Sessionbericht: Disrupt eBookCamp

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp 2015 verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer Sessionpaten.

eBookCamp-Team: Disrupt eBookCamp

Sessionbericht von Luise Schitteck

Los ging es mit einer kurzen Vorstellungsrunde der über einem Dutzend Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die dabei auch direkt äußern konnten, was sie am eBookCamp schätzen und was sie vermissen.

Auf der Haben-Seite fanden sich

  • Offenheit
    … einerseits der Veranstaltung für alle Interessenten und Interessentinnen
    … der Anwesenden untereinander
  • Netzwerkarbeit (erweitern, vertiefen, festigen, …)
  • Augenhöhe ( keine hierarchischen Strukturen, offener Austausch, „Jeder darf mal“ (eine Session einreichen, (gefühlt dumme oder tiefgehende) Fragen fragen, Wünsche undoder Kritik äußern,  was sagen, nichts sagen)
  • breites Themen-Spektrum
  • erschwinglich auch für knappe Budgets

Auf der Soll-Seite

  • die Suppe wurde ohne Brot serviert und es war nicht allen klar, dass man die Bambus-Suppenteller hätte mitessen können (und dass es deswegen ganz und gar unbedenklich war, dass sie sich während des Essens ein wenig aufgelöst haben).

Nach einer kurzen Einführung, in der es auch darum ging, wie anstrengend die Vorbereitungen für das eBookCamp für die ehrenamtlichen Organisatoren sind, gab Ute einen kurzen Überblick darüber, was sich in der Orga derartiger Events (allgemein) verändert hat. Darüber, dass vieles leichter geworden ist durch neue Tools, die die Vorbereitung unterstützen, und dass durch die sinkenden Schwellen die Veranstaltungen stärker ausdifferenziert sind. Dazu kommen neue Hybrid-Formate wie Periscope-Parties.

Carsten arbeitete sich dann durch eine kurze Wettberwerbs-Analyse vor zu der Frage „Wo steht das eBookCamp?“ im Vergleich zu anderen Branchenevents.

Im Vergleich mit Buchmessen, der AKEP-Jahrestagung, Pub’n’Pub, orbanism und der future!publish, braucht es da das eBookCamp? Die Beantwortung der Frage wurde dann ans Plenum gegeben und ein wenig nach hinten verschoben.

Andrea stellte weitere Fragen in den Raum. Wie lang kann ein Format wie das eBookCamp unverändert bestehen? Muss es verändert werden, soll es verändert werden? Oder gilt es gar, das geflügelte Wort zu beachten, „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“?

Felix eröffnete an diesem Punkt die „offizielle“ Diskussion, indem er sich direkt an Matthias Voigt von der Agentur Literaturtest wandte, der Veranstalter der future!publish ist. Matthias sieht genügend Platz für das eBookCamp und die future!publish.
Nicht zuletzt habe die future!publish einen kommerziellen Hintergrund und wende sich eher an die Geschäftsführer-und Vertriebsebene. Es gebe Möglichkeiten zur Kooperation beider Events, wie es auch dieses Jahr schon praktiziert wurde: Unter den Sponsoren-Ticket-Käufern und-Käuferinnen des eBookCamp wurde ein Ticket für die future!publish verlost.
Zusätzlich sei das unter anderem vom BOEV Berlin-Brandenburg initiierte Event nicht ausschl. auf Digitales fokussiert, sondern widme sich auch analogen Themen, Verlagsprozessen, Agilität etc.

Michael Schneider ging dann auf die Unterschiede zu Branchenveranstaltungen wie der AKEP-Jahrestagung/den Buchtagen ein. Das eBookCamp decke eine Nische ab, weil es aus Eigeninitiative und ehrenamtlich veranstaltet werde. Diese Voraussetzung führte zu einem kollaborativen und partizipativen Charakter, der in der Verbandsarbeit manchmal schwerer falle.
Grundsätzlich könne man von Veranstaltungen wie dem eBookCamp, dessen Adaption in München ein Erfolg sei, einiges lernen.

Das Team des eBookCamp diskutiert, wie es mit dem Format weitergehen soll.

Das Team des eBookCamp diskutiert, wie es mit dem Format weitergehen soll.
(c) Kai Mühleck

Darauf stellte das eBook-Camp-Team die Frage, ob das eBookCamp größer, vielleicht auch kommerzieller werden muss.

Aus der Gruppe kamen dazu verschiedene Rückmeldungen, die aber alle den Tenor hatten, dass eine Vergrößerung nicht gewünscht ist:

  • Die Kommunikation ist bei einer kleineren Veranstaltung direkter, das gesamte Gefüge agiler
  • Eine Vergrößerung würde zu einer Art „eBook re:publica“ führen
  • Größer = anonymer
  • Statt „größer“ lieber noch kollaborativer, praktischer, „hands-on“

Vom Team kam Frage, ob es eine Möglichkeit sein könnte, Projekte mit Vorlauf zu starten und dann beim eBookCamp auszuwerten. Die Rückmeldung hierauf war eher verhalten, stattdessen kam die Gegenfrage, ob dem Team ganz konkret Unterstützung fehle.
Offensichtlich (und sehr nachvollziehbar) stellt es einen großen Kraftakt dar, das eBookCamp neben Job und Familie ehrenamtlich auszurichten. Hilfe in jedweder Form ist immer erwünscht und das Team freut sich über Angebote.
Die Diskussion war herrlich konstruktiv und erbrachte Folgendes:

  • Die hohe Attraktivität für „Einsteiger“ wird erhalten, indem das Themenspektrum breit gehalten wird
  • Teilnehmer und Teilnehmerinnen schätzen das hohe Niveau der Diskussionen und Begegnungen, das dank der großen Beteiligung „operativer Contentarbeiter“ (Wisst Ihr, was ich meine?) zustande kommt
  • Vielleicht kann man vor-oder nachgeschaltet ein „Toolcamp“ anbieten, indem Workshops zu bestimmten Themen stattfinden (Lieblingsbildbearbeitung zeigen, EPUB erstellen, o.ä.)
  • Einen der Slots in Zusammenarbeit mit einer Hochschule füllen, um Forschungsprojekte einzubringen und zeitgleich den Studierenden Input aus der Praxis zu geben
  • Die Erweiterung von 9 auf 12 Slots wurde von der Mehrheit positiv bewertet.
  • Es wurde mehrfach der Wunsch geäußert, wenigstens einen „klassischen“ Barcamp-Slot anzubieten, bei dem erst bei der Veranstaltung Sessions vorgestellt werden und Teilnehmer und Teilnehmerinnen abstimmen, welche Session stattfinden soll.
  • Die Themen des eBookCamp wachsen mit den Themen der Branche

Wir waren uns in jedem Fall alle einig, dass das eBookCamp sich nicht tot gelaufen hat und dass wir es behalten wollen. So!

Um dem Team unter die Arme zu greifen, ist jede Form der Hilfe willkommen, Vorschläge gern per eMail. Auch gern genommen sind Ideen, welche Themen gerade besonders spannend sind, womit man sich befassen könnte/sollte.
Da sind wir alle gefragt.

Der Sessionbericht ist zuerst auf Luises Blog e-luise.de erschienen.


Sessionbericht: Ein Traum von einem Buch

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Luise Schitteck und Johanna Schaumann: Ein Traum von einem Buch

von Edda Klepp (dasseitenfresserchen.blogspot.de)

Luise Schitteck und Johanna Schaumann in ihrer Session "Ein Traum von einem Buch"

Luise Schitteck (li.) und Johanna Schaumann in ihrer Session „Ein Traum von einem Buch“, © Felix Wolf

Vieles ist inzwischen mit E-Readern möglich. Doch je ausgefeilter die Technik, desto mehr potenzieren sich auch die Fehlerquellen. Kein Wunder, dass die Kundschaft da oft nicht allein weiter weiß und sich mit Fragen an die Bücher-Fachwelt wendet. In ihrer Session „Ein Traum von einem Buch“ auf dem eBookCamp Hamburg 2014 berichteten Luise Schitteck von readbox und Johanna Schaumann vom Carl Hanser Verlag von ihren persönlichen Erfahrungen mit Kundenanfragen. Und ein wenig Katzen-Content gab es kostenfrei gleich noch dazu.

Der Draht zur Ebook-Kundschaft

Mit mehreren Katzen teilt sich Luise Schitteck ihre vier Wände daheim. „Wie ich aussehe, das wisst ihr ja jetzt, deswegen habe ich ein Bild von einer Katze genommen“, eröffnete sie launig die Session mit Blick auf die Projektion ihrer biografischen Daten nebst Konterfei des Stubentigers an der Wand. Die Lebensläufe der beiden Leiterinnen waren denn auch schnell umrissen. Sie, Luise, arbeitete lange Jahre als Buchhändlerin und hatte daher ständig den direkten Draht zur Ebook-Kundschaft, die andere, Johanna, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Ebook in ihrem Verlag und hat deswegen oft Fragende in der Telefonleitung. Ihr Vorgehen: „Wir als Verlag verweisen grundsätzlich auf den Support der Verkaufsplattform.“

Denn meist sind es ohnehin die technischen Fragen, die der Kundschaft Kopfzerbrechen bereiten, am Telefon lässt es sich da nur schwer helfen, vor allem in Hinblick auf die Vielfalt der inzwischen gängigen Systeme. „Wie kriege ich das Ebook auf den Reader? Warum kann ich eine PDF nicht lesen? Wie komme ich an meine Kennung heran, die ich bei der Registrierung abgeben musste?“ – All das sind Fragen, die Luise im täglichen Kundengespräch immer wieder begegneten. Fragen also in der Hauptsache nach den Themen Kopierschutz und Synchronisation.

Bequeme Lesealternative

Nicht selten ging für die Lösung des Problems da auch schon mal die eigene Freizeit flöten. „Ich habe mir das dann alles nach der Arbeit angelesen“, berichtete Luise. Für die Hilfesuchenden hat sie viel Verständnis. Man könne nicht erwarten, dass sich diese mit allem allein auseinandersetzten. In der Hauptsache waren ihre Kunden weiblich, 40+ und wünschten sich eine bequeme Lesealternative zum unhandlichen und schweren Buch für den Urlaub oder auch die Badewanne. Technische Kenntnisse brachten die wenigsten mit.

Johanna machte da im Verlag schon andere Erfahrungen. „Bei mir sind es zu 90 Prozent technisch affine Männer mit detaillierten und gezielten Fragen“, sagte sie. Aber auch die Rechtschreibung oder die Darstellung im Ebook scheint die Menschen zu bewegen. „Warum ist das Bild im Ebook einen Absatz weiter unten als im Printbuch?“, gab Johanna eine der Fragen wieder und ergänzte sogleich: „Wie geht man denn damit um?!“

Arbeitsaufwand in keinem Verhältnis

Ob im Verlag oder in der Buchhandlung – der Arbeitsaufwand bei der Behandlung der technischen Wehwehchen steht oft zum Nutzen für den Verkäufer oder Produzenten in keinem guten Verhältnis. Dies wurde auch im anschließenden Gespräch in der Sessiongruppe deutlich, bei der andere ebenfalls ihre Erfahrungen mit Kundenanfragen zum Besten gaben. Vor allem dann nicht, wenn sich die Fachkraft ständig in neue Felder einarbeiten muss.

Auf die Frage, ob sich denn durch die Wlan-Fähigkeit der neuesten Generation viel verändert habe, reagierte Johanna prompt. Und mit Humor: „Ja, dadurch kommt jetzt diese Problematik auch noch dazu…“

Häufig benannte Themen

Vor allem die folgenden Wünsche sind aus Sicht der Kunden häufig im Fokus:

  • Das einfache Downloaden (gegebenenfalls vor Ort in der Buchhandlung) von einzelnen oder auch mehreren Titeln;
  • gute Lesbarkeit der Ebooks;
  • der Austausch älterer Ebook-Versionen, sobald sich das Gerät erneuert hat;
  • aufeinander abgestimmte Formate, damit kein Datenkuddelmuddel und kompliziertes Kopierschutzdesaster entsteht sowie
  • eine möglichst schnelle Verfügbarkeit nach Veröffentlichung der Printausgabe, denn für niemanden ist es verständlich, warum auf manches Ebook lange gewartet werden muss, obwohl der Text bereits lektoriert vorliegt.

Einig waren sich am Ende der Session alle in diesem Punkt: In der Zukunft wird es zunehmend nötig sein, Personal für den Support bei der Ebook-Problematik fix einzuplanen. Inwiefern dies umsetzbar ist, ist eine ganz andere Frage. Aber selbst wenn, auch dann wird es immer wieder schwierige Felder geben, denn mit allem, beispielsweise auch sämtlichen aktuellen Apps oder Updates, kennt sich schließlich keiner aus.


Die Sessions 2014 – Luise Schitteck und Carsten Sievers über „Ein Traum von einem Buch“

Welche Themen erwarten euch dieses Jahr beim eBookCamp? Sessions und Sessionleiter stellen wir sukzessive hier im Blog vor.

Ein Traum von einem Buch – Leserstimmen

Luise Schitteck, Buchhändlerin, und Carsten Sievers, bei eBook.de im Kundenservice tätig, stehen in Sachen eBook-Support und-Verkauf in engem Kontakt mit Leserinnen und Lesern. In ihrer Session Ein Traum von einem Buch berichten sie aus erster Hand, was dem Leser Freude und Frust bereitet.

Gemeinsam blicken Luise und Carsten auf viele Jahre Erfahrung im E-Book-Geschäft zurück. Dabei schauen sie nicht aus dem berühmten Elfenbeinturm auf Leserinnen und Leser herunter, sondern stehen im direkten täglichen Kontakt. Wenn also einer von Lust und Frust der E-Book-Leser weiß, dann diese beiden!

In ihrer Session lassen sie uns an ihren Erfahrungen teilhaben. Sie berichten, welche Wünsche geäußert werden und wurden, worin Leserinnen und Leser den Mehrwert elektronischen Lesens sehen, was besonders frustriert und erfreut, nach welchen Kriterien Titel ausgewählt werden. Aber auch: Was sind Stolpersteine, was sorgt für Beschwerden? Warum entscheiden sich Leser und Leserinnen für eine bestimmte Leseumgebung (Hardware und „Location“)? Wird zum Beispiel das Schriftbild (abgesehen von der Schriftgröße) bewusst verändert? Wie hoch ist eigentlich tatsächlich der Anteil der Reklamationen relativ zu den tatsächlichen Verkäufen?

Ihre eigenen Erfahrungen werden die beiden mit denen zahlreicher anderer Kollegen und Kolleginnen unterfüttern. Außerdem soll es darum gehen, ihre eigenen Erkenntnisse mit den bekannten E-Book-Studien und Kundenbefragungen in Einklang zu bringen.

Zum Sessionbericht von Edda Klepp

Luise Schitteck

Luise Schitteck

Luise Schitteck ist gelernte Buchhändlerin und lässt sich von Freunden immer noch dafür auslachen, dass sie bei der Ankunft des ersten Kindle im Markt mit aller verfügbaren Vehemenz gegen elektronisches Lesen gewettert hat. Nach ihrer Ausbildung in einer kleinen Buchhandlung im Oldenburger Münsterland blieb sie dort noch einige Jahre im reinen Offline-Papier-Kosmos der klassischen Inhaberinnen-geführten Buchhandlung, verkaufte Bücher, begleitete Lesungen und überprüfte Steckverbindungen, wenn der Nadeldrucker mal wieder streikte.

Ab 2010 war Schitteck in der Thalia Buchhandlung in Osnabrück angestellt und wurde dort die (in jeder Filiale vorhandene) „E-Reading Expertin“. Von der Einführung des OYO im Oktober 2010 bis zum Wechsel zum Tolino Shine im Frühjahr 2013 hat sie dabei vermutlich jedes mögliche Kundenproblem mindestens einmal am eigenen Leib erfahren.

Auf e-luise.de bloggt sie über ihre Erfahrungen als Buchhändlerin mit e-Reading und e-Readern.

Seit Dezember 2013 ist sie im Marketing-und Vertriebsteam der Dortmunder Softwarefirma readbox angestellt, die Verlage dabei unterstützt, digitale Produkte zu konzipieren und erfolgreich in den Markt zu bringen.

Carsten Sievers

Carsten Sievers

Carsten Sievers ist seit 2007 im Bereich Kundenservice bei eBook.de, vormals Libri.de, tätig, zuvor studierte er Bibliotheks- und Informationsmanagement an der HAW Hamburg. Seine ersten Erfahrungen mit E-Books machte er bereits 2007 mit Mobipockets, mit ePub-E-Books arbeitet er seit 2009 täglich.