Sessionbericht: E-Books für Sehbehinderte

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Heinz Mehrlich: E-Books für Sehbehinderte

von Jördis B. Schulz

In dieser Session gab es einiges an politischen und rechtlichen Informationen und Angaben zu Institutionen, was zu viel gewesen wäre hier zu notieren. Dies kann man in der ggf. freigegebenen Präsentation nachlesen. Hier sei nur erwähnt, dass rechtlich für die Betroffenen die UN-Behindertenrechtskonventionen gelten und dass ein EU Accessibility Act in Planung ist.

Wichtig ist, dass es 1.5 Millionen Sehbehinderte gibt, deren Behinderungen bzw. Beeinträchtigungen derartig unterschiedlich sind, dass es schwierig ist, einen eindeutigen Lösungsansatz vorzugeben, da die Probleme des Lesens zu vielschichtig sind.

Interessant fand ich, dass E-Reader mit dem E-Ink-Display gar keine Rolle im Sehbehindertenbereich spielen. Die Kontraste und die Möglichkeiten sind zu gering. Wobei es eine Ausnahme gibt: den Pocketbook Touch Lux, der eine Vorlesefunktion beinhaltet, die bei einer normalen Alterssehbehinderung sehr hilfreich sein kann.

Heinz Mehrlich

Heinz Mehrlich zeigt bei seiner Sessionvorstellung, worum’s geht, © Ute Nöth

Dennoch sind die E-Reader eher eine Randbemerkung in der Session. Vielmehr geht es um die Funktionen von Apps und E-Books, die über Apps gelesen werden können. Es geht um Blickführung, Kontraste, Trennungsfehler und Blocksatz. Wer schon mal ein E-Book gelesen hat, dem sind auch falsche Trennungen aufgefallen oder ganze Absätze, die in Blocksatz sind und beim Vergrößern der Schrift zu unschönen Löchern im Text führen. Für einen „normal“ Sehenden ist es eine kleine Auffälligkeit, die ärgerlich ist aber nicht weiter stört. Für einen Menschen mit Sehbehinderungen können diese falschen Trennungen oder große Löcher im Text dazu führen, dass er dieses Buch nicht mehr lesen kann.

Was mir in dieser Session ganz stark bewusst wurde, ist, dass es gerade durchs E-Book eigentlich ein Medium gibt, welches ohne große, teure Hilfsmittel einen Beitrag dazu leisten sollte, dass Bücher grundsätzlich von jedem gelesen werden können; dass aber durch Kleinigkeiten die o. g. 1.5 Millionen Betroffenen doch davon ausgeschlossen werden.

Nicht immer kann der Hersteller dafür sorgen, dass ein E-Book für jeden zu lesen ist. Dafür müssten für alle Eventualitäten und auf allen vorhandenen Lesegeräten sehr aufwändige Tests gefahren werden, was einfach unrealistisch ist. Teilweise kann der Hersteller auch nicht beeinflussen, wie eine bestimmte Handhabung des Users mit dem jeweiligen Endgerät sich auf sein Produkt (das E-Book) auswirkt.

Dennoch gibt es Ansätze, die man verfolgen kann und die es sich lohnt zu verfolgen. Z. B. gibt es eine Leseapp für Lesebehinderte, die als Grundlage für eine gute Funktionsweise dienen kann. Kann dort ein E-Book gut gelesen werden, kann von Seiten des Verlages bei Anfragen darauf verwiesen werden. Diese App funktioniert aber nur für Bücher ohne DRM. DRM ist für Sehbehinderte somit diskriminierend. Während hingegen ein Wasserzeichen in der App funktioniert.

Weitere Probleme für Lesebehinderte sind z. B.:

  • Zu viele Schriften – wenn die Schriften in der Art wechseln und ein unruhiges Schriftbild entsteht, kann der Lesebehinderte die Informationen nicht mehr aufnehmen.
  • Farbumwandlungen – wenn bei dem Wechsel auf andere Farben z. B. die Kontraste nicht mehr stimmen. Denn die Größe der Schrift ist ggf. zweitrangig – auf den Kontrast kommt es an.
  • Falsche Umbrüche – führen dazu, dass der Lesefluss nicht funktioniert.
  • Große weiße Flächen – blenden den Sehbehinderten und er findet ggf. den nächsten Satz nicht mehr.

Lösungsansätze sind:

  • Skalierbare Schriften
  • Feine Abstufungen in den Schriften
  • Konzentration auf den Informationswert der Bücher als auf das Design
  • Gut lesbare Schriftarten
  • Besondere Eignung nach DIN 1450

Den Leitspruch von Heinz habe ich mir gemerkt: Sehbehinderte sind nicht blind – Sehbehinderte wollen sehen und lesen. Schließen wir 1.5 Millionen Leser nicht von unseren schönen Büchern aus!


3 Kommentare on “Sessionbericht: E-Books für Sehbehinderte”

  1. Franz sagt:

    Den Sessionbericht „eBooks“ für Sehbehinderte von Heinz Mehrlich finde ich ganz hervorragend. Er hat die Anforderungen sehr gut dargestellt.

  2. Hallo, liebes Veranstaltungsteam des eBookCamp’s! Der Beitrag von Jördis B. Schulz ist aus meiner Sicht außerordentlich gut gelungen und wie ich finde sehr informativ. > Hier ein Link zu meinem Vortrag über Zugänglichkeit von eBooks https://onedrive.live.com/redir?resid=50DB329CD54D71CA!13566&authkey=!AKReDcMO4NjinhY&ithint=file%2cpdf Wer sich sonst noch weiter für die Zugänglichkeit von Smartphones und Tablets für Sehbehinderte interessiert > : https://onedrive.live.com/redir?resid=50DB329CD54D71CA!6701&authkey=!AEI6DR9dMhfxUhI&ithint=file%2cpdf

    Ich bedanke mich noch einmal ganz herzlich für Ihre Einladung. Für Rückfragen stehe ich sehr gerne zur Verfügung (diese Mail-Adresse oder Tel. 0911 382767). Wenn gewünscht kann ich auch zum Dachverband der Sehbehinderten- und Blindenselbsthilfe in Deutschland, dem DBSV in Berlin, vermitteln. Ich werde mich für einen etwa zweiseitigen Forderungskatalog für e-Books für Sehbehinderte und wahrscheinlich separat für Blinde einsetzen. Falls Sie mir dafür die richtigen Ansprechpartner nennen könnten, wäre das für unser Anliegen sehr hilfreich. Mittelfristig wollen wir die Zugänglichkeit auch für Zeitungen und Zeitschriften erreichen. Aufgrund persönlicher Umstände hat sich dieses Mail etwas verzögert, ich bitte um Verständnis.

    Von meinem iPad gesendet – freundliche Grüße! Heinz Erhard Mehrlich

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