Sessionbericht: „E-Book Quo Vadis“

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

Steffen Meier (c) privat

Steffen Meier
(c) privat

Steffen Meier: E-Book Quo Vadis? Von eNovels bis Flatrate, von Hanser Box bis Serial Box

Bericht von Sessionpatin Johanna Schaumann

Steffen Meier blickte in seiner Session auf die Veränderungen, Neuerungen oder Entwicklungen auf dem Ebookmarkt in den letzten 3 Jahren.

 

 

 

Sein Hauptaugenmerk ist dabei auf

  • Produktformen
  • Vertriebsformen
  • Mediennutzung
  • Prozesse in den Verlagen

gerichtet. Er kündigt 5 „Special-Guests“ mit Videobotschaften an.

1. Produktformen

Treiber für digitale Produktformen sind vor allem Hardware, Vertriebsplattformen, Markt/Kunde, Inhalte-Technologien (Enhancement), Responsive Content und Nutzergewohnheiten. 2012 sahen Ebooks in der Regel wie Printbücher aus, 2015 gibt es neuere, interessante und zielgruppengerechte Konzepte: z.B. Instagram Romane, Kurzgeschichten auf der Kleinanzeigenplattform Craigslist oder Kurzgeschichten auf Bons aus Automatendruckern etc.

ABER: Keines dieser neuen Konzepte hat die Reife für den Massenmarkt erreicht!

Weiterentwickelt wurden Konzepte im Bereich Social Reading und Socialwriting z.B. Wattpad oder „YourFry“ des Autors Stephen Fry und Penguin Books. Die Reichweite für die Produkte kann dabei entweder durch die Plattform oder Autor erreicht werden.

Die Hardware bestimmt immer mehr den Inhalt, z.B. „Books in Browsers“. Hier werden vor allem Webtechnologien genutzt und das W3C hat dieses Thema wieder aufgegriffen und stellt Standards auf. Als aktuelles Beispiel ist der Gewinner des Ebook-Awards 2015 Florian Schatzky vom Institut für digitales Lernen zu nennen.

Experimentiert wird im Kinderbuchbereich inzwischen umfangreicher mit Brückentechnologien wie Lesestift oder App, z. B. Leyo.

2. Vertriebsformen

Die Anzahl der Vertriebskanäle ist angestiegen und sie beeinflussen den Inhalt. Es gibt die klassischen Vertriebskanäle für den Verkauf der klassischen Ebooks. Epub3 hat zu wenig Vertriebskanäle um erfolgreich zu sein. 

Flatratemodelle wurden entwickelt, haben es aber noch schwer auf dem Markt.

Frisch auf dem Ebook-Markt ist „oolipo“ von Bastei Lübbe. Hier spricht man gerne von „Netflixierung von Content“ bzw. digitales Storytelling. Es ist eine klare, bewusste Abgrenzung zu dem klassischen Ebook.

Insgesamt hat der Kampf um die Aufmerksamkeit zugenommen.

Die Vielfalt der digitalen Touchpoints nimmt zu, von real existierenden Lösungen wie Wlan-Lösungen (Hanserboxspot) bis hin zu experimenten Lese- Kontaktlinsen.

3. Mediennutzung

Die Mediennutzung verändert sich ständig. Das „Lesen“ verändert sich, es ist nicht mehr in Beziehung zu Buch oder Verlagscontent, sondern es wird in der heutigen Zeit sehr viel auf unterschiedlichen Medien gelesen, auch Content, der nicht von Verlagen erstellt wird.

Stichworte sind hier „generation lesen“ versus „generation youtube“ oder „generation kodex“ versus „generation update“.

4. Prozesse in den Verlagen

Es gibt kaum Veränderungen, es werden definierte Produkte angeboten. Ein Wandel der Kette früher „Verlag – Content – Kunde“ zu „Verlag – Kunde – Content“. Die Veränderung ist systemimmanent, jedes Trägermedium ist ein Übergangsmedium.

Fazit

Nach dem Vortrag – der zum Nachdenken/Diskussion angeregt hat – gab es – zeitbedingt – eine kurze Diskussion zum Thema Produktentwicklung. Die Inhalte der Verlage haben sich kaum verändert, für neue Produktformen gibt es noch sehr viele technische Barrieren. Einigkeit besteht, dass die Bezahlprozesse einfacher und kundenfreundlicher werden müssen, das dürfte der nächste große Bigpoint für die Entwicklung sein.

In den Verlagen überwiegt der Wirtschaftlichkeitsgedanke und blockiert neue Produktformen, denn:

DIE ALTEN PRODUKTFORMEN FUNKTIONIEREN NOCH SEHR GUT- DIE NEUEN NOCH NICHT RICHTIG! => Warum dann eine Veränderung?

Videostatements

In den Vortrag eingestreut wurden Videostatements, die teilweise aus Zeitgründen gekürzt wurden oder ganz entfielen. Deswegen hier noch einmal in der Übersicht:

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Florian Sochatzy 

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Johannes Conrady COO 

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Nikola Richter Mikrotext

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Felix Sasaki 

E-Book Quo Vadis? #ebookcamp 2015 Hamburg Videostatement: Dominik Ziller, Verlagshaus Berlin

 

 

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Sessionbericht: Ein Traum von einem Buch

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Luise Schitteck und Johanna Schaumann: Ein Traum von einem Buch

von Edda Klepp (dasseitenfresserchen.blogspot.de)

Luise Schitteck und Johanna Schaumann in ihrer Session "Ein Traum von einem Buch"

Luise Schitteck (li.) und Johanna Schaumann in ihrer Session „Ein Traum von einem Buch“, © Felix Wolf

Vieles ist inzwischen mit E-Readern möglich. Doch je ausgefeilter die Technik, desto mehr potenzieren sich auch die Fehlerquellen. Kein Wunder, dass die Kundschaft da oft nicht allein weiter weiß und sich mit Fragen an die Bücher-Fachwelt wendet. In ihrer Session „Ein Traum von einem Buch“ auf dem eBookCamp Hamburg 2014 berichteten Luise Schitteck von readbox und Johanna Schaumann vom Carl Hanser Verlag von ihren persönlichen Erfahrungen mit Kundenanfragen. Und ein wenig Katzen-Content gab es kostenfrei gleich noch dazu.

Der Draht zur Ebook-Kundschaft

Mit mehreren Katzen teilt sich Luise Schitteck ihre vier Wände daheim. „Wie ich aussehe, das wisst ihr ja jetzt, deswegen habe ich ein Bild von einer Katze genommen“, eröffnete sie launig die Session mit Blick auf die Projektion ihrer biografischen Daten nebst Konterfei des Stubentigers an der Wand. Die Lebensläufe der beiden Leiterinnen waren denn auch schnell umrissen. Sie, Luise, arbeitete lange Jahre als Buchhändlerin und hatte daher ständig den direkten Draht zur Ebook-Kundschaft, die andere, Johanna, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Ebook in ihrem Verlag und hat deswegen oft Fragende in der Telefonleitung. Ihr Vorgehen: „Wir als Verlag verweisen grundsätzlich auf den Support der Verkaufsplattform.“

Denn meist sind es ohnehin die technischen Fragen, die der Kundschaft Kopfzerbrechen bereiten, am Telefon lässt es sich da nur schwer helfen, vor allem in Hinblick auf die Vielfalt der inzwischen gängigen Systeme. „Wie kriege ich das Ebook auf den Reader? Warum kann ich eine PDF nicht lesen? Wie komme ich an meine Kennung heran, die ich bei der Registrierung abgeben musste?“ – All das sind Fragen, die Luise im täglichen Kundengespräch immer wieder begegneten. Fragen also in der Hauptsache nach den Themen Kopierschutz und Synchronisation.

Bequeme Lesealternative

Nicht selten ging für die Lösung des Problems da auch schon mal die eigene Freizeit flöten. „Ich habe mir das dann alles nach der Arbeit angelesen“, berichtete Luise. Für die Hilfesuchenden hat sie viel Verständnis. Man könne nicht erwarten, dass sich diese mit allem allein auseinandersetzten. In der Hauptsache waren ihre Kunden weiblich, 40+ und wünschten sich eine bequeme Lesealternative zum unhandlichen und schweren Buch für den Urlaub oder auch die Badewanne. Technische Kenntnisse brachten die wenigsten mit.

Johanna machte da im Verlag schon andere Erfahrungen. „Bei mir sind es zu 90 Prozent technisch affine Männer mit detaillierten und gezielten Fragen“, sagte sie. Aber auch die Rechtschreibung oder die Darstellung im Ebook scheint die Menschen zu bewegen. „Warum ist das Bild im Ebook einen Absatz weiter unten als im Printbuch?“, gab Johanna eine der Fragen wieder und ergänzte sogleich: „Wie geht man denn damit um?!“

Arbeitsaufwand in keinem Verhältnis

Ob im Verlag oder in der Buchhandlung – der Arbeitsaufwand bei der Behandlung der technischen Wehwehchen steht oft zum Nutzen für den Verkäufer oder Produzenten in keinem guten Verhältnis. Dies wurde auch im anschließenden Gespräch in der Sessiongruppe deutlich, bei der andere ebenfalls ihre Erfahrungen mit Kundenanfragen zum Besten gaben. Vor allem dann nicht, wenn sich die Fachkraft ständig in neue Felder einarbeiten muss.

Auf die Frage, ob sich denn durch die Wlan-Fähigkeit der neuesten Generation viel verändert habe, reagierte Johanna prompt. Und mit Humor: „Ja, dadurch kommt jetzt diese Problematik auch noch dazu…“

Häufig benannte Themen

Vor allem die folgenden Wünsche sind aus Sicht der Kunden häufig im Fokus:

  • Das einfache Downloaden (gegebenenfalls vor Ort in der Buchhandlung) von einzelnen oder auch mehreren Titeln;
  • gute Lesbarkeit der Ebooks;
  • der Austausch älterer Ebook-Versionen, sobald sich das Gerät erneuert hat;
  • aufeinander abgestimmte Formate, damit kein Datenkuddelmuddel und kompliziertes Kopierschutzdesaster entsteht sowie
  • eine möglichst schnelle Verfügbarkeit nach Veröffentlichung der Printausgabe, denn für niemanden ist es verständlich, warum auf manches Ebook lange gewartet werden muss, obwohl der Text bereits lektoriert vorliegt.

Einig waren sich am Ende der Session alle in diesem Punkt: In der Zukunft wird es zunehmend nötig sein, Personal für den Support bei der Ebook-Problematik fix einzuplanen. Inwiefern dies umsetzbar ist, ist eine ganz andere Frage. Aber selbst wenn, auch dann wird es immer wieder schwierige Felder geben, denn mit allem, beispielsweise auch sämtlichen aktuellen Apps oder Updates, kennt sich schließlich keiner aus.


Sessionbericht: E-Book-Marketing (Johanna Schaumann)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Marketingaktionen für E-Books: Learning by Doing, Trial and Error – oder doch gezielt planbar?

Sessionleiterin: Johanna Schaumann

Text: Florian Andrews

Nach einer grundsätzlichen Arbeitsplatz- und Situationsbeschreibung führte Johanna in den Marketingprozess des Carl Hanser Verlages ein. Bei Hanser gibt es eine sehr klare Firmenphilosophie und nach der ist das Handeln des Verlages auf das stationäre Sortiment ausgerichtet.

Gleichwohl ist das E-Book-Marketing bei Hanser kein statischer Prozess und auch keine Eins-zu-eins-Übernahme des Handelsmarketings. Auf dem noch nicht so gefestigten E-Book-Markt probiert Hanser einiges aus und agiert auch manchmal nach der Trial-and-Error-Methode. Aber in einem Punkt gibt es eine klare Haltung im Haus: Sowohl beim E-Book als auch im Printbereich gibt es keinen direkten Handel mit Endkunden. Der gesamte Vertrieb ist indirekt organisiert.

Das Printprodukt mit seinem Cover und seiner je eigenen Qualität ist also der Ausgangspunkt für die Arbeit mit den E-Books, von diesem Punkt leitet Johanna Vertrieb, Preis und Marketing für das E-Book ab. Ihr Fokus liegt im Marketing auf der Auffindbarkeit der Titel im Netz. Online-, Handels- und Social-Media-Marketing sind ihre Werkzeuge. Daher ist sie immer auf der Suche nach neuen Partnern, nach neuen Produktformen und nach Möglichkeiten, den Workflow so zu gestalten, dass er eine möglichst hohe Flexibilität und Aktualität ermöglicht.

Johanna Schaumann: E-Book-Marketing, Session beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

Im Onlinemarketing sucht Johanna Antworten auf drei Fragen:

  • Wie kommt der Kunde auf die Seite?
  • Wie kommt der Kunde zum Kauf?
  • Wie wird der Kunde dann betreut?

Saubere Metadaten sind dabei eine Voraussetzung, aber auch ein souveräner Umgang mit den vom Wiederverkäufer vorgegebenen Produktkategorien sowie mit der Entwicklung von phantasievollen Zusatzmaterialien. Leitgedanke ist immer die Kommunikation, bzw. die Verwendbarkeit des Inhaltes in den Kommunikationskanälen.

Auch im Handelsmarketing sind es drei Fragen, die beantwortet werden müssen:

  • Wie werden die Titel im Shop platziert?
  • Welche Möglichkeiten für redaktionelle Unterstützung gibt es?
  • Welche Aktionen sind mit den Handelspartnern möglich?

Aufgrund der Endlichkeit des Marketingbudgets, ist der persönliche Kontakt zu den Storemanagern zentral, außerdem ist die Teilhabe an Free-Books, Leseproben und Kooperationswerbung wichtig.

Auch im E-Mail- und Newsletter-Marketing gilt es, mit den Handelspartnern eng zusammenzuarbeiten. Denn die Leser sollen zwar zu den E-Books hingeführt werden, der Kauf soll aber eben auf den Seiten der Handelspartner stattfinden.

Eine Zielgruppe von Johannas Marketingaktionen sind daher auch die klassischen Sortimenter, mit denen sie unterschiedlichste Aktionen vereinbart.

Im Bereich Social Media ist Hanser sehr aktiv, bindet dabei die Autoren stark ein bzw. animiert sie, aktiv zu werden.

Zu den o. g. klassischen Marketinginstrumenten nimmt Johanna noch die neuen, sich aus dem Produkt ergebenden Möglichkeiten hinzu, wie z. B. Widgets, Leseproben extended etc., Free-Book- oder Preisaktionen.

Am Ende dieses Exkurses durch das Onlinemarketing des Hanser Verlages standen einige Fragen, die aber mangels Zeit nicht mehr diskutiert werden konnten:

  • Die „Warengruppen“ oder Kategorien in den E-Book-Shops entsprechen i. W. den Warengruppen eines stationären Händlers. Wo bleiben Kategorien wie z. B. „enhanced E-Books“ oder „E-Book first“?
  • Wie sieht es mit Bestsellerlisten beim E-Book aus?
  • E-Books als Leseexemplare?
  • E-Books zum Vormerken?
  • E-Books und die Backlist?

Die Session von Johanna zeichnete sich dadurch aus, dass sie sehr genau und detailliert den Umgang mit E-Books im Carls Hanser Verlag (Belletristik) nachzeichnete. Durch ihre Genauigkeit ergab sich ein sehr spannendes Bild vom E-Book-Marketing an sich. Denn Hanser ist ein Verlag, der eine klare, politische Entscheidung getroffen hat: erst Print und Buchhandel, dann E-Book und Download. Das heißt, das Handeln für und mit E-Books orientiert sich bei Hanser stets am Handeln für sein Gegenüber im Print.

Vergleicht man diese Position z. B. mit dem Auftreten und Argumenten aus den Sessions mit Fabian Kern oder den Berliner/Hamburger Start-ups, dann wird klar, wie groß und vielfältig das Markttreiben im digitalen Bereich ist. Damit ist nicht nur gemeint, dass man auf sehr unterschiedliche Art sein Glück finden kann, sondern dass „beharrende“ Positionen sehr klar handlungsleitend sind und damit auch zur Reduktion von Kontingenzen führen können.


Wer macht welche Session? Wir stellen vor: Johanna Schaumann

Marketingaktionen für E-Books: Learning by Doing, Trial and Error – oder doch gezielt planbar?

Die Herstellung und der Vertrieb von E-Books sind inzwischen in den Verlagen gut umgesetzt, fast Alltag. Aber das Marketing steht erst am Anfang. In ihrer Session möchte Johanna Schaumann die Möglichkeiten für das E-Book-Marketing darstellen. Dabei möchte sie vor allem auf die Themen Preisfindung, Preisaktionen und Freebooks eingehen, Beispiele für Marketingaktionen geben und in einer lebhaften Diskussion Erfahrungen austauschen.

Johanna Schaumann, Carl Hanser Verlag, Sessionleiterin beim eBookCamp 2013Nach dem Studium der Ökotrophologie an der TU München Weihenstephan war Johanna Schaumann als selbstständige Druck- und Medienberaterin tätig. Seit 1997 ist sie im Carl Hanser Verlag verantwortlich für die Produktion, die Auslieferung und das Marketing im Bereich Elektronische Publikationen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind u. a. die Einführung und Betreuung der E-Book-Workflows im Fachbuchverlag und in der Belletristik, das Projektmanagement App-Produktion sowie die Einführung von Metadatenmanagement und Onix im Gesamtverlag. Zudem arbeitet sie in der E-Book-Kommission des AKEP mit.