Sessionbericht: DIE ZEIT macht E-Books (Cigdem Aker)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Eine Wochenzeitung macht E-Books: Erfahrungen der ZEIT mit einem neuen Geschäftsmodell

Sessionleiterin: Cigdem Aker

Text: Nele Süß

Bei E-Books denken die meisten an klassische Bücher aus Buchverlagen, nur eben in elektronischer Form. Dass sich mittlerweile auch Zeitungsverlage in diesem Bereich engagieren, zeigte Cigdem Aker in ihrer Session, in der sich alles um die Erfahrungen des Zeitverlags nach vier Monaten E-Book-Vertrieb drehte.

Cigdem, verantwortlich für die Abteilung, startete mit einer kleinen Umfrage, wer unter den Zuhörern das neue Angebot des Zeitverlags kenne. Ergebnis: Bisher nur einige wenige. Umso größer war die Neugier auf das im Juni 2013 gestartete E-Book-Programm, das mittlerweile 21 Titel umfasst. Bis Ende des Jahres werden es 25 sein. Konzept ist, das Beste aus der gedruckten Ausgabe der ZEIT digital aufzubereiten und neu gebündelt anzubieten, wie beispielsweise Kolumnen, Artikelsammlungen zu Brennpunktthemen oder Artikelserien. Bei letzteren gibt es die Möglichkeit, das E-Book zeitgleich mit Erscheinen des letzten Teils der Serie zu veröffentlichen. Die E-Books werden zudem mit exklusiven Zusatzinhalten angereichert, bei Bedarf werden Artikel auch aktualisiert oder in ungekürzter Version veröffentlicht.

Cigdem Aker: ZEIT E-Books, Session beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

Ins Leben gerufen wurde die Abteilung aus verschiedenen Gründen: Zum einen wird der Print-Markt bei den Zeitungen immer mehr zurückgehen und sich ins Digitale verlagern. Zum anderen möchte man damit auch diejenigen ansprechen, die keine Zeit haben, die ganze Ausgabe der ZEIT zu lesen – diese Gruppe soll mit thematischen Zusammenstellungen angelockt werden.

Inhaltlich speist sich das vielfältige Programm aus der Printausgabe der ZEIT – alles, was originär auf ZEIT Online erschienen ist, wird an anderer Stelle für den E-Book-Markt aufbereitet. Hier trennt man ganz klar nach Quellen – es gibt also zwei E-Book-Abteilungen unter dem Dach des Zeitverlags.

Eine Herausforderung ist und bleibt die Preisfrage, die sich in einem Zeitungsverlag deutlich anders gestaltet als in einem Buchverlag, denn: Es gibt keine Printausgabe des Buchs, an der man sich preislich orientieren könnte. Basis für die Preisfindung ist in diesem Fall: Umfang des E-Books (Seitenzahl bzw. Anzahl der Artikel) plus Nutzwert des Produkts bzw. Exklusivität der Informationen. Zudem spielt das gute Image der Marke ZEIT bei der Suche nach dem richtigen Preis eine Rolle. Da man jedoch keinen gänzlich neuen Content bieten kann, können keine allzu hohen Preise verlangt werden, wobei die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass höhere Preise die Käufer nicht zwingend abschrecken. Die Kosten liegen zwischen 1,99 € und 7,99 € und im Durchschnitt bei 3,75 €, womit man deutlich unter dem Angebot von Süddeutscher Zeitung (im Schnitt 7,49 €) und FAZ (im Schnitt 13,15 €), aber über dem des SPIEGELs (im Schnitt 2,07 €) und denen anderer Mitbewerber liegt.

Der Vertrieb der ZEIT-E-Books erfolgt auf verschiedenen Wegen. Ein Drittel des Absatzes läuft über den eigenen ZEIT-Online-Shop, der bereits gut eingeführt ist und eine sehr gute Zielgruppenpassung bietet. Zudem bleiben 100 % der Umsätze im eigenen Haus und eine Auswertung der Kundendaten ermöglicht eine optimale Kundenanalyse. Mit epubli als Aggregator werden auch weitere Plattformen beliefert, u. a. Amazon (bisher 36 % des Umsatzes) und Apple (bisher 23 % des Umsatzes). Alle E-Books werden ohne Kopierschutz ausgeliefert.

Beworben werden die E-Books vor allem über die eigenen Kanäle, wobei der Medienbruch von Print zu Online keine große Rolle spielt. Beispielsweise werden E-Books, wie die Cityguides, auf den Reiseseiten der Print-Ausgabe beworben und die Leser wechseln ohne Probleme in die digitale ZEIT-Welt. Zudem kann in Themen-Newslettern (z. B. dem Lehrer-Newsletter) passgenau geworben werden und natürlich werden auch sämtliche Online-Kanäle genutzt, u. a. wurden gute Erfahrungen mit Banner-Werbung auf der mobilen Seite der ZEIT gemacht. Sehr erfolgreich waren von Anfang an begrenzte Preisaktionen zur Neuerscheinung von E-Books, die per Subkriptionspreis in den ersten Wochen nach Erscheinen günstiger angeboten wurden – rund 25 % der Käufer erwarben dann gleich noch weitere Titel im Online-Shop. Spannend ist hier, dass auch nach Anhebung des Preises noch gute Verkäufe erzielt werden können. Von kostenlosen E-Books als Werbemaßnahme sieht man eher ab, da dann schnell der Eindruck entstehen könnte, dass die Produkte im wahrsten Sinne des Wortes nichts wert sind. Beworben werden meistens drei bis vier E-Books gleichzeitig, diese dann intensiv. Innerhalb der E-Books verzichtet man bisher auf Fremdwerbung.

Welche Unterschiede gibt es noch zum klassischen Buchverlag? Einige wurden bereits genannt: Die Preisfrage, die Marketing- und Vertriebsmöglichkeiten durch die Verzahnung mit allen Produkten und Kanälen des Zeitverlags und auch das gute Image der Wochenzeitung, auf dem aufgebaut werden konnte. Dazu kommt noch: Das neue Geschäftsmodell ermöglicht es, sehr frei zu denken. Es ersetzt keine bisherigen Umsätze und die Orientierung am Print-Produkt entfällt: Das E-Book ist die erste Verwertungsstufe – eine Printausgabe gibt es vorher nicht. Der Weg ist hier, wenn überhaupt, ein umgekehrter: Erst das E-Book, dann die Printausgabe, was an einem Titel bereits getestet wurde. Hier wurde aus der finalen EPUB-Datei mit einem eigenen Stylesheet ein Druck-PDF erstellt, in dem dann noch die Umbruchkorrektur erfolgen musste. Somit steht das E-Book ganz im Fokus des Programms und der Produktion, Vertrieb und Marketing können ganz darauf ausgerichtet werden.

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2 Kommentare on “Sessionbericht: DIE ZEIT macht E-Books (Cigdem Aker)”

  1. […] 4. Cigdem Aker Eine Wochenzeitung macht E-Books Cigdem Aker (DIE ZEIT) verriet, welche Erfahrungen der Zeitverlag mit seinem E-Book-Programm macht. Mehr Infos zu Cigdem Aker > Zum Sessionbericht von Nele Süß > […]

  2. […] UPDATE: Hier gibt es einen Bericht zur Session Cigdem Aker beim eBookCamp 2013 > […]


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