Sessionbericht: „PROJEKT MARILLE“ – Tracking in eBooks, ein Werkstattbericht

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Kornelia Holzhausen, Susanne H. Schmitz: „PROJEKT MARILLE“ – Tracking in eBooks, ein Werkstattbericht

Bericht von Vedat Demirdöven

Kornelia und Susanne H. Schmitz

Kornelia Holzhausen (rechts) und Susanne H. Schmitz

Susanne Schmitz und Kornelia Holzhausen vom Piper Verlag präsentieren ihren „Werkstattbericht“ gleich in ihre ersten Session, im vollbesetzten Edel-Raum des Beta-Haus, das Gastgeber des 5. Jubiläums-Camp war.

Amazon, Apple, Google und Co. sammeln immense Datenmengen über Kunden, über deren Verhalten deren ihre Freunde, Vorlieben. Sie basteln daraus ihre Analysen, ziehen Rückschlüsse, schaffen neue Trends und betreiben gezielt Marketing. Verlage hingegen müssen sich auf ihr Bauchgefühl verlassen. Das läuft seit vielen Jahren sehr gut., aber dennoch fühlt es sich zuweilen ein wenig so an, als würde man sich mit einer kleinen LED-Taschenlampe durch den stockdunklen Wald bewegen. Wahrsager müsste man sein!

Piper versucht mit seinem aktuellem Trackingprojekt Marille, Licht ins Dunkle zu bringen, und bedient sich dabei der Technologie der englischen Firma Jellybooks, die den Verlagen selbst das Tracking von Leseverhalten ermöglicht, bereits Anfang 2015 wurde mit Random House UK ein erster Pilot durchgeführt und nun, seit dem 12.10.2015, also seit nicht mal 4 Wochen ist Piper mit den ersten eigenen Titeln am Start.

Wie es funktioniert und welche Einschränkungen das Projekt mit sich bringt zeigt die folgende Grafik

Jellybooks
Jellybooks
  • Zunächst müssen die Geräte ePub 3-fährig sein
  • Ein eingebettete Javascript-Software trackt (offline) das Leseverhalten und
  • Durch Anklicken eines Buttons am Ende eines jeden Kapitels durch den Leser, werden die Daten mit Jellybooks synchronisiert.

Der Jellybook-Pilot wurde bei Piper so aufgesetzt, dass es dem Vorab- oder Leseexemplar ähnlich ist und führt zunächst eine quantitative Auswertung durch und in einem zweiten Schritt erfolgt die qualitative Auswertung über einen Fragebogen.

Aber zunächst musste man in Arbeitsgruppen erst einmal Fragen erarbeiten, auf die der Verlkag Antworten aus dem Tracking gewinnen möchte.

Möglich Fragen die ein solches Leser-Tracking beantworten kann sind zum Beispiel:

  • Bleibt ein Titel Spitzentitel und bekommt maximales Marketing (Pre-screening)? Oder überzeugt ein anderer mehr?
  • Können wir durch das Sammeln von weiteren demographischen Daten unser Marketing etc. optimieren?
  • Gibt es Rückschlüsse für Autoren in Sachen Inhalt? Ist dies hilfreich? Oder führt das zum programmierten Bestseller?
  • Spricht das Cover meine Zielgruppe an?
  • Hat der Inhalt überzeugt? Der erste Teil wurde gut verkauft, aber haben die Leute wirklich gelesen? Hat der Autor eine loyale Leserschaft?
  • Können Leserdaten ein KPI (key performance indicator) sein, wenn Lizenzen gekauft oder verkauft werden?
  • Möchte man Endkundenadressen oder Buchhändlermeinungen erfassen?
  • etc

Was kann gemessen werden?

  • Qualitativ: Beim einzelnen Leser z.B. „Wann hört er auf zu lesen?“ oder „Wann fängt er an zu überblättern?“
  • Quantitativ: Leser gesamt, z.B. Geschlecht, Alter, wie viele Leser lesen zu Ende (prozentual gut/schlecht)?
  • Gibt es inhaltliche Hürden, die zum Abbruch führen? …
  • Das Pre-screening kann als Entscheidungshilfe für „Einschätzungen“ dienen (fürs Lektorat, Marketing, Lizenzabteilung…)

Das kleine FAQ des PIPER – Marille-Tracking Projekts:

  • Also absolut spannend, mit Tracking – bekommen Autoren Feedback, bspw wo der Leser abbricht
  • Mit dem Tracking durch Jellybooks kann Piper auch neue Autoren testen. In der Testphase laufen allerdings zunächst Titel bereitsetablierter Autoren
  • InBook-Marketing – Tracking kann auch Conversion im Buch messen, also ob der leser zu empfohlen Bücher konvertiert

Es ist kein Projekt von „Spinnern“, ein überzeugender Werkstattbericht, der von den Anwesenden sofort mit dem Wunsch hinterlegt wurde, dass Susanne Schmitz und Kornelia Holzhausen beim nächsten eBookCamp von den Ergebnissen berichten möchten und es wurden spontan vom den Teilnehmern weitere Beispiel eingebracht für andere denkbare Anwendungsfälle, die sich durch die technischen Möglichkeiten von Jellybooks ergeben und Verlagen zukünftig Antworten liefern können.

Es ist ein Projektprojekt, – es geht in die richtige Richtung – weg von der „Datenhoheit & -Abhängig“ der Datenkrallen, hin zu Dinge-selbst-in-die-Hand-nehmen-und-verstehen …  

Der Sessionbericht ist zuerst auf Vedat Demirdövens Blog erschienen.

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Sessionbericht: „E-Book Quo Vadis“

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Steffen Meier (c) privat

Steffen Meier
(c) privat

Steffen Meier: E-Book Quo Vadis? Von eNovels bis Flatrate, von Hanser Box bis Serial Box

Bericht von Sessionpatin Johanna Schaumann

Steffen Meier blickte in seiner Session auf die Veränderungen, Neuerungen oder Entwicklungen auf dem Ebookmarkt in den letzten 3 Jahren.

 

 

 

Sein Hauptaugenmerk ist dabei auf

  • Produktformen
  • Vertriebsformen
  • Mediennutzung
  • Prozesse in den Verlagen

gerichtet. Er kündigt 5 „Special-Guests“ mit Videobotschaften an.

1. Produktformen

Treiber für digitale Produktformen sind vor allem Hardware, Vertriebsplattformen, Markt/Kunde, Inhalte-Technologien (Enhancement), Responsive Content und Nutzergewohnheiten. 2012 sahen Ebooks in der Regel wie Printbücher aus, 2015 gibt es neuere, interessante und zielgruppengerechte Konzepte: z.B. Instagram Romane, Kurzgeschichten auf der Kleinanzeigenplattform Craigslist oder Kurzgeschichten auf Bons aus Automatendruckern etc.

ABER: Keines dieser neuen Konzepte hat die Reife für den Massenmarkt erreicht!

Weiterentwickelt wurden Konzepte im Bereich Social Reading und Socialwriting z.B. Wattpad oder „YourFry“ des Autors Stephen Fry und Penguin Books. Die Reichweite für die Produkte kann dabei entweder durch die Plattform oder Autor erreicht werden.

Die Hardware bestimmt immer mehr den Inhalt, z.B. „Books in Browsers“. Hier werden vor allem Webtechnologien genutzt und das W3C hat dieses Thema wieder aufgegriffen und stellt Standards auf. Als aktuelles Beispiel ist der Gewinner des Ebook-Awards 2015 Florian Schatzky vom Institut für digitales Lernen zu nennen.

Experimentiert wird im Kinderbuchbereich inzwischen umfangreicher mit Brückentechnologien wie Lesestift oder App, z. B. Leyo.

2. Vertriebsformen

Die Anzahl der Vertriebskanäle ist angestiegen und sie beeinflussen den Inhalt. Es gibt die klassischen Vertriebskanäle für den Verkauf der klassischen Ebooks. Epub3 hat zu wenig Vertriebskanäle um erfolgreich zu sein. 

Flatratemodelle wurden entwickelt, haben es aber noch schwer auf dem Markt.

Frisch auf dem Ebook-Markt ist „oolipo“ von Bastei Lübbe. Hier spricht man gerne von „Netflixierung von Content“ bzw. digitales Storytelling. Es ist eine klare, bewusste Abgrenzung zu dem klassischen Ebook.

Insgesamt hat der Kampf um die Aufmerksamkeit zugenommen.

Die Vielfalt der digitalen Touchpoints nimmt zu, von real existierenden Lösungen wie Wlan-Lösungen (Hanserboxspot) bis hin zu experimenten Lese- Kontaktlinsen.

3. Mediennutzung

Die Mediennutzung verändert sich ständig. Das „Lesen“ verändert sich, es ist nicht mehr in Beziehung zu Buch oder Verlagscontent, sondern es wird in der heutigen Zeit sehr viel auf unterschiedlichen Medien gelesen, auch Content, der nicht von Verlagen erstellt wird.

Stichworte sind hier „generation lesen“ versus „generation youtube“ oder „generation kodex“ versus „generation update“.

4. Prozesse in den Verlagen

Es gibt kaum Veränderungen, es werden definierte Produkte angeboten. Ein Wandel der Kette früher „Verlag – Content – Kunde“ zu „Verlag – Kunde – Content“. Die Veränderung ist systemimmanent, jedes Trägermedium ist ein Übergangsmedium.

Fazit

Nach dem Vortrag – der zum Nachdenken/Diskussion angeregt hat – gab es – zeitbedingt – eine kurze Diskussion zum Thema Produktentwicklung. Die Inhalte der Verlage haben sich kaum verändert, für neue Produktformen gibt es noch sehr viele technische Barrieren. Einigkeit besteht, dass die Bezahlprozesse einfacher und kundenfreundlicher werden müssen, das dürfte der nächste große Bigpoint für die Entwicklung sein.

In den Verlagen überwiegt der Wirtschaftlichkeitsgedanke und blockiert neue Produktformen, denn:

DIE ALTEN PRODUKTFORMEN FUNKTIONIEREN NOCH SEHR GUT- DIE NEUEN NOCH NICHT RICHTIG! => Warum dann eine Veränderung?

Videostatements

In den Vortrag eingestreut wurden Videostatements, die teilweise aus Zeitgründen gekürzt wurden oder ganz entfielen. Deswegen hier noch einmal in der Übersicht:

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Florian Sochatzy 

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Johannes Conrady COO 

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Nikola Richter Mikrotext

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Felix Sasaki 

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Dominik Ziller, Verlagshaus Berlin

 

 


Die Sessions 2015 – Karl von Wendt mit der Frage: Gedruckt? Digital? Warum nicht beides?

Welche Themen erwarten euch dieses Jahr beim eBookCamp? Sessions und Sessionleiter stellen wir sukzessive hier im Blog vor.

Gedruckt? Digital? Warum nicht beides?

Leser müssen sich heute entscheiden, ob sie ein Buch gedruckt oder digital kaufen. Warum eigentlich? Karl von Wendt möchte gern diskutieren, wie man gedrucktes Buch und E-Book besser miteinander verknüpfen kann. Denn die Marktforschung zeigt, dass viele Leser am liebsten beides wollen. Und auch aus Sicht von Verlagen und Buchhändlern bietet die Kombination große Vorteile. Ansätze dafür gibt es genug: Von „Augmented Reading“ über „E-Book Inside“  und den Ansatz des kanadischen Start-ups Bitlit bis zu „Papego“, einer neuen App, die Karl von Wendt zurzeit in einem eigenen Start-up entwickelt und die bis zum eBookCamp in einer Betaversion vorliegen wird. In der Session wird er einige Fakten zur Rechtslage, zum Markt und den Kundenwünschen präsentieren und die neuste Version der Papego-App vorführen. Doch dies wird keine reine Präsentations-Session: Welche Chancen und Risiken in diesem Ansatz der Verknüpfung zweier gegensätzlicher Welten liegen, möchte Karl von Wendt gern ergebnisoffen mit den Teilnehmern diskutieren und dabei möglichst viele unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen.

Dr. Karl-Ludwig von Wendt

Dr. Karl-Ludwig von Wendt © privat

Dr. Karl-Ludwig von Wendt ist mehrfacher Unternehmensgründer und beschäftigt sich als Unternehmer, Berater, Trainer und Vortragsredner mit dem digitalen Umbruch im Handel und in den Medien. Unter dem Pseudonym „Karl Olsberg“ hat er zudem über 20 Thriller und Jugendbücher veröffentlicht, darunter mehrere Bestseller. Dabei veröffentlicht er als „Hybridautor“ sowohl in renommierten Verlagen als auch im Selfpublishing. Seit Frühjahr 2015 entwickelt von Wendt mit einem kleinen Team die Papego-App, die es ermöglicht, gedruckte Bücher durch einfaches Scannen der zuletzt gelesenen Seite auf Smartphones und Tablets mobil weiterzulesen.


Die Sessions 2014 – Sebastian Posth mit 360°-Online-Marketing

Welche Themen erwarten euch dieses Jahr beim eBookCamp? Sessions und Sessionleiter stellen wir sukzessive hier im Blog vor.

Kleine Theorie des 360°-Online-Marketings

Seit einigen Monaten stellt ‚Publishing Data Networks‘ mit ihrem Tool ‚Monitor‘ zahlreichen Verlagen ein Werkzeug zur Optimierung ihrer Online-Marketing-Aktivitäten für digitale Inhalte zur Verfügung. Via ‚Monitor‘ können Verlage und AutorInnen Verkaufs- und Social-Media-Daten aus unterschiedlichen Quellen in einer integrierten Oberfläche einsehen und analysieren. Die gezielte Analyse von Daten soll Verlage und AutorInnen dabei unterstützen, die Vermarktung und Distribution von Ebooks punktgenau steuern.

Ziel der Session auf dem Ebook-Camp ist es nicht, ‚Monitor‘ im Detail vorzustellen. Vielmehr geht es darum, die Erkenntnisse aus den letzten Monaten intensiver Beschäftigung mit den Daten des deutschen Ebook-Marktes in systematisierter Form als „Kleine Theorie des 360°-Online-Marketings“ zu präsentieren. Marketing-Maßnahmen und Kampagnen sollen schematisch analysiert und Schlussfolgerungen gezogen und diskutiert werden für eine mögliche Grundlage einer systematischen und datenbasierten Praxis der Vermarktung (digitaler) Inhalte online.  Um regen Austausch wird gebeten.

Zum Sessionbericht von Daniel Bräuer

Sebastian Posth (c) Sebastian Posth, Patricia Nauta

Sebastian Posth, seit 2004 Verleger, Berater und Unternehmer in der Verlagsbranche mit dem Fokus auf Ebook-Herstellung und digitalem Vertrieb, Handelsmarketing und Sales-Monitoring. – Gründer der ersten digitalen Verlagsauslieferung und Unternehmung für die Konvertierung von E-Books, zwischen 2009 und 2011 verantwortlich für die Digitale Verlagsauslieferung bei der VVA (Bertelsmann), Berater für deutsche und europäische Verlage, Zwischenhändler, Shops und Buchhandlungen, CEO von Publishing Data Networks. Auf Twitter: @posth