Sessionbericht: Digitalliteratur anders gedacht

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Tina Giesler: Digitalliteratur anders gedacht. Ein Experiment

Bericht von Nicole Boske

Dembelo – Ein literarisches Experiment

Tina Giesler beim eBookCamp 2015

Tina Giesler (c) eBookCamp

Als Digital-Herstellerin realisiert Tina Giesler E-Books. Ihr literarisches digitales Experiment nimmt den Ursprung in ihrer eigenen Vorstellung vom digitalen Leseverhalten sowie digitaler Literatur, die über das schlichte Konvertieren von Text hinausgeht. Ihre Idee beinhaltet eine Neuorganisation des Lesens und des Schreibens, womit nicht nur Vielleser angesprochen werden sollen, sondern auch jene, die eher wenig lesen. Zudem erleichtert Dembelo das Finden neuen Lesestoffs.

  1. Der Antishop

Dembelo funktioniert zukünftig über eine webbasierte, kostenfreie, literarische Plattform namens „waszulesen.de“. Finanziert wird diese u.a. durch Werbung. Auf der Website kann der User aus acht Themenfeldern (geordnet nach Genre, Fandoms und mehr) sein Interessengebiet wählen. Das Besondere dabei ist, dass ihm nach seiner Entscheidung nicht, wie in Online-Shops, zahlreiche Texte samt Cover, Titel oder Inhaltszusammenfassungen angeboten werden, sondern dass der User direkt zum „Loslesen“ gezwungen wird. Der User wird zum Leser, indem er sofort in einem Text landet.

  1. Lese-Zapping

Nach Giesler definiert sich das digitale Lesen über das Lesen von Kurztexten. Daher werden die auf Dembelo angebotenen Texte den Umfang „eines längeren Blogeintrags“ nicht überschreiten. Somit werden Leseerlebnisse von 5-10 Minuten geschaffen – perfekt für ein Lesen zwischendurch. Die Idee dahinter ist, dass die User sich für Dembelo anstatt wattsapp usw. entscheiden, wenn sie zum Beispiel auf den Bus warten. Belohnt werden sie mit dem Erfolgserlebnis, etwas gelesen zu haben. Um ein Lese-Zapping und damit ein Springen von Text zu Text zu ermöglichen, bedarf es einer kritischen Masse an Texten. Diese wird in der Betaphase des Experiments erreicht, indem nur ein Themenfeld der möglichen acht bedient wird (Steampunk).

  1. Vorfinanzierung

Auch die Rolle des Autors verändert sich insofern, dass er zum Textproduzenten auf Nachfrage wird. Am Ende eines jeden Kurztextes kann der User sich entscheiden, ob ihm dieser gefällt oder er in den nächsten Text springen möchte. Gefällt er ihm, kann er aus zwei Optionen wählen, wie der Text fortgeführt werden soll und entscheidet sich damit. den Autor und seinen Text zu finanzieren. Hier wird das Crowdfunding-Prinzip des Vorfinanzierens über Spenden aufgegriffen. Um die Hemmschwelle für den User so gering wie möglich zu halten, liegt der Finanzierungsbetrag bei einem festen Cent-Betrag. Ein Gelingen der Vorfinanzierung setzt jedoch auch eine große Fanbase und Nutzergruppe von Dembelo voraus.

  1. Details

Dembelo ist eine Open-Source-Software zur Textproduktion. Es handelt sich um vernetztes Lesen mit Open Content, somit können die eingestellten Texte frei verlinkt werden. Giesler wies deutlich darauf hin, dass der User eben nicht für den Text zahlt, den er liest, sondern für die eingebaute Entscheidungsmöglichkeit am Ende eines jeden Kurztextes. Eine Fanbase für das Projekt wird über waszulesen.de und mithilfe von „Hype“-Marketing kreiert (ein Hype um diese neue Art zu lesen wie auch um einzelne Texte soll ausgelöst werden – dabei spielt der User als Mitentscheider eine wichtige Rolle). Die Betaphase beginnt mit 60-70 Texten am 14. Dezember 2015.

  1. Mach mit bei Dembelo!

Tina Giesler möchte mit Dembelo ihre Vorstellung von Literatur umsetzen und versteht ihr Projekt als „Experiment“ und nicht als wirtschaftliches Unternehmen. In diesem Sinne freut sie sich über Kritik und Ideen, die im Forum www.dembelo.de eingebracht werden können, sowie über Techniker, die sich im Open-Source-Bereich auskennen und Lust darauf haben, sich an Dembelo zu beteiligen.



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