Sessionbericht: Deathbook

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Deathbook – das multimediale und interaktive eBook bei Rowohlt

von Johanna Schaumann

In der Session „Deathbook – das multimediale und interaktive eBook bei Rowohlt“ waren neben Autor und Lektor überraschend 5 weitere Projektmitglieder (Projektleiter, Programmierer, Vertrieb) anwesend und gaben sehr schöne Einblicke in das Projekt.

Uwe Naumann und Andreas Winkelmann

Uwe Naumann vom Rowohlt Verlag (li.) und Deathbook-Autor Andreas Winkelmann stellen dem eBookCamp-Publikum ihre Session vor, © Ute Nöth

Deathbook ist ein Thriller mit innovativen, interaktiven, multimedialen Elementen. Es ist eine 10-wöchige Fortsetzungsgeschichte, die ab 24. September 2013 startete, und zuerst nur als Ebook konzipiert wurde. Im Anschluss wurde eine Printfassung erstellt. Neu war bei dieser Geschichte, dass die multimedialen und interaktiven Elemente nicht „angeflanscht“ wurden, sondern wichtiger Bestandteil der Geschichte sind.

Sehr schnell wurde klar, dass Deathbook ein „Projekt“ ist, das in den vorhandenen Rowohlt-Verlagsstrukturen integriert werden musste, und dass vor allem Theorie und praktische Umsetzung alsbald auseinanderklafften:

Grundsatzentscheidung war, auf allen Geräten und Plattformen präsent zu sein. Hier ist man sehr schnell an die technischen Grenzen gestoßen, da der ursprüngliche Plan EINE DATENQUELLE FÜR ALLE AUSGABEFORMEN nicht umsetzbar war. Am Ende mussten 3 Produkte parallel entwickelt und kontrolliert werden. Diese technischen Tests waren zeitintensiv und auch die unterschiedlichen Mentalitäten von Programmierer, Lektor, Autor … kamen zu Tage. Während ein Programmierer gerne eine Betaversion entwickelt und freigibt, möchte der Lektor ein abgeschlossenes Produkt abliefern. Auch musste berücksichtigt werden, dass nicht auf allen Geräten Interaktivität möglich ist.

Der Autor Andreas Winkelmann durfte zuerst seine Wünsche äußern ohne technischen Hintergrund, wurde dann aber von der Realität eingeholt. Sein Kommentar „Künstlerische Eitelkeiten durfte ich dabei nicht haben“ beschreibt es sehr gut. Er musste 10 Wochen lang in 2 Welten leben, da er auch gleichzeitig seine eigene Hauptfigur im Thriller war und aktiv mitgewirkt hat. Lebendig erzählte er von dem Dreh einer Filmepisode in einer Baracke, die in den Thriller eingebaut wurde. Er war als Autor auch besonders gefordert, den Thriller aktuell zu halten, vor allem bei den Sprungstellen in die sozialen Netzwerke.

Am Ende wurde auch noch ein Printbuch veröffentlicht, bei dem Stellen neu geschrieben werden mussten, um z. B. die interaktiven bzw. multimedialen Passagen einzubauen und zu beschreiben. Es wurde auch viel überlegt, ob es einen „Mehrwert“ für das Printbuch geben muss, letztendlich war es der Umfang. Schwierig war auch das Übertragen der Zeitleiste des Buches, da im Ebook des Öfteren Handlungen parallel stattfanden.

In der anschließenden Diskussion wurde die Frage gestellt, ob diese Art von Projekten mit den vorhandenen Verlagsstrukturen sinnvoll umgesetzt werden kann oder ob es besser ist, „Externe“ damit zu beauftragen. Herr Naumann zeigte dazu in einer eindrucksvollen Graphik „Deathbook-Elemente“ die Vielfalt der multimedialen, interaktiven Elemente und beschrieb den dahinterstehenden Aufwand. Wenn nötig, wurde die Expertise von Externen eingeholt, die Projektverantwortung blieb aber im Verlag. Von allen Beteiligten wurde nochmals das nötige Teamverständnis und die Gleichberechtigung aller Teammitglieder betont, ohne diese wäre die Umsetzung nicht möglich gewesen.

Deathbook ist vorerst ein abgeschlossenes Projekt, es wurden viele Erfahrungen bezüglich Teamarbeit (Innerhalb des Verlages und Zusammenarbeit mit Softwareentwickler) und Zeitmanagement gesammelt. Das Engagement aller Beteiligten war sehr hoch, es hat sich vor allem die technische Umsetzung als limitierender Faktor herausgestellt. Dies wurde zeitweise als sehr unbefriedigend eingestuft. Der Titel wird noch eine zeitlang lieferbar sein, es wird überlegt, wie man die interaktiven Elemente (Echtzeitereignisse) aktiv hält und inwieweit Softwareaktualisierungen nötig sind. Ob es Folgeprojekte geben wird, ist noch offen.

Danke für den Einblick in die Projektarbeit und kritische Reflexion, aus diesen Projekten kann man nur lernen!

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