Sessionbericht: Restful Webservices

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Michael Schneider: REST – Restful Webservices und die Zukunft des digitalen Publizierens

von Steffen Meier (http://meier-meint.de)

Auf dem diesjährigen ebookCamp in Hamburg gab es auch eine Session, die etwas aus dem Rahmen des Üblichen fiel und sich der Überschneidung zwischen Programmierung und Publishing widmete, nämlich dem Thema RESTful Services, Schnittstellen und APIs. Michael Schneider vom Börsenverein wusste mit seiner Ankündigung den Nerds (und nicht nur diesen) im Publikum den Mund wässrig zu machen, und es fand sich ein wackeres Trüpplein Neugieriger in seiner Session ein (das trotz Unkens übrigens doch nicht rein männlich besetzt war). Es wurde dann zwar nicht die versprochene „Philosophische Runde mit Rotwein ohne Programmiercode“ – der Rotwein fehlte zu so früher Stunde – aber doch zu einem Ausblick in eine digitale Welt, in der Inhalte nicht nur zu Content, sondern auch zu URIs werden …

Was sind eigentlich RESTful Services?

REST (Abkürzung für REpresentational State Transfer – nur für den Fall, dass der geneigte Leser mal wieder auf einer Party mit gefährlichem Halbwissen glänzen will) bedeutet zunächst einmal schlicht Folgendes: „REST ist eine Abstraktion der Struktur und des Verhaltens des World Wide Web. REST fordert, dass eine Web-Adresse (URI) genau einen Seiteninhalt repräsentiert, und dass ein Web-/REST-Server auf mehrfache Anfragen mit demselben URI auch mit demselben Webseiteninhalt antwortet.“ Soweit die gute alte Wikipedia. Eigentlich handelt es sich dabei also eher um einen Architektur-Stil des Webs, der bestimmte Regeln definiert und dadurch aber einfachen und standardisierten Zugriff auf eine durch eine URI (sozusagen der Schwipschwager der uns vertrauten URL) definierte Quelle zulässt. Übrigens auch im Einsatz bei uns vertrauten Netzwerken wie Facebook und Twitter. Was das alles mit dem Publizieren zu tun hat? Dazu kommen wir gleich, aber davor müssen wir noch einen kleinen Ausflug über die API-Ländereien vornehmen.

Application Programming Interfaces – der Griff in den Datentopf

APIs sind Schnittstellen. Und diese wiederum sind beileibe nichts Exotisches: „Eine Schnittstelle ermöglicht die Kommunikation und Interaktion zwischen zwei Systemen. Nahezu alles in unserer Welt besteht aus Schnittstellen: Stecker und Buchse dienen als Schnittstelle zur Übertragung von Strom, Tastatur und Finger bei der Benutzung eines Computers zur Übertragung von Gedanken in digitale Zeichen.“ (http://www.gruenderszene.de/allgemein/web-apis-ein-nicht-technischer-erklarungsversuch) Meist dienen APIs also dazu, nach einem vorgegebenen Standard resp. einer Architektur wie REST auf Daten zuzugreifen.

War doch gar nicht so schlimm – aber wie war das mit dem Publishing?

Soweit die „Technik“. Philosophisch wird es an dem Punkt, wenn man an die Stelle des Datentopfes etwa die uns vertrauten Buch- oder Zeitungsinhalte setzt. Natürlich kommt zunächst der typische Abwehrreflex im Sinne eines „Meine Inhalte gebe ich doch nicht einfach her“. Aber genau darauf basiert gezielt das Geschäftsmodell vieler Startups, die dann mit Services Geld verdienen (möchten). Und nicht nur Startups. Amazon, der Lord Voldemort der Buchbranche, macht nämlich exakt dies – ein Großteil der Produktdaten bis hin zu den Kundenmeinungen und -besprechungen sind im Rahmen einer offenen API abrufbar. Mit überschaubaren Informatik-Kenntnissen lässt sich daraus ein individueller Shop bauen. Und Amazon profitiert durch Reichweite und Umsatz gleich mit.

Stellt sich die Frage, ob es solche Ansätze auch bei Verlagshäusern gibt. Und das tut es tatsächlich. Das upload-Magazin hat eine verblüffend lange Liste an Verlags-APIs veröffentlicht, von BBC bis ZEIT, von Elsevier bis Springer Science.

Springer etwa hat dabei gleich mehrere Angebote, zum Beispiel Metadaten zu 5 Millionen Online-Dokumenten, eine Bilder-API mit 300.000 Bildern der Datenbank SpringerImages und eine Open Access API mit kompletten Zugriffsmöglichkeiten auf 80.000 Open Access-Artikel.

Während der Session wurde die OpenBook API von HarperCollins eingehender untersucht, die Zugriff auf Autoren- und Metadaten, aber auch komplette Buchinhalte ermöglicht. HarperCollins hatte in diesem Zusammenhang auch einen Wettbewerb unter Entwicklern ausgelobt („Vermutlich wussten sie selbst nicht so genau, was man mit der API machen kann“, meinte Michael Schneider in der Diskussion). Typisch amerikanisch vollmundig sagte damals Nick Perrett, einer der HC-CEOs, dazu: „I recently said at the Futurebook Innovation Workshop ‘books are software now’. This challenge directly connects our authors with entrepreneurial software developers to dream up something different.“ Für den Vergleich von Büchern mit Software bezog er stante pede Prügel durch große Teile der amerikanischen Verlagsbranche.

„Books are software!“

Klingt alles futuristisch? Geht ja gar nicht? Zumindest sind wir ehrlich gesagt in der Breite noch nicht weiter als in der von Leander Wattig beförderten Diskussion um offene APIs („Wir brauchen mehr API-Wettbewerbe und Hackathons in der Verlagsbranche“) vom 24. Oktober 2011, in der sich also schon vor drei Jahren auch der Sessionleiter Michael Schneider hervortat: „Hach, mein Lieblingsthema! Ich gehe fest davon aus, dass der API-Blickwinkel auch bei ‚Wer wird Visionär‘ eine große Rolle spielt. Abgesehen von dem ganzen Rauch, der während der Suche nach neuen Geschäftsmodellen so verblasen wird: hier geht es dann wirklich ans Eingemachte und es stehen einem doch ratzfatz Geschäftsmodelle und Newsbreaking-Dienste vor Augen, oder?“

Vielen der faszinierten Session-Teilnehmer stand jedenfalls trotz aller Hintergrund-Erleuchtung erstmal kein einfaches, globales Geschäftsmodell vor Augen, manch einer verließ aber deutlich grübelnd den Raum. Und wer weiß, vielleicht sitzt schon irgendwo irgendjemand vor seinem Notebook und schreibt statt an einem Sessionbericht an einem Programm, mithilfe dessen (und offener APIs wohlgemerkt) sich manche Verlage in eine digitale, strukturoffene Zukunft hinüberretten können.

eBookCamp 2014 Michael Schneider

Gebannte Zuhörer in Michael Schneiders Session, © Janina Hein


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