischen Möglichkeiten mitbringen sowie die grundsätzliche Bereitschaft, neue Inhalte und Formate zu denken. Ebenso wäre es in diesem Fall wichtig, die Autoren frühzeitig mit einzubeziehen. Dabei sollte jedoch klar sein, dass längst nicht jeder Autor für neue Produktformen zu begeistern ist bzw. über die entsprechenden Kenntnisse verfügt, und auch, dass die Einbindung des Autors generell projekt- und inhaltsabhängig ist.

In jedem Fall sollte ein gewisses technisches Grundwissen auch im Verlag vorhanden sein, damit man dem Autor ggf. entsprechend Feedback geben kann. Dabei können die o.g. Tools durchaus als Katalysator dienen. Offen blieb jedoch die Frage, ob insbesondere technisch versierte Autoren dann überhaupt noch Verlage brauchen?

Daran anknüpfend wurde aus dem Plenum eingeworfen, dass die genannten Tools möglicherweise auch als Hebel für die Henne-Ei-Problematik in Hinblick auf ePub3 fungieren könnten (mangelndes Engagement der Verlage, weil es keine Plattform gibt; keine Plattform, weil es keine ausreichenden Inhalte gibt, um von einem Standard zu sprechen). Immerhin bieten existierende Tools mit Multiplattform-Ausspielung die Möglichkeit eines Lückenschlusses, indem sie Wissen und Features bündeln. Dies ändert jedoch nichts an dem Problem, dass plattform-abhängige Feature-Unterschiede bei gleichen oder ähnlichen Preisen für Kunden nicht nachvollziehbar und ärgerlich sind.

Möglicherweise – so ein Einwurf aus dem Plenum – sei aber genau das ein Argument für ein neues Credo, nämlich: Kompatibilität über alles? D.h. im Zweifelsfall sollten Verlage evtl. in Betracht ziehen, lieber nur auf einer Plattform vertreten zu sein, dafür aber mit einem „perfekten“ Produkt.

Unabhängig davon kann durch entsprechende Tools durchaus ein neuer Level der Professionalität erreicht werden. Fragwürdig ist dabei jedoch die eher gegenläufige Entwicklung im Bereich der entsprechenden Geräte – d.h. dass auf dem Markt vermehrt entweder abgespeckte, kostengünstige Reader angeboten werden (die angereicherte E-Books etc. gar nicht abbilden können) oder teure „High-End“-Geräte, die viel mehr können und auf denen Verlage und ihre Produkte dann wiederum in Konkurrenz treten mit Websites, Software, Filmproduktionen usw. In diesem Zusammenhang wurde jedoch auch angemerkt, dass beispielsweise Amazon die Entwicklung neuer Geräte/Features systematisch danach ausrichtet, wofür aus Vertriebssicht eine entsprechende Nachfrage gegeben ist (z.B. mit der auf Comic-Fans ausgerichteten Panel View des KF8). Hier liegt der Fokus auf den Kundenbedürfnissen, woran sich Verlage mitunter noch ein Beispiel nehmen könnten.

Auf die Frage aus dem Plenum, was denn nun aber sinnvolle Features seien, kann es wohl nur die Antwort geben, dass dies abhängig ist vom jeweiligen Buchtyp und Inhalt. Als unverzichtbar kann eine dem Inhalt angemessene Navigation betrachtet werden, für Kinderbücher im Besonderen ist darüber hinaus der Wert spielerischer Inhalte nicht zu unterschätzen ebenso wie eine Audiospur/Vorlese-Funktion, die jedoch auch für andere Inhalte sinnvoll sein kann, z.B. im Bereich Reiseführer, wie das Beispiel der BoD-Challenge zeigt. Gerade für Reiseführer o.ä. stellen eben auch interaktive Karten eine kluge Ergänzung dar, während Quizze sich besonders, jedoch sicherlich nicht nur für Lehrbücher eignen. Konsens bestand im Wesentlichen darüber, dass jegliche zusätzliche Features möglichst unaufdringlich und frei wählbar sein sollten (z.B. Booktracks). Trotzdem bleibt letzten Endes die Frage offen, ob enhanced E-Books überhaupt goutiert werden.

Erwartungsgemäß gab es auch für die abschließende Frage, was Verlage denn nun konkret tun können, kein Patentrezept. Grundsätzlich scheint es jedoch ratsam, dass sie sich auf ihre Kreativität bzw. die Kreativität ihrer Urheber besinnen, zusätzlich idealerweise aber zumindest eine gewisse technische Kompetenz aufbauen, um souverän zwischen Textproduktion und enhanced-Elementen vermitteln zu können. Perspektivisch können und sollten dafür allerdings auch bestehende Workflows neu gedacht und/oder entsprechendes Know-how ggf. lizenziert werden.


Sessionbericht: Kleine Theorie des 360°-Online-Marketings

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Sebastian Posth: Kleine Theorie des 360°-Online-Marketings

von Daniel Bräuer

In seiner Session befasste sich Sebastian Posth mit Online-Marketing für Bücher. Allerdings nicht primär für eBooks, sondern generell, denn es lässt sich nur schwer trennen. Ursprünglich hatte die Session den Titel “360°-Marketing”, was er in “Kleine Theorie des Online-Marketings” änderte, da die “360°” im Marketingsprech derzeit eine gewisse Inflation erlebt.

Er begann mit einer kurzen Einführung zur Situation das Buchmarktes, insbesondere des Marketings. So konzentriert sich das Marketing zu großen Teilen auf Handelsmarketing, weil die Verlage ihre Bücher nicht (oder kaum) direkt an die Leser verkaufen, sondern die Buchhändler ihre direkten Kunden sind. Im stationären Handel ist es daher das Ziel, auf die Büchertische zu kommen. Wie aber sehen die digitalen Büchertische aus? Online ist das Ziel, auf den Startseiten der relevanten Shops, deren Genre-Listen platziert, in Newslettern oder anderen Promo-Aktionen der Shops hervorgehoben zu werden. Darüber hinaus bieten die verschiedenen Social-Media-Kanäle den Verlagen natürlich auch reichlich Möglichkeiten, direkt mit ihren Lesern in Kontakt zu treten. Diese Möglichkeiten werden sehr unterschiedlich genutzt. Demnach auch die Frage: Kennen Verlage die Leser ihrer Bücher? Man könnte auch fragen, wie gut sie sie kennen. Dieser Punkt kam auch in der folgenden Diskussion zur Sprache, dass eigentlich kaum professionell Daten gesammelt oder ausgewertet würden. Oder welche Verlage beschäftigen Datenanalysten?

Bevor die Diskussion in der großen Runde begann, stellte Sebastian noch seine “Kleine Theorie des Online-Marketings” vor, die er auf Papier an alle Teilnehmer austeilte – ja, Ladies and Gentlemen, auf dem eBookCamp wurde Content auf totem Holz verteilt. Auch wenn er uns weismachen wollte, es sei extra für uns im Matrizendruckverfahren hergestellt worden, waren es doch wohl eher profane Digitaldrucke. :)

Bewusst plakativ in Manier einschlägiger Managementliteratur skizzierte er sein Marketingmodell (Handout) mit einer Marketing-Pipeline aus den vier Stufen Information, Traktion, Anreiz und Kontext, denen er vier Kategorien des Online-Marketings gegenübergestellte. Die Pipeline verdeutlicht hier vor allem verschiedene Stadien von Zielen, z. B. soll der Leser in der Lage sein, einen Titel zu entdecken, die Kategorien verschiedene Möglichkeiten, diese zu erreichen. Ziel dieser Aufstellung war weniger ein allumfassendes “so ist es” in den Raum zu stellen, sondern eine Diskussionsgrundlage, ob und wie man Marketingaktivitäten ordnen und besser planen kann, um die verschiedenen Aspekte abzudecken.

Daraufhin entwickelte sich auch eine sehr intensive und spannende Diskussion, die es fast unmöglich machte, noch nebenher zu twittern, ohne etwas zu verpassen. Die Standpunkte gingen auch durchaus auseinander, von dem, dass das einzig wirklich Effektive das Handelsmarketing sei, zu dem, dass man damit viel Potential verschenke und sich von den großen Shops abhängiger mache, als man es ohnehin ist. Verschiedene TeilnehmerInnen berichteten auch, dass sie es bereits mehr oder weniger so praktizierten wie Sebastian es skizzierte, also das jeweils zur eigenen Zielgruppe oder den Titeln passende machten. Natürlich kann man nicht immer alles, darum ginge es auch nicht. An dieser Stelle fiel das schöne Zitat: “Nachhaltig heißt auch Selektieren”, das für mich das perfekte Fazit darstellt. Man sollte sich ein Muster, oder eben eine Pipeline, aus verschiedenen Anlässen und Aktivitäten zurechtlegen, das auf das eigene Programm passt, und sich dann bei den einzelnen Titeln daraus bedienen. Natürlich muss auch dieses Muster immer wieder überarbeitet werden, aber wenigstens hat man etwas, woran man sich im Alltag orientieren kann, um den Weg zum Leser zu finden.

Um Sebastians Abschlusssatz nicht unter den Tisch fallen zu lassen: „Der Post(h) wird sie finden.“

Sebastian Posth

Ungefähr so – Sebastian Posth erläutert seine Theorie des Online-Marketings, (c) Felix Wolf

 


Wir sagen DANKE an CHRIS CAMPE

15521788129_51ca9bfc7e_o

E-Reader-Installation “We are electrified” (c) Chris Campe

Chris

Chris Campe

Chris Campe ist alles Mögliche: sie studierte Kommunikationsdesign in Hamburg und Visual Studies in Chicago, außerdem war sie als Buchhändlerin und als Dozentin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg tätig, wo sie auch studierte. Ihre Themen sind Typografie, Handlettering und Gender. Diverse Ausstellungen gehen auf ihr Konto, und Bücher: zum Beispiel TollerOrt und das Hamburg-Alphabet. Fehlt etwas in der Auflistung? Bestimmt! Die niemals ruhende Chris Campe mit einem gewissen Hang zum Seriellen überrascht stets mit neuen Projekten.

15709231662_84c796cdfa_o

Ausschnitt aus der Installation “We are electrified” (c) Chris Campe

Für das eBookCamp 2014 hat sie ihre großartige Idee für eine Installation mit E-Readern verwirklicht. Zwanzig E-Reader – gestellt von ebook.de – sind zu einem Kunstwerk geworden. Jeden Buchstaben des eBookCamp-Slogans “We are electrified” hat Chris Campe einzeln illustriert und auf je einen E-Reader geladen. Die E’s waren sogar animiert. Wir danken Chris für diese brillante Idee, die zur Abrundung des eBookCamps beigetragen hat und eine schöne Bühnenkulisse für die Sessionleiter bildete. Wir sind immer noch ganz elektrisiert von Chris Campes Elan, der sie innerhalb kürzester Zeit einen nie da gewesenen Hingucker kreieren ließ!


Wir sagen DANKE an LOCKENGELÖT

15707730935_fa0a628776_k

Übergabe der Schlüsselromane an die Sessionpaten

Es gibt Bücher, die sind gelesen worden, verschenkt, weitergereicht und abgegeben worden. Sie haben vermeintlich ausgedient. Das kann man aber auch ganz anders sehen. Der Inhalt eines Buches mag nicht mehr zeitgemäß sein und findet vielleicht keine neuen Leser mehr. Aber die äußere Erscheinung weckt immer noch Erinnerungen oder Assoziationen beim Betrachter, strahlt Ruhe aus oder weist einen bestimmten Charakter auf. Das wird zumindest bei Lockengelöt so gesehen.

logoLockengelöt – das sind Dennis Schnelting, Carsten Trill und Michael Braak. Sie haben sich seit 2004 Redesign und Zweckentfremdung von Alltagsgegenständen auf die Fahnen geschrieben. Und das in einer Weise, die bestechend einleuchtend ist. Die besagten Bücher zum Beispiel werden mittels vier Haken fest vernietet und so zu Schlüsselbrettern und Garderoben, aus Kickerfiguren werden Flaschenöffner und aus Ölfässern werden Möbel. Zu bestaunen und erwerben sind die handgefertigten Produkte der Gelötmanufaktur in der Marktstraße 119.
Schlüsselroman - Handgefertigtes aus alten BücernWir danken Lockengelöt für die Unterstützung des eBookCamps 2014! Dank euch konnten wir unsere Sessionleiter und Sessionpaten mit einem ganz besonders passendem Präsent verabschieden: Einem Schlüsselroman, der zeigt, dass es neben dem E-Book auch ganz andere, praktische Verwertungsformen für Bücher gibt!


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 32 Followern an